Sachsen meldet erneut Rekordanstieg an Corona-Fällen, wie steht es um den Freistaat?

Dresden - Sachsen stehen schwierige Tage bevor: Abermals wurde ein neuer Höchstwert an Corona-Infektionen erreicht und ab Montag schließen Gaststätten, Hotels und andere Einrichtungen für einen Monat, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) trifft sich am Freitag mit seinem Kabinett zu einer Corona-Sondersitzung.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) trifft sich am Freitag mit seinem Kabinett zu einer Corona-Sondersitzung.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Sachsen hat einen Rekordwert an Corona- Neuinfektionen binnen eines Tages erreicht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag stieg die Zahl nach im Labor bestätigten Fälle um 1166.

Der bisherige Höchstwert war laut Ministerium am vergangen Montag mit 1444 Fällen erreicht worden. Allerdings wurden da die Zahlen vom Wochenende summiert. Nun handelt es sich um einen Wert, der innerhalb von 24 Stunden zustande kam.

Insgesamt haben sich in Sachsen bislang 16.062 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert. 300 Menschen starben an oder mit einer Covid-19-Erkrankung. Das sind neun Todesopfer mehr als am Mittwoch.

727 Corona-Patienten befinden sich im Krankenhaus, davon 147 auf der Intensivstation. Den größten Anstieg bei den Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichneten die Landkreise Mittelsachsen (182) und Bautzen (140).

Im Pflegeheim Lengefeld sind nach Angaben des Landratsamtes im Vogtlandkreis aktuell 14 Mitarbeiter und 24 Bewohner positiv auf Corona getestet. Zwei Bewohner sind in der Klinik verstorben.

Theater, Museen, Sporthallen: Neuer Lockdown sorgt für viele Schließungen

Leere Stühle in einem Dresdner Biergarten: Solche Bilder wird es im November dank einem neuen Corona-Lockdown in ganz Sachsen zu sehen geben.
Leere Stühle in einem Dresdner Biergarten: Solche Bilder wird es im November dank einem neuen Corona-Lockdown in ganz Sachsen zu sehen geben.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Unterdessen kündigten viele Einrichtungen in Sachsen am Donnerstag schon ihre Schließung für kommenden Montag an. 

Die Stadt Chemnitz macht alle öffentlichen Einrichtungen dicht. Betroffen sind unter anderem das Theater, die Stadthalle, Museen, der Tierpark, die Schwimm- und Sporthallen sowie die Eishalle.

Abhängig von den Details der neuen Rechtsverordnung des Landes, über die das Kabinett am Freitag berate, könnten weitere Schritte notwendig sein, hieß es. In Dresden sagte unter anderem die Philharmonie ihre für Ende November geplante Festwoche zum 150-jährigen Bestehen des Orchesters ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten am Mittwoch in einer Videokonferenz über weitere massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beraten.

Demnach soll es ab 2. November bis zum Monatsende einen neuen Lockdown für einige Bereiche geben: Gastronomiebetriebe sollen geschlossen bleiben, auch Theater, Opern, Konzerthäuser und Sportstätten. 

Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit soll nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gestatten werden.

Sachsens Kabinett legt am Freitag Sondersitzung ein

Jörg Brückner ist Sachsens Arbeitgeberpräsident und gar nicht zufrieden mit dem aktuellen Krisenmanagement der Politik.
Jörg Brückner ist Sachsens Arbeitgeberpräsident und gar nicht zufrieden mit dem aktuellen Krisenmanagement der Politik.  © Norbert Neumann

Das sächsische Kabinett kommt deshalb am Freitag zu einer Sondersitzung zusammen, um die Maßnahmen umzusetzen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) wollen sich am späten Nachmittag in der Staatskanzlei dazu äußern.

Am kommenden Mittwoch will Kretschmer im Landtag eine Regierungserklärung zur Lage des Freistaates in der Corona-Krise abgeben.

Am Donnerstag hielt der Unmut über die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen an. Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner übte scharfe Kritik. "Offensichtlich weiß sich die Politik nicht mehr anders zu helfen. Von Anfang an war sie ein schlechter Krisenmanager, auch wenn ständig Eigenlob zu hören war."

Dramatisch sei die Lage für jene Unternehmen und deren Mitarbeiter, denen man zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die Ausübung des Berufes untersage – undifferenziert und pauschal.

"Das ist nicht nur äußerst ungerecht, sondern existenzbedrohend für viele tausende kleine und mittelgroße Unternehmen", so Brückner. "In seiner Hilflosigkeit erhöht der Staat die Dosis von Garantiezahlungen immer weiter, ohne den Bürgern ehrlich zu sagen, dass dies zu enormen Belastungen in der Zukunft führen wird."

Bundeswehrsoldaten helfen beim Kampf gegen Corona

Generalleutnant Martin Schelleis (l.) spricht vor dem Seniorenheim "Jochhöh" in Freital mit Soldaten, die dem Pflegepersonal im Altenheim aushelfen.
Generalleutnant Martin Schelleis (l.) spricht vor dem Seniorenheim "Jochhöh" in Freital mit Soldaten, die dem Pflegepersonal im Altenheim aushelfen.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Unterdessen zog die Bundeswehr in Freital eine Bilanz zu ihrem bisherigen bundesweiten Einsatz an der "Corona"-Front.

"Wir haben ein Kräftekontingent von 15.000 Soldatinnen und Soldaten seit Frühjahr in Bereitschaft", berichtete Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, beim Besuch eines Freitaler Altenheimes, wo mehrere Soldaten die Arbeit des Pflegepersonals unterstützen.

Zuletzt sei die Nachfrage nach den Helfern in Uniform rapide gestiegen. Laut Schelleis sind aktuell rund 3200 Soldaten im Corona-Einsatz, für 720 weitere werde er derzeit geplant. Man sei auf weitere Nachfragen eingerichtet.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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