Schweinepest hin oder her: Sachsens Jäger sind kaum auf Schwarzwild erpicht

Rothenburg - Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht, um in Sachsen einzufallen. So ist gerade der November der wichtigste Monat für die Jagd auf Wildschweine. Doch die Motivation der Jägerschaft hält sich gerade in Grenzen - aus verschiedenen Gründen.

Besonders im November müsste der Schwarzwildbestand reduziert werden. Sonst gibt es im Frühjahr zu viele Ferkel. Doch kein Jäger schießt für die Tonne.
Besonders im November müsste der Schwarzwildbestand reduziert werden. Sonst gibt es im Frühjahr zu viele Ferkel. Doch kein Jäger schießt für die Tonne.  © imago/Agentur 54 Grad

Durch die Corona-Krise sind die Vermarktungsketten für Wildfleisch weitgehend zusammengebrochen. Durch den neuerlichen Lockdown fallen auch die Abnehmer in der Gastronomie weg. Der Marktpreis für Schwarzwild liegt teilweise unter 1 Euro pro Kilo.

"Wenn der Jäger nichts loskriegt, schießt er auch nicht", beschreibt Hans-Dietmar Dohrmann aus Rothenburg das Dilemma.

In seinem Revier, das in der Pufferzone des ersten sächsischen ASP-Fundes liegt, darf derzeit ohnehin nicht geschossen werden, damit die Rotten weniger wandern.

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Bereits im Mai forderten die Jagdverbände von den zuständigen Ministern Günther (Forst) und Köpping (Seuchenbekämpfung) mehr Anreize zur Jagd. Dohrmann: "In Bayern etwa tritt der Freistaat als Aufkäufer auf." Es gibt 100 Euro pro erlegter Sau.

Nahe der Neiße errichtete das THW in dieser Woche einen Schutzzaun gegen die Schweinepest.
Nahe der Neiße errichtete das THW in dieser Woche einen Schutzzaun gegen die Schweinepest.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Auch Brandenburg hat seit 2019 eine Abschussprämie: Für jedes im Vergleich zum Vorjahr mehr zur Strecke gebrachte Wildschwein im Revier gibt es 50 Euro. Davon können Sachsens Jäger nur träumen.

Titelfoto: imago/Agentur 54 Grad

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