Sachsen will neuen Lockdown verhindern und die Menschen vom Impfen überzeugen

Dresden - Sachsen hat die bestehenden Corona-Regeln unverändert bis zum 25. August verlängert. Zudem beschloss die Regierung einen Herbst-Plan, um auf eine eventuell vierte Welle schnell reagieren zu können. Oberste Priorität: kein neuer Lockdown.

Stellte am gestrigen Dienstag Sachsens Herbst-Plan vor: Gesundheits-Staatssekretärin Dagmar Neukirch (58, SPD).
Stellte am gestrigen Dienstag Sachsens Herbst-Plan vor: Gesundheits-Staatssekretärin Dagmar Neukirch (58, SPD).  © Holm Helis

Es gebe nun verschiedene Bund-Länder-Gespräche, etwa zur Neubewertung des Inzidenzwerts auch abhängig von der Impfquote, sagte Gesundheitsstaats-Sekretärin Dagmar Neukirch (48, SPD) nach der gestrigen Kabinettssitzung in Dresden. Die bundeseinheitliche Regelung dazu solle bis Mitte August vorliegen.

Für Sachsen präsentierte sie einen vom Kabinett gerade verabschiedeten Herbst-Plan. Ziel sei, dass es keinen weiteren Lockdown gebe, erklärte Neukirch.

Das sind die wichtigsten Punkte: Alle 13 Impfzentren bleiben bis Ende September geöffnet. Die Kommunen sollen die Test-Infrastruktur im Herbst wieder hochfahren, die Gesundheitsämter eine konsequente Kontaktnachverfolgung und Quarantäneüberwachung gewährleisten.

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Der Freistaat hält eine Notreserve an Schutzausrüstung und Schnelltests vor. Für Reiserückkehrer gilt eine Testpflicht. Auch Arbeitnehmer sollen sich nach ihrem Urlaub testen lassen.

Müssen sich zum Beginn des neuen Schuljahres wieder testen: Sachsens Schülerinnen und Schüler.
Müssen sich zum Beginn des neuen Schuljahres wieder testen: Sachsens Schülerinnen und Schüler.  © dpa/Matthias Balk

Lehrer und Schulpersonal sind verpflichtet, sich in der Woche vor Schulbeginn zweimal testen zu lassen, Schüler in den ersten beiden Schulwochen ebenfalls.

Wenn der Inzidenzwert über 10 liegt, gilt in beiden Wochen zudem wieder Maskenpflicht in den Schulen, die Test-Frequenz wird erhöht.

Der Uferstrand Chemnitz ist am Abend gut besucht. Mit ihrem Herbst-Plan will Sachsens Regierung dafür sorgen, dass auch die Gastronomie nicht noch einmal in den Lockdown muss.
Der Uferstrand Chemnitz ist am Abend gut besucht. Mit ihrem Herbst-Plan will Sachsens Regierung dafür sorgen, dass auch die Gastronomie nicht noch einmal in den Lockdown muss.  © Kristin Schmidt

Kretschmer will Sachsen vom Impfen überzeugen

Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) appelliert an die Sachsen, sich impfen zu lassen.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) appelliert an die Sachsen, sich impfen zu lassen.  © Holm Helis

In keinem Bundesland hat die Corona-Pandemie bezogen auf die Bevölkerung so viele Tote gefordert wie in Sachsen. Trotzdem ist die Impfbereitschaft hierzulande so gering wie sonst nirgends - und der Freistaat bei der Impfquote Schlusslicht.

Damit sich das ändert und Sachsen im Herbst nicht mit voller Kraft in die vierte Welle steuert, hat sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) am gestrigen Dienstag mit Vertretern verschiedenster Verbände zu einem Impfgipfel getroffen.

Das gemeinsame Ziel: Die Sachsen von der Impfung überzeugen. "Wir leben in einem Rechtsstaat und da kann und soll es keinen Zwang geben", stellte Kretschmer klar.

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Auch von Gutscheinen als Belohnung hält der MP nichts. Stattdessen appelliert er an die Verantwortung, Solidarität und Nächstenliebe der Sachsen. "Impfen schützt uns nicht nur selbst, sondern leistet einen Beitrag, dass die Gesellschaft insgesamt geschützt ist, vor allem Kinder und Jugendliche."

Er rief die Sachsen auf, "mit offenem Blick auf das Thema zu schauen und sich zu informieren".

Wie gut die Impfung wirkt, zeigen die Zahlen. "Von 140.000 Geimpften kann einer an Covid sterben, in der gleichen Zeit sterben knapp 550 Ungeimpfte", sagt der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission Thomas Grünwald.

Der Impfstoff ist da, was fehlt sind die Imfpwilligen.
Der Impfstoff ist da, was fehlt sind die Imfpwilligen.  © DPA/Robert Michael

Vor allem die Unentschlossenen sollen überzeugt werden. Landesärztekammerpräsident Erik Bodendieck appellierte, sich noch im Sommer impfen zu lassen. "Wenn wir erst im Herbst anfangen, ist es zu spät."

Titelfoto: Montage: Kristin Schmidt, Holm Helis (2)

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