Rettungsprogramm für Bahnhöfe: Warum bekommt Sachsen so wenig Geld ab?

Dresden - Mit einem Bundesprogramm sollen kleine Bahnhöfe attraktiver werden. Ganze zwei profitieren in Sachsen davon. Das meiste Geld fließt nach Bayern. Woran das wohl liegt?

Soll barrierefrei werden: der Bahnhof Falkenau-Süd.
Soll barrierefrei werden: der Bahnhof Falkenau-Süd.  © Kristin Schmidt

Viele Bahnhöfe in Sachsen hätten's bitter nötig. Bei zweien tut sich was: Falkenau-Süd (Landkreis Mittelsachsen) und Glauchau (Landkreis Zwickau).

Frühestens allerdings in zwei Jahren. Voraussichtlich 2023/24 sollen die beiden Bahnhöfe barrierefrei umgebaut werden.

Derzeit laufen die Planungen, heißt es von der Deutschen Bahn auf TAG24-Anfrage.

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Sachsen Baustart für Ortsumfahrung Zittau: Lückenschluss im Dreiländereck

Das Geld kommt aus dem "1000-Bahnhöfe-Programm" des Bundesverkehrsministeriums. Für Bahnhöfe mit bis zu 1000 Ein- und Ausstiegen täglich stehen 300 Millionen Euro zur Verfügung.

154,8 Millionen Euro oder 41 Prozent fließen nach Bayern, nur 1,8 Millionen (0,5 Prozent) nach Sachsen. Anders ausgedrückt: Bayern bekommt das 86-Fache und damit den Löwenanteil!

Kritik bleibt da nicht aus.

Nächster Halt Glauchau.
Nächster Halt Glauchau.  © Kristin Schmidt
Soll mit "wenig" Geld attraktiver werden: der Bahnhof Glauchau.
Soll mit "wenig" Geld attraktiver werden: der Bahnhof Glauchau.  © Kristin Schmidt
Barrierefrei: Die meisten Gleise sind in Glauchau auch per Lift zu erreichen - nur der Zugang zu den Bahnsteigen 4 und 5 ausschließlich per Fußgängertunnel.
Barrierefrei: Die meisten Gleise sind in Glauchau auch per Lift zu erreichen - nur der Zugang zu den Bahnsteigen 4 und 5 ausschließlich per Fußgängertunnel.  © Kristin Schmidt
Bahnsteigwechsel? In Falkenau geht das derzeit nur über die Fußgängerunterführung.
Bahnsteigwechsel? In Falkenau geht das derzeit nur über die Fußgängerunterführung.  © Kristin Schmidt
Bahnhof Glauchau: Auch die Treppenabgänge könnten ein "Lifting" vertragen.
Bahnhof Glauchau: Auch die Treppenabgänge könnten ein "Lifting" vertragen.  © Ralph Koehler/Propicture

Kritik von Grünen und FDP

Torsten Herbst (FDP, 47).
Torsten Herbst (FDP, 47).  © Steffen Füssel

"Bereits in der Vergangenheit hat sich das Bundesverkehrsministerium besonders gut darin verstanden, Investitionen in die bayerische Verkehrsinfrastruktur zu lenken und die gesamtdeutsche Perspektive hintanzustellen", kritisiert der verkehrspolitische Sprecher der sächsischen Grünen, Gerhard Liebscher (66).

Deutlicher wird der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst (47): "Das ist schlimmste Klientel-Politik auf dem Rücken der deutschen Steuerzahler."

Aber: Da kommt noch was nach. Denn das Bundesprogramm steht auf drei Säulen. Von der zweiten sollen größere Bahnhöfe (140 Mio. Euro) profitieren, von der dritten die Empfangsgebäude (142 Mio. Euro).

Sachsens Regierung zieht Halbzeitbilanz und ist zufrieden mit sich
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Sachsen kriegt also noch etwas ab. Ein paar Brosamen zumindest.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU).
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU).  © dpa/Kay Nietfeld
Gerhard Liebscher (Grüne, 66).
Gerhard Liebscher (Grüne, 66).  © Steffen Füssel

Denn wohin das meiste Geld fließt, dürfte jetzt schon klar sein ...

Titelfoto: Kristin Schmidt/dpa/Kay Nietfeld/Steffen Füssel

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