Sachsen hamstern plötzlich Nudeln und Mehl

Dresden - Putins Krieg lässt weltweit die ohnehin bereits gestiegenen Rohstoffpreise explodieren.

Um Preiserhöhungen komme man nicht herum: Alexander Bartsch (49) betreibt in Klipphausen die Mühle Miltitz.
Um Preiserhöhungen komme man nicht herum: Alexander Bartsch (49) betreibt in Klipphausen die Mühle Miltitz.  © Norbert Neumann

Betroffen neben Öl und Gas vor allem Weizen. Denn die Ukraine gilt als "Kornkammer Europas", fällt als Exporteur aus. Die Entwicklung spüren wir auch in Sachsen: Brötchen werden teurer, in den Regalen der Supermärkte kommt es zu ersten Lücken - wegen Hamsterkäufen.

Zwar beziehen Sachsens Mühlen laut Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks keinen Weizen aus der Ukraine, sondern von Landwirten im Freistaat. Allerdings sorgen die Rohstoff-Engpässe generell für steigende Preise, was auch den Kostendruck der Müller erhöht.

Seit Juli stieg etwa der Weizenpreis pro Tonne an der Getreidebörse von 200 auf zuletzt 400 Euro. "Wer kann, vermeidet Käufe zu diesen Preisen", sagt Alexander Bartsch (49), der in Klipphausen die Mühle Miltitz betreibt.

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So hätten Müller mit langfristigen Lieferanten-Verträgen (etwa ein Jahr mit Preisbindung) und gut gefüllten Silos noch Handlungsspielraum.

Noch gibt's die Doppelbrötchen bei Schwerdtner für 75 Cent: Betriebsleiter Michael Heidler mit Mitarbeiterin Claudia Haas.
Noch gibt's die Doppelbrötchen bei Schwerdtner für 75 Cent: Betriebsleiter Michael Heidler mit Mitarbeiterin Claudia Haas.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
In einigen Supermärkten tauchen bei Spaghetti, Fusilli, Penne und Co. Lücken auf.
In einigen Supermärkten tauchen bei Spaghetti, Fusilli, Penne und Co. Lücken auf.  © privat
Auch Weizenmehl ist aktuell sehr begehrt bei den Kunden.
Auch Weizenmehl ist aktuell sehr begehrt bei den Kunden.  © privat

Bäckerei Schwerdtner plant keine Preiserhöhung

Viele Sachsen decken sich aktuell (mal wieder) mit Nudeln ein.
Viele Sachsen decken sich aktuell (mal wieder) mit Nudeln ein.  © picture alliance/dpa

Letztlich komme man aber nicht um Preiserhöhungen herum, denn auch die Kosten für Transport, Energie und Löhne seien stark gestiegen, so Bartsch. "Es tut wahnsinnig weh, darüber mit den Bäckereien zu sprechen. Beide Seiten müssen jetzt besonnen reagieren."

Die Bäckerei Schwerdtner (460 Mitarbeiter) plant aktuell trotz steigender Mehlpreise nicht, die Preise zu erhöhen. Das hatte der Traditionsbetrieb bereits im Januar gemacht. So stieg der Preis fürs Mischbrot von 3,45 auf 3,60 Euro, die Doppelsemmel von 70 auf 75 Cent.

"Dass es bald Bäckereien gibt, wo die Doppelsemmel einen Euro kostet, will ich nicht ausschließen", sagt Betriebsleiter Michael Heidler (50). Er erwartet, dass die Kosten in diesem Jahr weiter anziehen.

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Vielerorts wie in Dresden und Nossen decken sich die Sachsen in Supermärkten und Drogerien bereits wieder so stark mit Lebensmitteln ein, dass Lücken in Regalen auftauchen.

Betroffen vor allem haltbare Produkte wie Nudeln, aber auch Mehl. Wegen "erhöhter Kundennachfrage" kommt es aktuell auch bei der bekannten "Rolle Mühle" im Erzgebirge zu Lücken im Lager: Man kommt mit der Produktion nicht mehr hinterher.

Versorgungsengpässe schließen Lebensmittelhändler wie Aldi Nord jedoch (derzeit) aus. "Hamsterkäufe sind unnötig, da keine Ausfälle zu erwarten sind", sagt auch Saxonia-Geschäftsführerin Manuela Lohse (51).

Titelfoto: Bildmontage: privat/Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

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