Obwohl das Ausbildungsjahr schon begonnen hat: Fast überall sind noch Lehrstellen frei!

Dresden - Das neue Schul- und Ausbildungsjahr ist wenige Tage jung. Der Start unter Pandemiebedingungen stand im Zeichen der Corona-Krise. 6300 Lehrstellen stehen noch offen. Hochschulen und Betriebe bemühen sich um Fachkräfte-Nachwuchs - aktuellen Unsicherheiten zum Trotz.

Die Arbeit mit dem Werkstoff Holz macht der angehenden Tischlerin sichtlich Freude. Trotzdem ist sie eine Exotin: Viele Mädchen haben Scheu vor Handwerksberufen.
Die Arbeit mit dem Werkstoff Holz macht der angehenden Tischlerin sichtlich Freude. Trotzdem ist sie eine Exotin: Viele Mädchen haben Scheu vor Handwerksberufen.  © 123rf.com/Antonio Diaz

"Wir finden unseren Nachwuchs normalerweise über Praktika und auf Recruiting-Veranstaltungen. Coronabedingt konnte das alles aber nicht stattfinden", berichtet Sylvia Börner (42), Geschäftsführerin der Dresdner Firma "Eberhard Rink". 

Viel später als sonst besetzte der Spezialist für Sanitär, Heizung, Elektro (86 Mitarbeiter) 2020 seine Lehrstellen.

"Die Corona-Krise hat die Ausbildungssuche in den vergangenen Monaten erschwert", sagt Klaus-Peter Hansen (57), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Chemnitz. 

Denkmal nach Flut vom Einsturz bedroht! Wer hilft mit bei der Mühlen-Rettung?
Sachsen Denkmal nach Flut vom Einsturz bedroht! Wer hilft mit bei der Mühlen-Rettung?

Seit Oktober 2019 haben sich in Sachsen insgesamt 19.870 Mädchen und Jungen in den Arbeits-Agenturen gemeldet und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten lassen. Das sind 832 oder 4,0 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 

Gleichzeitig bekamen die Arbeitsagenturen 18.972 Ausbildungsstellen gemeldet. Auch hier ist ein Minus von 7,6 Prozent (1 561 Stellen) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.

Rund 6300 freie Ausbildungsplätze

Klaus-Peter Hansen (57), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz.
Klaus-Peter Hansen (57), Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz.  © Steffen Füssel

Aktuell sind noch knapp 4000 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Wer flexibel ist hat große Chancen, noch kurzfristig einen Lehrvertrag unterschreiben zu können - noch rund 6 300 Ausbildungsstellen sind frei. 

Rein rechnerisch gibt es sogar in allen Kreisen für jeden noch unversorgten Bewerber mindestens eine freie Ausbildungsstelle. 

Absolut betrachtet sind die meisten freien Stellen derzeit noch in Leipzig (812), Bautzen (671) und im Erzgebirgskreis (586) zu finden.

Anschlag auf Flutschutztor an Grimmas tiefster Stelle: Stadt setzt Belohnung aus
Sachsen Anschlag auf Flutschutztor an Grimmas tiefster Stelle: Stadt setzt Belohnung aus

Die Jugendberufsberater der Agenturen arbeiten aufgrund der besonderen Situation im Moment "zweigleisig". 

Sie engagieren sich als Last-Minute-Vermittler und zeigen Präsenz in den Schulen, um die Abgangsklassen bei ihrem Weg ins Berufsleben zu unterstützen: "Neben unserem breiten Portfolio an Online-Angeboten zur Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche ist uns die Beratung und Erreichbarkeit sehr wichtig – telefonisch, per E-Mail, persönlich oder in Zukunft auch per Videokommunikation", sagt Hansen.

Jenseits von Corona beschäftigt die Geschäftsfrau Sylvia Börner ein "altbekanntes" Nachwuchs-Problem: "Die Jugend hat das Handwerk immer noch nicht auf dem Plan. Viele nehmen lieber ein Studium in Angriff als eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb. Das ist sehr schade, denn es gibt hier tolle Aufstiegschance auf dem mittleren Bildungsweg."

In diesen Berufen gibt es noch Ausbildungsplätze (Rangfolge gleich Aufzählung): Kaufmann/-frau im Einzelhandel (336), Verkäufer/in (205), Zerspanungsmechaniker/in (179), Elektroniker/in – Energie-/Gebäudetechnik (179), Kaufmann/-frau – Büromanagement (167), Mechatroniker/in (163), Fachkraft Lagerlogistik (154), Fachverkäufer/in – Fleischerei (152), Koch/Köchin (150) und Restaurantfachmann/-frau (149).

Sylvia Börner (42) führt zusammen mit Mirko Keubert die Firma Eberhard Rink Sanitär-Heizung-Elektro GmbH & Co. KG.
Sylvia Börner (42) führt zusammen mit Mirko Keubert die Firma Eberhard Rink Sanitär-Heizung-Elektro GmbH & Co. KG.  © Christian Juppe

Eine App kann helfen

Die Dresdner Entwickler der App scoolio helfen Schülern ihren Alltag zu organisieren. Nun will das Dresdner IT-Unternehmen auch noch die Berufswahl zum Kinderspiel machen - mit einer Zusatzfunktion der App. 

Im neuen Projekt "Futurespace" hilft ein mit Psychologen entwickeltes digitales Kartenspiel den Schülern, Stärken und Schwächen für ihre berufliche Zukunft zu identifizieren. 

Das Ergebnis sind Vorschläge für Praktikumsplätze, Ausbildungs- und Studienangebote oder auch Eventangebote regionaler Dresdner Partner, welche nach Persönlichkeitstyp und Interessen am besten zu ihnen passen.

Titelfoto: 123rf.com/Antonio Diaz, Steffen Füssel (Montage)

Mehr zum Thema Sachsen: