Sachsens Krematorien am Limit: Die Grünen fordern Einsatz der Bundeswehr

Zittau - Im Corona-Hotspot Ostsachsen spitzt sich die Situation weiter zu.

Mit Kreide geschrieben steht "Covid19" auf einem Sarg mit einem Verstorbenen. Die Krematorien in Sachsen sind derzeit überlastet.
Mit Kreide geschrieben steht "Covid19" auf einem Sarg mit einem Verstorbenen. Die Krematorien in Sachsen sind derzeit überlastet.  © DPA/Robert Michael

Wegen stark steigender Todeszahlen in der Region Zittau müssen dort Leichen schon außerhalb des Krematoriums gelagert werden.

Sachsens Grüne fordern bereits Hilfe von THW und Bundeswehr beim Leichentransport. Das Zittauer Krematorium platzt aus allen Nähten.

Während in der 25.000-Einwohner-Stadt im vergangenen Jahr im Dezember 45 Menschen starben, waren es in diesem Monat bislang schon 115.

Die Toten sollen nun in einer Halle des Hochwasserstützpunkts gelagert und bei Freigabe zur Einäscherung ins Krematorium gefahren werden, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die zehn Krematorien in Sachsen sind nach Einschätzung der Bestatterinnung an den Kapazitätsgrenzen angelangt.

Innungsobermeister Wenzel wirft der Politik Versagen vor

Das Tor zum Krematorium Zittau ist verschlossen. Die Leichen müssen dort bereits in einem Hochwasserlager zwischengelagert werden.
Das Tor zum Krematorium Zittau ist verschlossen. Die Leichen müssen dort bereits in einem Hochwasserlager zwischengelagert werden.  © dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

"Das große Problem sind nun die Feiertage, davor haben alle Angst", fasst Innungsobermeister Tobias Wenzel die Stimmung in der Branche zusammen.

Einige Krematorien würden auch über die Feiertage arbeiten.

Wenzel warf der Politik Versagen vor: "Was wir jetzt an Sterbefällen haben, stammt vor allem aus den Pflegeheimen. Das viele Geld, was man in die Entwicklung der Corona-Warn-App gesteckt hat, hätte man lieber in den Schutz der Heime stecken müssen."

Angesichts der dramatischen Situation fordern die Landtags-Grünen eine Lockerung der Bestattungsregeln.

Die Grünen fordern Unterstützung der Bundeswehr

Grünen-Sozialpolitikerin Kathleen Kuhfuß (41) hat vorgeschlagen, Bundeswehr und THW für den Leichentransport um Hilfe zu bitten.
Grünen-Sozialpolitikerin Kathleen Kuhfuß (41) hat vorgeschlagen, Bundeswehr und THW für den Leichentransport um Hilfe zu bitten.  © Kristin Schmidt

Die Kommunen sollten mehr Spielraum haben, Verstorbene auch in Hallen zwischenzulagern, wenn dort eine Temperatur von unter zehn Grad sichergestellt sei, erklärte Fraktionssprecherin Kathleen Kuhfuß (41).

Sie forderte: "Wenn lange Fahrten zur Einäscherung notwendig sind, sollten die Kommunen logistische Unterstützung durch das THW oder die Bundeswehr erhalten."

Titelfoto: DPA/Robert Michael

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