Rentner aus Sachsen entdeckt beim Hausbau Dutzende Gräber

Bosewitz - Bernd Aurisch (69) hat zwar keine Leiche im Keller. Dafür liegt ein uraltes Skelett direkt unter seinem Esstisch.

Voller Begeisterung präsentiert Bernd Aurisch (69) gesammelte Bilder und Dokumente. Der Rentner aus Bosewitz wohnt auf einem spätslawischen Mittelalter-Friedhof.
Voller Begeisterung präsentiert Bernd Aurisch (69) gesammelte Bilder und Dokumente. Der Rentner aus Bosewitz wohnt auf einem spätslawischen Mittelalter-Friedhof.  © Petra Hornig

Als wäre die Situation nicht schon verrückt genug, befindet sich dieses auch noch in bester "Gesellschaft". Der Rentner aus Bosewitz (zwischen Dresden und Pirna) wohnt auf einem Mittelalter-Friedhof. Vor 900 Jahren wurden hier Dutzende Tote in der Erde vergraben.

"Ich habe es immer geahnt", sagt Rentner Aurisch. Schon in den Neunzigerjahren hatte er bei Bauarbeiten ein paar Knochen und ein uraltes Tongefäß im Hof hinter seinem Elternhaus ausgebuddelt.

Seine Funde übergab er dem Landesamt für Archäologie. "Der Gedanke, dass da noch mehr sein könnte, hat mich nie losgelassen."

Beim Bau des Hauses wurden erneut Tongefäße gefunden

Binnen kürzester Zeit verwandelte sich seine Baustelle zu einem archäologischen Grabungsfeld.
Binnen kürzester Zeit verwandelte sich seine Baustelle zu einem archäologischen Grabungsfeld.  © Petra Hornig

2014 stürzte der ehemalige Tiefbauingenieur, der in einem Planungsbüro im Dresdner Coselpalais arbeitete, bei der Kirschernte vom Baum. Fortan querschnittsgelähmt, begann er 2015 mit seiner Frau im Garten ein rollstuhlgerechtes Eigenheim zu errichten. "Beim ersten Spatenstich hatten wir dann wieder ein Tongefäß in der Hand. Das konnte kein Zufall sein."

Aurisch reagierte prompt. Innerhalb weniger Wochen legten Experten 17 Gräber und das Skelettmaterial von insgesamt 18 Menschen frei. Und dann?

"Es wurden nur dort Tote entnommen, wo das Fundament des Hauses hinmusste." Die anderen liegen - wie auf einem richtigen Friedhof eben - nach wie vor überall verteilt.

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"Meine Frau und ich haben uns daran gewöhnt. Wir zollen den Toten großen Respekt." Er schmunzelt: "Einer von ihnen liegt sogar unter unserem Esstisch ..."

Wer waren die Toten?

Fast schon makaber: Dieses Skelett liegt direkt unterm Esstisch des Rentners.
Fast schon makaber: Dieses Skelett liegt direkt unterm Esstisch des Rentners.  © Petra Hornig

Wer waren die Menschen, die auf dem Friedhof des kleinen Bauernweilers Bosewitz ihre letzte Ruhe fanden?

Entweder handelt es sich um Slawen oder sie gehörten zu den ersten Deutschen, die hier eingewandert sind.

Die gefundenen Gefäße deuten auf eine slawische Kultur hin. Sie können für eine Datierung der Gräber in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts herangezogen werden.

Damals lag das Dorf im Gau Nisan, der zeitweise der Markgrafschaft Meißen und dem böhmischen König gehörte. Obwohl slawische Gräber in Sachsen eher als beigabenarm bekannt sind, konnten auch einige Trachtenteile geborgen werden. Darunter Schläfenringe aus Bronze und Silber.

Sie gelten ebenfalls als typische Ausstattung der Slawen.

Titelfoto: Montage: Petra Hornig (2)

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