Nimmt Sachsen den Naturschutz nicht ernst? NABU sieht gravierende Versäumnisse

Dresden - Die EU-Kommission zerrt Deutschland vor den Europäischen Gerichtshof, weil Bund und Länder seit Jahren systematisch zu wenige Naturschutzgebiete ausweisen. Beim Versuch, den Schwund der Artenvielfalt zu verhindern, zeichnet sich auch der Freistaat Sachsen vornehmlich durch Nichtstun aus.

Mit einem nostalgischen Schild schützt der "Rat des Bezirkes" den Auewald in Leipzig.
Mit einem nostalgischen Schild schützt der "Rat des Bezirkes" den Auewald in Leipzig.  © privat

Mit 270 Flora-Fauna-Habitat-Gebieten verfügt Sachsen über zahlreiche Naturschätze. Diese 168.655 Hektar machen über neun Prozent der Landesfläche aus. Doch weniger als 15 Prozent dieser Gebiete haben auch einen rechtlich zureichenden Schutzstatus - etwa als Naturschutzgebiet.

„Auch in Sachsen sind Schutzgebiete unzureichend gesichert“, sagt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. "Seit vielen Jahren mahnen wir an, dass eine Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Landesrecht erfolgen muss."

So stammt etwa die Rechtsverordnung für den Schutz des wertvollen Leipziger Auwaldes von 1961! Der Rat des Bezirkes, der sie erlassen hat, wurde vor 30 Jahren aufgelöst. Weitere Negativbeispiele sind die Gebiete Lockwitzgrund (Kreischa) oder das Triebelbachtal (Vogtland).

Es fehlt vor allem an gebietsspezifischen Erhaltungszielen und rechtlich gesicherten Maßnahmeplänen. Das einzig konkrete, was es für viele Gebiete gibt, sind Forstwirtschaftspläne - und die interessieren sich nicht für Kuckuck, Wildbiene, Feldhase oder seltene Orchideen.

Viele Schutzgebiete Sachsens haben unzureichenden rechtlichen Schutz.
Viele Schutzgebiete Sachsens haben unzureichenden rechtlichen Schutz.  © imago images/Star-Media

So musste der NABU Sachsen dieser Tage auch eine Beschwerde bei der EU einlegen, weil in der Radeburg-Lausnitzer Heide unersetzbare Quell- und Moorgebiete durch Kiesabbau bedroht sind. Hier leben Arten wie die Große Moosjungfer (Libelle) und der Rundblättrige Sonnentau.

Titelfoto: privat

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