Sachsen, Thüringen und Bayern stellen gemeinsamen Corona-Plan vor

Dresden/München/Erfurt - Die Länder Sachsen, Thüringen und Bayern haben einen gemeinsamen Plan im Kampf gegen Corona vorgelegt. Begleitet von einem dramatischen Appell bereiten sie sich damit auf die Länderrunde am Mittwoch mit der Kanzlerin vor.

Markus Söder (r., CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt an einer Online-Pk teil. Auf dem Bildschirm links ist Michael Kretschmer, (CDU) Ministerpräsident von Sachsen, zu sehen.
Markus Söder (r., CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt an einer Online-Pk teil. Auf dem Bildschirm links ist Michael Kretschmer, (CDU) Ministerpräsident von Sachsen, zu sehen.  © Peter Kneffel/dpa

Michael Kretschmer (45, CDU), Bodo Ramelow (65, Linke) und Markus Söder (54, CSU) haben sich zusammengesetzt und für die Runde am Mittwoch eigene Vorstellungen entwickelt.

Hauptgrund: Durch die Nachbarschaft zu Tschechien, das zur Zeit von Corona und deren neuen Mutationen regelrecht überrollt wird, sind die drei Bundesländer besonders von den neuen, wieder steigenden Zahlen betroffen.

"Es geht darum, kluge Entscheidungen zu treffen. Wir müssen die richtige Balance zwischen Vorsicht und Öffnen finden", so Söder in einer Schaltkonferenz am Montagvormittag.

Es dürfe keinen "Öffnungsrausch" geben. "Wir wollen kluges Öffnen mit Leitplanken." Es dürfe keinen "Blindflug in eine dritte Welle" geben.

Auch Kretschmer sprach sich gegen "dieses unkontrollierte, nervende Schnellschnell-Öffnen" aus. Dazu sei die Situation zu dramatisch.

Beide, Söder und Kretschmer, unterstrichen die angelaufene Hilfe für Tschechien - mit Krankenhausbetten hier, aber auch mit dem Export von Impfdosen nach Tschechien wie auch von Schnelltests. Kretschmer informierte, dass Tschechien die ersten überlassenen Impfdosen-Chargen heute in Leipzig abholen werde. Tschechien steht nach Einschätzung Kretschmers nicht nur in Europa bei den Corona-Werten ganz vorn, sondern sogar weltweit. Er verteidigte zugleich nochmals die Grenzschließungen.

Söder warb für einen schnellen Start des Impfens für alle über Haus-, Schul- und Betriebsärzte in Deutschland. Überhaupt müsse der Stoff von AstraZeneca am liebsten schnell für alle ausgegeben werden. "Keine Impfdose darf mehr liegenblieben", so Söder. Sachsen, Bayern und Tschechien bildeten immerhin das Herz Europas.

Deutschland habe im Übrigen als Ganzes einen dramatischen Impfrückstand aufzuholen. Klar sei: "Corona wird uns die nächsten Monate noch beschäftigen."

Kretschmer: "Es wird keinen Impfzwang geben"

Vorgestellt wurde ein 10-Punkte-Plan für das gemeinsame Vorgehen gegen die Pandemie.
Vorgestellt wurde ein 10-Punkte-Plan für das gemeinsame Vorgehen gegen die Pandemie.  © Peter Kneffel/dpa

Kretschmer sagte, er könne sich vorstellen, dass zum Beispiel im Hotspot Vogtland allen Erwachsenen über 18 Jahren ein Impfangebot gemacht wird! Das Vogtland ist zur Zeit der sächsische Corona-Hotspot. Seit drei Wochen steigen dort die Zahlen sehr stark, verursacht vor allem durch die britische Mutante.

"Ist das, was wir da sehen im Erzgebirge Zufall, oder ist das möglicherweise durch den Eintrag aus Tschechien (mit) verursacht?", überlegte Kretschmer laut in der Runde. Genau könne das nicht gesagt werden. Darum helfe jetzt nur "Testen, Impfen, Aufklären".

Neben den Kriterien der Impfkommission sollten auch andere Kriterien Anwendung finden, so Kretschmers Forderung. Der sächsische Ministerpräsident sprach sich zudem für flächendeckende Tests an Schulen aus. Das helfe, Dunkelfelder aufzudecken.

Generelles Ziel, so Kretschmer, müsse sein: "Keine weitere Verbreitung, vor allem in den Krankenhäusern."

Zugleich stellte Kretschmer klar: "Es wird keinen Impfzwang geben! … Aber man darf nicht zu schell nie sagen." Die Frage werde sich vielleicht sowieso von allein stellen, wenn die Menschen anfangen würden, die Kosten der Pandemie zu betrachten. Er warb um einen Blick auf den Umgang mit der Masernimfpung. Grundsätzlich sei der vorhandene Impfstoff gegen Corona "segensreich".

Söder sagte zum Thema: "Sich zu impfen schützt sich und andere." Darum seien auch Impfpässe national und europaweit sinnvoll. Er sei sehr wohl dafür, dass Geimpfte Privilegien erhielten.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0