Schnee schmilzt auch in Höhenlagen: Droht Sachsen wieder ein Hochwasser?

Dresden/Chemnitz/Leipzig - Erst Schneefälle in ungewohnter Menge, dann ergiebiger Regen sowie verfrühte Schneeschmelze. Und jetzt zweistellige Frühlingstemperaturen. Ist das die beängstigende Mixtur für ein heftiges Frühjahrshochwasser? TAG24 hat beim Landeshochwasserzentrum nachgefragt.

Elbehochwasser an den Dresdner Elbwiesen: An der Marienbrücke ist die Elbe aus ihrem Flussbett getreten - doch viel Schlimmeres bleibt uns wohl erst einmal erspart.
Elbehochwasser an den Dresdner Elbwiesen: An der Marienbrücke ist die Elbe aus ihrem Flussbett getreten - doch viel Schlimmeres bleibt uns wohl erst einmal erspart.  © Eric Münch

"Zurzeit liegt nur für die untere Weiße Elster im Raum Leipzig eine Hochwasserwarnung vor", sagt Karin Bernhardt, Sprecherin des Landeshochwasserzentrums. Dort wurde Samstag am Pegel Kleindalzig 1,97 Meter (normal: 76 Zentimeter) gemessen - Warnstufe 1.

Der Pegel der Elbe lag Samstagabend in Dresden bei 3,59 Metern, soll Montag auf bis zu 3,78 Meter ansteigen. Erst ab vier Metern wird Alarmstufe 1 ausgerufen.

Die große Flut ist ausgebremst. So wurde der Tauprozess nachts bei Temperaturen um den Gefrierpunkt immer wieder ausgesetzt oder verlangsamt. "Viel Wasser konnte zudem in die trockenen Böden versickern oder durch die Sonneneinstrahlung verdunsten", sagt Bernhardt.

Im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe liegt zwar noch viel Schnee, aber der gespeicherte Wasservorrat in der Schneedecke ist jetzt mit 25 Millimetern deutlich geringer als zum Beispiel im schneereichen März 2006 mit 90 Millimetern.

Damals stieg der Pegel in Dresden nach einer rasanten Schneeschmelze auf 7,49 Meter - Alarmstufe 4!

Was bedeuten eigentlich die Hochwasserwarnstufen?

Hier wird zuerst abgeriegelt: Sperrschild am Elberadweg vor dem Schillergarten.
Hier wird zuerst abgeriegelt: Sperrschild am Elberadweg vor dem Schillergarten.  © DPA/Robert Michael

• Bei Warnstufe 1 beginnen die Gewässer auszuufern. Wetter und Wasserstände werden beobachtet, technische Einsatzbereitschaft überprüft.

In Dresden werden beispielsweise der Radweg in Niederwartha (Lotzebachbrücke) und der linksseitige Elberadweg in Höhe Schillergarten gesperrt.

• Ab Warnstufe 2 sind erste Forst- und Grünflächen sowie Straßen überflutet, müssen gesperrt werden. Evakuierungsmaßnahmen und Sandsackfüllplätze werden vorbereitet, Gewässer laufend kontrolliert.

In Chemnitz werden die Schieber Harthau oberhalb von Brücke/Haltepunkt Friedrichstraße geschlossen.

• Mit Warnstufe 3 sind Häuserzeilen, überörtliche Straßen und Schienen überschwemmt. Der Wasserstand von Deichen erreicht etwa die halbe Deichhöhe. Hochwasserschutzmaterialien werden bereitgestellt.

Das war nur eine Hochwasserübung: Probeaufbau und Reinigung der Flutschutztore am Ostra-Ufer.
Das war nur eine Hochwasserübung: Probeaufbau und Reinigung der Flutschutztore am Ostra-Ufer.  © Steffen Füssel
Hochwassergefahr durch Schneeschmelze? Aktueller Wasserstand der Chemnitz im Bereich zwischen Uferstrand und Falkeplatz.
Hochwassergefahr durch Schneeschmelze? Aktueller Wasserstand der Chemnitz im Bereich zwischen Uferstrand und Falkeplatz.  © Maik Börner

• Ab der höchsten Warnstufe 4 besteht Gefahr für Leib und Leben. Große Gebiete und Bebauung sind überschwemmt, Volldeiche werden überströmt - drohen zu brechen. Vom Wasser Eingeschlossene müssen mit lebensnotwendigen Gütern versorgt werden.

In Chemnitz wird beispielsweise der Hubvorgang der Brücke Fabrikstraße/Markthalle ausgelöst.

"In Dresden wird das Flutschutztor Weißeritzstraße bei etwa 6,10 Meter Pegel, das Flutschutztor Ostra-Ufer bei etwa 7,00 Meter Pegel geschlossen", sagt Sprecherin Diana Petters.

Titelfoto: Eric Münch

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