Sachsens chaotischer Impfstart: Erstmal gibt's keine neuen Termine!

Dresden - Am Montag öffneten die 13 vom DRK betriebenen sächsischen Impfzentren. Doch der Impfstart wurde verstolpert: technische Probleme, Warteschlangen, zu wenig Impfstoff.

Seit vergangenem Montag im Regelbetrieb: DRK-Sprecher Dr. Kai Kranich (39) vor dem Dresdner Impfzentrum auf der Messe. Bislang wurden hier zumeist Beschäftigte aus dem medizinischen Bereich und Feuerwehrleute geimpft.
Seit vergangenem Montag im Regelbetrieb: DRK-Sprecher Dr. Kai Kranich (39) vor dem Dresdner Impfzentrum auf der Messe. Bislang wurden hier zumeist Beschäftigte aus dem medizinischen Bereich und Feuerwehrleute geimpft.  © Petra Hornig

Allein einen Impftermin zu bekommen, war fast wie ein Sechser im Lotto. Schon der ersten Impfgruppe der über 80-Jährigen zuzumuten, sich online anzumelden, ist ein Webfehler der Impfaktion.

Dann ging das Online-Portal auch noch in die Knie. "Insgesamt gab es 1,6 Millionen Zugriffe, letztendlich wurden aber nur 9000 Impf-Termine online vergeben", sagt DRK-Sprecher Kai Kranich (39).

Und das bei aktuell 43.500 Impfungen in Sachsen. Bis heute hakt es online.

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"Es ist weiterhin nicht möglich, dass sich Ehepaare für einen gemeinsamen Impftermin anmelden können", gibt Kranich zu.

In den 13 Impfzentren wurden täglich durchschnittlich 1500 Dosen verimpft.

Am Freitag wurden in Sachsen insgesamt 3551 Impfspritzen aufgezogen - 1759 in den Zentren, 1792 von mobilen Impfteams.

Allein im Dresdner Impfzentrum konnten sich Freitag 249 Personen impfen lassen. Maximalkapazität: 800/Tag.

Lange Warteschlangen im Impfzentrum: Begleitpersonen müssen stehen

Zweimal warten bis zum Pieks: Vor den Check-in-Schaltern müssen Impfwillige noch einmal im Durchgang vor der Messehalle 4 auf ihre Spritze warten.
Zweimal warten bis zum Pieks: Vor den Check-in-Schaltern müssen Impfwillige noch einmal im Durchgang vor der Messehalle 4 auf ihre Spritze warten.  © Petra Hornig

Trotz der Auslastung von nur einem Drittel musste zum Beispiel Mittwochmittag eine Warteschlange vor der Dresdner Messeglashalle im Kalten ausharren.

Drinnen sollten Begleitpersonen von Impfwilligen "wegen des Hygienekonzeptes" dann zunächst im Stehen warten.

Da stand dann eine über 70-jährige Ehefrau neben dem Sitzplatz ihres über 80-jährigen Mannes.

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Nach Beschwerden wurden Bänke herangerückt. Im Impfzentrum Belgern (Landkreis Nordsachsen) wurde sogar ein medizinischer Mitarbeiter positiv auf Coronavirus getestet (TAG24 berichtete).

Er und sämtliche Helfer wurden vorsorglich ausgetauscht.

Gesundheitsministerin Köpping garantiert allen die zweite Impfung

"Ich kann die Impfung nur jedem ans Herz legen, um sich und seine Lieben zu schützen": Medizinstudentin Theresa (29) ließ sich am Samstag von Schwester Katrin Rödiger (44) in Dresden impfen.
"Ich kann die Impfung nur jedem ans Herz legen, um sich und seine Lieben zu schützen": Medizinstudentin Theresa (29) ließ sich am Samstag von Schwester Katrin Rödiger (44) in Dresden impfen.  © Petra Hornig

Impfkräfte sowie Hilfspersonal von DRK und Bundeswehr werden zumeist als sachkundig und freundlich beschrieben. Sie verwalten tapfer den Mangel.

Lichtblick in der Mangelwirtschaft: "Wir können allen die zweite Impfung garantieren", verspricht Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).

Die gebunkerten Zweitdosen seien auch der Grund für die schlechte Impfquote im Freistaat - aktuell 10,7 pro 1000 Einwohner (zum Vergleich Mecklenburg-Vorpommern: 23,4).

Auch das noch: Nächste Woche gibt's keine Termine!

Auf einen Schlag 20 Prozent mehr Impfstoff: Jetzt werden sechs statt fünf Impfspritzen pro Biontech-Ampulle aufgezogen.
Auf einen Schlag 20 Prozent mehr Impfstoff: Jetzt werden sechs statt fünf Impfspritzen pro Biontech-Ampulle aufgezogen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Der Impf-Frust geht nächste Woche weiter: Am Montag wird zwar endlich die neue Impfhotline in Sachsen geschaltet.

Doch für einen Termin braucht niemand unter Tel. 0800-08 99 089 anzurufen. "Wir können aktuell keinen einzigen Termin vergeben", sagt Kai Kranich.

Der Grund: "Am Montag werden vom Hersteller zwar 34.000 neue Impfdosen für den Freistaat erwartet. Doch die sind terminlich bereits alle verplant."

Weil wegen des kurzfristig angekündigten Lieferengpasses von Biontech/Pfizer keiner weiß, wie viele Dosen übernächste Woche eintreffen, wurde die Terminvergabe vorsorglich gestoppt.

"Wir fahren auf Sicht und wollen nicht in die Situation kommen, Impftermine absagen zu müssen", begründet Kranich.

Das heißt: Auch online kann man sich vorerst die Mühe sparen, nach einem Termin zu suchen über: sachsen.impfterminvergabe.de.

Titelfoto: Petra Hornig

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