Sächsische Firmen fühlen sich hintergangen: Politik setzt bei Masken und Co. auf asiatische Billigware

Treuen/Flöha/Schöneck - Wie versprochen, so gebrochen: Nach einem Jahr Pandemie ist der dringende Ruf nach heimischer Produktion von Schutzkleidung und Masken in Vergessenheit geraten. Weil asiatische Billigware wieder verfügbar ist, haben regionale Firmen, die dem Appell der Politik gefolgt sind, oft das Nachsehen.

SPIGA-Geschäftsführer Nico Mach (48) hat ein ganzes Regal voller praktisch unverkäuflicher Stoffmasken.
SPIGA-Geschäftsführer Nico Mach (48) hat ein ganzes Regal voller praktisch unverkäuflicher Stoffmasken.  © Sven Gleisberg

Bei der SPIGA GmbH in Falkenau liegen 100.000 mittlerweile unverkäufliche Stoffmasken im Lager. "Ich fühle mich hintergangen", sagt Geschäftsführer Nico Mach (48). "Wir haben viel Geld für Tests in die Hand genommen, rund 50.000 Euro für Prüflabore."

Der Spitzen- und Gardinenhersteller hatte 2020 die Produktion von antibakteriellen, atmungsaktiven Masken gestartet. Auch für die neu entwickelte virendichte Variante macht sich Mach wenig Illusionen: "Seit wieder Flugzeuge mit asiatischer Ware landen, spielt Nachhaltigkeit bei Ausschreibungen keine Rolle mehr, nur noch der Preis."

Das Modeunternehmen Seidel aus Schreiersgrün entwickelte wiederverwendbare Schutzkittel, investierte 20.000 Euro in die Zertifizierung - und wartet bisher vergeblich auf öffentliche Aufträge.

Frust sitzt tief

Nico Mach hatte für die Masken sogar einen hygienischen Spender in Planung.
Nico Mach hatte für die Masken sogar einen hygienischen Spender in Planung.  © Sven Gleisberg

Inhaber Axel Seidel (44): "Das ist ein rein sächsisches Produkt: der Stoff von Vowalon, das Garn aus Oederan, die Bündchen aus Hohenstein-Ernstthal. Wir warten auf Ausschreibungen des Landes, die schon für Oktober angekündigt waren."

Auch Technisat verließ sich auf Zusagen der Politik, investierte zehn Millionen Euro und stellte 100 Mitarbeiter für die Maskenproduktion ein. Sieben der insgesamt 15 angeschafften Maschinen stehen in Schöneck.

Die in Aussicht gestellten öffentlichen Aufträge gab es bisher nicht. Bei Geschäftsführer Stefan Kön (53) sitzt der Frust mittlerweile tief: "Die Abläufe in der Politik kann man nicht mehr nachvollziehen."

SPIGA-Mitarbeiterin Ines Schröter (46) zeigt bunte Stoffmasken, die jetzt Ladenhüter sind.
SPIGA-Mitarbeiterin Ines Schröter (46) zeigt bunte Stoffmasken, die jetzt Ladenhüter sind.  © Sven Gleisberg
Firmen-Inhaber Axel Seidel (44) probiert die im Vogtland entwickelte Schutzkleidung an. Meisterin Simone Stelter (58) kontrolliert die Qualität.
Firmen-Inhaber Axel Seidel (44) probiert die im Vogtland entwickelte Schutzkleidung an. Meisterin Simone Stelter (58) kontrolliert die Qualität.  © Pastierovic

Jens Otto (60), Hauptgeschäftsführer des Verbandes Nord- und Ostdeutscher Textilindustrie, warnt: "Wenn für die geplanten Pandemielager der Länder wieder nur der Preis zählt, ist die Gefahr groß, dass unsere Firmen leer ausgehen."

Titelfoto: Pastierovic

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