Sachsens Gesundheits-Ministerin im Corona-Interview: "Es geht nur mit Hilfe der Bevölkerung"

Dresden - TAG24 traf Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD) zum Gespräch. Thema: Corona-Krise. 

"Ich kann weitere Maßnahmen nicht ausschließen": Petra Köpping (62, SPD).
"Ich kann weitere Maßnahmen nicht ausschließen": Petra Köpping (62, SPD).  © Ralf Seegers

TAG24: Wie besorgt sind Sie wegen der aktuellen Corona-Lage?

Petra Köpping: Natürlich bin ich besorgt. Wir können nicht schönreden, dass die Zahlen auch in Sachsen steigen. Wir hatten am Freitag 321 neue Fälle. Das sind Anstiege, die wir so im Frühjahr und Sommer nicht hatten. Dann gibt es den zweiten Bereich, den ich mir immer anschaue: Die Zahl der Menschen, die wegen Corona im Krankenhaus bzw. auf der Intensivstation liegen. Die Zahlen haben sich im Vergleich zu letzter Woche verdoppelt. Das hat noch nichts mit Kapazitäten zu tun. Wir sind in Sachsen sehr gut aufgestellt und nicht am Limit. Aber wir müssen uns die Entwicklung anschauen. Deshalb haben wir in Sachsen auch das einmalige System der Krankenhauskoordinatoren eingeführt. Wir wissen, welcher Patient wo die beste medizinische Versorgung bekommt.

TAG24: Kann in Anbetracht steigender Corona-Zahlen ein sachsenweiter Lockdown noch verhindert werden?

Petra Köpping: Wichtig ist die Mitarbeit der Bevölkerung: Abstand, Mund-Nasen-Bedeckung und Hygieneregeln. Ich empfehle überall, wo es voll ist und ich das Gefühl habe, Menschen zu nahe zu kommen, die Maske zu tragen. Also mehr, als formal vorgeschrieben ist. So viele Regeln können wir als Freistaat gar nicht aufstellen. Es liegt also viel daran, wie sich die nächsten Wochen entwickeln und ob es uns gelingt, die Zahlen zu stabilisieren. Wenn das nicht gelingt, werden wir überlegen müssen, was wir tun. Ich kann weitere Maßnahmen nicht ausschließen. Ich kann nicht in die Glaskugel gucken. Ich kann nur versichern, dass die Politik alles dafür tut, radikale Maßnahmen wie im Frühjahr zu vermeiden. Und das wiederum geht nur mit der Hilfe der Bevölkerung. Wir wollen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben aufrechterhalten.

Sind Ausreisebeschränkungen der bessere Weg?

Schutzmasken ja, Unterrichtsausfall nein: Neben einem erneuten Lockdown sollen auch Schulschließungen vermieden werden.
Schutzmasken ja, Unterrichtsausfall nein: Neben einem erneuten Lockdown sollen auch Schulschließungen vermieden werden.  © dpa/Sven Hoppe

TAG24: Droht bei weiter steigenden Zahlen in anderen Regionen, dass das Beherbergungsverbot in Sachsen wieder eingeführt werden muss?

Petra Köpping: Das Beherbergungsverbot gibt es seit gestern in Sachsen nicht mehr. Es hat sich in der Praxis nicht bewährt und war auch den Bürgern kaum vermittelbar. Hotels waren auch keine Corona-Hotspots. Mehrere Gerichte in anderen Bundesländern haben das Beherbergungsverbot zudem bereits gekippt.

TAG24: Sind Ausreisebeschränkungen, wie sie Ministerpräsident Daniel Günther (47, CDU) in Schleswig-Holstein vorschlägt, der bessere Weg?

Petra Köpping: Von Ausreisebeschränkungen für Menschen aus inländischen Risikogebieten halte ich nichts. Der Eingriff in die persönliche Freiheit wäre mir zu groß. Aber ich appelliere an alle Bürger, sorgfältig zu prüfen, ob Reisen oder Aufenthalte in Risikogebieten wirklich notwendig sind. Das muss jeder eigenverantwortlich für sich entscheiden. Dies gilt insbesondere für Urlaube und Kuren in Risikogebieten wie Tschechien.

Titelfoto: dpa/Sven Hoppe/Ralf Seegers

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