Es wird immer schlimmer: Beispiellose Borkenkäfer-Plage lichtet Sachsens Wälder

Dresden - Fichte, Kiefer, Lärche - Borkenkäfer finden in Sachsens Forst reichlich Nahrung. Dank milder Temperaturen und Trockenheit vermehren sie sich besser als befürchtet - zum Leidwesen der Waldbesitzer.

Dieser Fichtenwald wurde von Borkenkäfern bereits zerstört.
Dieser Fichtenwald wurde von Borkenkäfern bereits zerstört.  © Julian Stratenschulte/dpa

Borkenkäfer fressen sich weiter durch Sachsens Forst. Ein Zehntel der Waldfläche ist, neben Sturm und Trockenheit, vor allem durch diese Insekten geschädigt. Nach Angaben des Umweltministeriums liegt das Ausmaß in Vogtland und Erzgebirge unverändert auf hohem Niveau, in den Landkreisen Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und Görlitz hat es im Vergleich zum Vorjahr noch einmal zugenommen. 

Vor allem der Buchdrucker, aber auch andere Vertreter der Art wie Kupferstecher brüten in Holz und Rinde von Fichten, Kiefern, Lärchen - bei idealen Bedingungen.

"Es gibt eine bisher nie dagewesene Populationsdichte", sagte eine Ministeriumssprecherin unter Verweis auf das Monitoring. Der Befall habe sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt und "einen historisch einmaligen Wert erreicht". 

An etwa drei Viertel aller Standorte wurden mehr Käfer als 2019 gefangen. Die Rekorde aus den Vorjahren wurden "an den meisten Standorten noch einmal gebrochen", bestätigte Renke Coordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst.

Wegen Niederschlagsmangel - den Angaben nach fehlt insgesamt seit 2018 etwa ein halber Jahresniederschlag - herrscht Dürre im Forst. "Die Waldböden sind tiefgreifend verdorrt und die Bäume dadurch erheblich geschwächt, in ihrem Wachstum und der natürlichen Abwehr gegen Schädlinge", erklärte Coordes. 

Dank der trockenen Witterung fliege vielerorts schon die zweite Generation Buchdrucker - die gefährlichste Borkenkäferart in Sachsen - aus. "Sie wird eine dritte Generation anlegen."

Dramatische Zahlen in den vergangenen Jahren

Das Einbohren der Insekten in die Rinde muss so schnell wie möglich erkannt, die Bäume rechtzeitig gefällt, aus dem Wald gebracht oder unschädlich gemacht werden.
Das Einbohren der Insekten in die Rinde muss so schnell wie möglich erkannt, die Bäume rechtzeitig gefällt, aus dem Wald gebracht oder unschädlich gemacht werden.  © Roland Weihrauch/dpa

Das Einbohren dieser Insekten in die Rinde muss laut Coordes so schnell wie möglich erkannt, die Bäume rechtzeitig gefällt, aus dem Wald gebracht oder unschädlich gemacht werden. 

"Diese dritte Käfergeneration hat so keine Möglichkeit, im Wald zu überwintern und im nächsten Jahr neue Bäume zu befallen." Die Behörde geht trotz aller Bemühungen davon aus, dass die Schäden durch Borkenkäfer 2020 höher ausfallen als im Vorjahr. 

In der letzten Borkenkäfer-Saison (jeweils Juni bis Mai) wurden gut 2,5 Millionen Kubikmeter Schadholz registriert, bis Ende Juli kamen mehr als eine halbe Million Kubikmeter dazu.

Der Freistaat fördert die Aufarbeitung von Schadholz zu 80 Prozent, ebenso Wiederaufforstung und Waldumbau. 2020 stehen 61,7 Millionen Euro mehr zur Verfügung, um die Waldbesitzer unterstützen. Ihnen fehlen die Einnahmen aus dem Holzverkauf, da der von dem Rohstoff überschwemmte Markt zusammengebrochen ist. 

Bis Ende Juni wurden nach Ministeriumsangaben 1462 Vorhaben nichtstaatlicher Waldbesitzer mit 3,1 Millionen Euro gefördert, vor allem zur Aufarbeitung von Restholz.

Privaten Waldbesitzern geht das auch angesichts der nötigen Investitionen zu langsam, einigen bleibe bereits nur ein Verkauf. "Das Geld ist da, der Bedarf auch, aber es muss schneller in die Fläche kommen", sagt der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst Sachsen und Thüringen, Hartwig Kübler. Allerdings fehle in der Verwaltung Personal, um die Anträge zügig zu bearbeiten. "Der bürokratische Weg muss abgekürzt werden."

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben seit 2018 über sieben Millionen Kubikmeter Schadholz hinterlassen. Laut Coordes sind rund 56.000 Hektar Fläche betroffen, fast zehn Prozent der insgesamt 525.000 Hektar Wald, und etwa ein Sechstel ist komplett kahl.

Der Anteil des Borkenkäfers daran stieg von einem Viertel 2019 auf aktuell fast 62 Prozent. "Die Situation wird sich erst mit einer länger anhaltenden kühleren und nassen Witterungsphase entspannen."

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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