Sachsen zahlt Millionen für Bakterien: Winzige Armee reinigt verseuchten Boden

Großenhain - Einen zweistelligen Millionenbetrag stellt Sachsen zur Verfügung, damit sich Heerscharen von Bakterien ungehindert vermehren können und von ihrer Lieblingsspeise satt werden. Die Investition geschieht aber nicht aus Liebe zu den winzig kleinen Lebewesen - diese sorgen dafür, dass verseuchter Boden saniert wird.

SIB-Projektleiter Silvio Strauß mit gesäuberter Erde. Die eigentliche Arbeit übernehmen Trilliarden von Mini-Lebewesen.
SIB-Projektleiter Silvio Strauß mit gesäuberter Erde. Die eigentliche Arbeit übernehmen Trilliarden von Mini-Lebewesen.  © Petra Hornig

Mehr als 40 Jahre war die Rote Armee auf dem Flugplatz Großenhain stationiert. Weil das Militärpersonal einen recht lockeren Umgang mit dem Flugbenzin pflegte, versickerten in dieser Zeit Hunderte Tonnen von Kerosin bis in tiefere Schichten des Erdreiches.

Diese Altlasten müssen nun bereinigt werden, zumal der Freistaat das 150 Hektar große Gelände für Industrieansiedlungen vorhalten will.

Und hier kommen sogenannte Hydrocarbonoklastische Bakterien (HCB) ins Spiel.

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Diese ernähren sich von allen möglichen Kohlenwasserstoffen, zersetzen sie in Kohlendioxid und Wasser. Diese Bakterien leben in nahezu allen Böden.

Der Sächsische Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) sorgt nun dafür, ihnen perfekte Lebensbedingungen für ihre wertvolle Spezialistentätigkeit zu bieten.

Eine Dreiecks-Wendemaschine mit fünf Meter breiter Walze wendet die Erdhaufen, damit die Bakterien auch genügend Sauerstoff bekommen.
Eine Dreiecks-Wendemaschine mit fünf Meter breiter Walze wendet die Erdhaufen, damit die Bakterien auch genügend Sauerstoff bekommen.  © Petra Hornig

Insgesamt zahlt Sachsen 35 Millionen

Auf dem Flughafen Großenhain gingen die Sowjets beim Betanken ihrer MIG-Kampfflugzeuge recht sorglos mit dem Flugbenzin um.
Auf dem Flughafen Großenhain gingen die Sowjets beim Betanken ihrer MIG-Kampfflugzeuge recht sorglos mit dem Flugbenzin um.  © Eric Münch

Denn dazu benötigen die Bakterien viel Sauerstoff, der tief im Boden nur spärlich vorhanden ist.

Mit einer riesigen Bodenwendemaschine wird die verseuchte Erde immer wieder gut durchlüftet. Mehr als 60.000 Tonnen Erdreich wurden seit 2017 somit nach und nach vom Kerosin befreit.

Wenn man im kommenden Jahr damit fertig ist, werden mehr als 35 Millionen Euro in diese Altlastensanierung geflossen sein.

Titelfoto: Petra Hornig

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