Sachsens Krankenhäuser wegen Corona in finanzieller Not: Schaffen sie es durch die Krise?

Dresden - Durch die Corona-Pandemie geraten Krankenhäuser nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft Sachsen immer mehr in wirtschaftliche Schieflage.

Corona überall: Sachsens Krankenhäuser kämpfen mit den gestiegenen Belastungen durch die Corona-Krise.
Corona überall: Sachsens Krankenhäuser kämpfen mit den gestiegenen Belastungen durch die Corona-Krise.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

"Es muss politisch dringend gehandelt werden, um die Budgets und die Liquidität der Häuser in diesem Jahr zu sichern", sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München.

Genaue Zahlen liegen der Gesellschaft derzeit noch nicht vor. Alle Krankenhäuser seien - wenn auch in unterschiedlichem Umfang - von Einnahmeverlusten betroffen.

Wegen Corona komme es immer wieder zu Minderbelegungen in den Häusern, weil andere Behandlungen möglicherweise verschoben werden. Die Kosten liefen jedoch unverändert weiter.

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Das Sozialministerium hat nach eigenen Angaben keine Kenntnisse, dass Krankenhäuser coronabedingte Zahlungsschwierigkeiten haben und deshalb eine Schließung drohe.

Während des ersten Lockdowns seien die Häuser von März bis September 2020 durch Ausgleichszahlungen des Bundes wirtschaftlich stabilisiert worden, sagte München

Beim zweiten Lockdown würden seit November 2020 Hilfen aber nur noch ab bestimmten Schwellenwerten wie Inzidenz oder Intensiv-Kapazitäten und außerdem nur ausgewählten Krankenhäusern gewährt.

Das verschärfe die wirtschaftliche Situation der Häuser.

Mitarbeiter fallen wegen Quarantäne und Infektionen aus

Ein Covid-Patient ist an einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig angeschlossen.
Ein Covid-Patient ist an einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig angeschlossen.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

"Die pandemiebedingten geringeren Einnahmen werden durch die sogenannte Freihalteprämie zwar gemildert, reichen jedoch nicht aus", sagte der Kaufmännische Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz, Dirk Balster.

Bei wieder steigenden Infektionszahlen fielen Mitarbeiter unter anderem aus, weil sie sich selbst infiziert hätten, erkrankt seien oder unter Quarantäne stünden, hieß es. Deshalb könnten nicht alle Stationen im Chemnitzer Klinikum voll betrieben und ausgelastet werden.

Zudem sei der Pflege- und Hygieneaufwandes für Covid-19- Patienten auf der Intensivstation besonders hoch. Das binde zusätzlich Mitarbeiter und gehe zulasten von geplanten Operationen, weil diese dann dort fehlten.

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"Es hat sich gezeigt, dass auch bei einer Inzidenz unterhalb von 70 die Notwendigkeit bestehen kann, planbare Aufnahmen, Operationen und Eingriffe zu verschieben, um freie intensivmedizinische Behandlungskapazitäten zu schaffen", sagte die Pressesprecherin des Klinikums Sankt Georg in Leipzig, Manuela Powollik.

Vor diesem Hintergrund müsse es möglich sein, die Voraussetzung für Ausgleichszahlungen anzupassen.

Knapp durch die Krise - Ausgleichszahlungen werden zu spät bekannt gegeben

Ein Intensivpfleger auf der Covid-19 Intensivstation (ITS) im Städtischen Klinikum Dresden.
Ein Intensivpfleger auf der Covid-19 Intensivstation (ITS) im Städtischen Klinikum Dresden.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Aktuell sei ein Teil der Refinanzierung bis Ende März 2021 sichergestellt, sagte die Sprecherin des Städtischen Klinikums Dresden, Viviane Piffczyk.

"Von November 2020 bis Mitte Februar 2021 mussten wir geplante Eingriffe komplett verschieben. Anfänglich haben wir dies getan, ohne zu wissen, ob es Ausgleichszahlungen geben wird."

Ab November 2020 hätten diese dann die Situation finanziell abgefedert. 2020 seien die Mittel des Bundes für die Freihaltung der Betten auskömmlich gewesen.

Stand 24. März 2021 wurden laut Piffczyk 65 Corona-Patienten versorgt, 13 benötigten Intensivmedizin. Die Bettenbelegung werde wöchentlich beurteilt, damit schnell reagiert werden könne, hieß es.

Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft hat sich die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser bundesweit infolge der Corona-Pandemie dramatisch zugespitzt.

Weniger als jedes dritte Haus bundesweit erwarte für 2020 ein positives Jahresergebnis und nur noch 18 Prozent der Kliniken beurteilten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut.

Für 2021 erwartet nur knapp ein Viertel der Krankenhäuser eine wirtschaftliche Verbesserung.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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