Überprüfen wir uns zu Tode? Sächsischer Labor-Chef warnt vor Corona-Test-Flut

Plauen - "Diese Information ist tödlich!" Mit dieser drastischen Warnung reagiert die Laborpartnerschaft Diagnostikum auf die veränderten Test-Kriterien für Corona. Das Robert-Koch-Institut hatte mitgeteilt, dass nur noch Symptome Kriterium für einen Test sein sollten - aber nicht mehr die Herkunft aus einer "Risiko-Region".

Labormediziner Michael Praus und Laborasisstentin Nicole Beulitz werten in Plauen die Ergebnisse von Corona-Tests aus.
Labormediziner Michael Praus und Laborasisstentin Nicole Beulitz werten in Plauen die Ergebnisse von Corona-Tests aus.  © Ellen Liebner

"Theoretisch wäre damit jede Erkältung die Indikation für einen Test. Das ist aus Kapazitätsgründen nicht umsetzbar", so Christian Scholz (38), geschäftsführender Gesellschafter des Laborverbundes, der in Plauen eines der größten sächsischen Corona-Testlabore betreibt. 

"Wenn wir jetzt deutlich mehr Proben erhalten, sind wir gezwungen, eine Auswahl zu treffen. Das könnte dazu führen, dass Schwerkranke zu lange auf ihren Befund warten müssen."

In Plauen werden täglich rund 1200 Proben getestet, die unter anderem aus der Corona-Ambulanz in Chemnitz sowie aus Dresden und Leipzig kommen. "Wir arbeiten in drei Schichten, haben die Kapazität seit Mitte März verzehnfacht und werden noch weiter ausbauen. Grenzen setzt uns die Verfügbarkeit von Reagenzien, die international stark nachgefragt sind", so Scholz. 

Ohne ausreichend Chemikalien nützen auch mehr Mitarbeiter und Technik nichts.

Der dringende Appell des Labormediziners: "Es sollten vorrangig nur Menschen mit schweren Krankheitssymptomen und medizinisches Personal getestet werden." 

Christian Scholz (38) warnt vor den Folgen einer Test-Flut.  
Christian Scholz (38) warnt vor den Folgen einer Test-Flut.  © PR/Diagnosticum
Die Proberöhrchen werden unter Sicherheitsvorkehrungen untersucht.  
Die Proberöhrchen werden unter Sicherheitsvorkehrungen untersucht.  © dpa/Felix Kästle
Ein Rachenabstrich dauert wenige Sekunden - die Auswertung im Labor ist aufwendig.  
Ein Rachenabstrich dauert wenige Sekunden - die Auswertung im Labor ist aufwendig.  © dpa/Jens Büttner
Nach der Entnahme wird das Probestäbchen in einem Plastikröhrchen verschlossen.  
Nach der Entnahme wird das Probestäbchen in einem Plastikröhrchen verschlossen.  © dpa/Sebastian Gollnow

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Titelfoto: dpa/Sebastian Gollnow/Ellen Liebner

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