Nur drei Anlagen gingen in Betrieb: Beim Thema Windenergie ist Sachsen ein laues Lüftchen

Dresden - Sachsen ist im Osten Schlusslicht beim Ausbau der Windkraft und liegt bundesweit auf Platz acht. So werden die Klimaziele aus dem Koalitionsvertrag nicht erreicht, kritisiert die Opposition und will beim geplanten Energie- und Klimaprogramm (EKP) mitreden. Reicht das?

Ausbau stockt: In Sachsen, aber auch bundesweit, werden immer weniger Windkraftanlagen gebaut. Das gefährdet das Energie- und Klimaprogramm (EKP) der Koalition, das derzeit neu aufgelegt wird.
Ausbau stockt: In Sachsen, aber auch bundesweit, werden immer weniger Windkraftanlagen gebaut. Das gefährdet das Energie- und Klimaprogramm (EKP) der Koalition, das derzeit neu aufgelegt wird.  © dpa/Jan Woitas

Im Freistaat wurden im ersten Halbjahr gerade einmal fünf neue Windräder mit einer Leistung von 20,7 Megawatt genehmigt, wie aus vorläufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land hervorgeht.

In Betrieb gingen hingegen nur drei Anlagen mit einer Leistung von 8,2 Megawatt. Das reicht laut Marco Böhme (30, Linke) dann nicht, wenn CDU, Grüne und SPD die im Koalitionsvertrag vereinbarten Klimaziele erreichen wollen.

Die Ausgangssituation ist ungünstig. Derzeit sind in Sachsen 907 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1272 MW installiert. Aber der Ausbau stockt, auch bundesweit.

Die Gründe sind vielfältig: lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen, viele Klagen, Schwankungen am Energiemarkt.

Dazu kommt, dass 2021 in Sachsen 356 Anlagen vor dem möglichen Aus stehen. Bis zum Jahr 2031 sind es sogar 730 Anlagen. Grund: Die Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für Altanlagen läuft aus, was die Anlagen unwirtschaftlich macht.

Marco Böhme (30, Linke).
Marco Böhme (30, Linke).  © PR/ Thomas Klaeber
Schwindelerregend: Bis 2030 sind 730 von gegenwärtig 907 Windkraftanlagen nicht mehr wirtschaftlich. Sie könnten vom Netz genommen werden.
Schwindelerregend: Bis 2030 sind 730 von gegenwärtig 907 Windkraftanlagen nicht mehr wirtschaftlich. Sie könnten vom Netz genommen werden.  © dpa/Hendrik Schmidt

Das Umweltministerium lässt derzeit das Energie- und Klimaprogramm von 2012 überarbeiten. Der Entwurf sollte auch im Landtag diskutiert werden, fordert Böhme und wirft der Koalition vor, keine Lösung für die auslaufenden Altanlagen zu haben.

Das stimmt nicht, heißt es auf Anfrage aus dem Ministerium. Man setze dabei unter anderem auf "Repowering", so Sprecher Robert Schimke (45). Dabei werden ertragsarme Altanlagen durch sehr viel ertragsstärkere Neuanlagen ersetzt. Um dies zu befördern, würden die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst.

Einer Abstimmung des EKP im Landtag erteilt das Ministerium aber eine Absage. Zwar werde das überarbeitete Programm noch in dieser Wahlperiode vom Kabinett verabschiedet, eine Abstimmung im Landtag sei aber nicht geplant.

Titelfoto: dpa/Jan Woitas

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