Sind Sachsens Messen schon gelesen? Bangen und Hoffen bei Veranstaltern, Ausstellern und Publikum

Dresden - 2020 ging nicht viel. Auch das neue Ausstellungs-Jahr startet ohne Versprechungen. Sind Sachsens Messen also schon gelesen? Eine ganze Branche zittert - und mit ihr das Publikum. Was wird aus Publikumsmagneten wie der Leipziger Buchmesse? Wie kann sich unter diesen Bedingungen die Messe in Dresden entwickeln?

Messe Dresden

Still ruht der See vor der Dresdner Messe. Im Moment beherbergen die Hallen das Impfzentrum Dresden.
Still ruht der See vor der Dresdner Messe. Im Moment beherbergen die Hallen das Impfzentrum Dresden.  © Eric Münch

Schieben - damit hat das Dresdner Messe-Team von Ulrich Finger im Moment alle Hände voll zu tun. Der Chef der städtischen Gesellschaft erklärt: "Zurzeit sind wir dabei, die Veranstaltungen und Konzerte, die von 2020 ins Frühjahr 2021 verlegt worden sind, in den Herbst zu verschieben." Sein Terminplan und der Belegungsplan der Messehallen sind gut gefüllt. Von Flaute nichts zu spüren.

Das Unternehmen zehrt aktuell von seinen Rücklagen - das hat Konsequenzen für die Zukunft. "Eigentlich sollten diese Mittel dazu dienen, Sanierungen und Restaurierungen an der Bausubstanz vorzunehmen. Dazu werden wir aber aufgrund der aktuellen Lage wohl in absehbarer Zeit nicht kommen", stellt Finger fest.

Angst um die Zukunft treibt ihn nicht um. Er ist überzeugt, dass nach der Pandemie Konzerte und Verbrauchermessen wie die Baumesse "Haus" und "Dresdner Ostern" wieder tausende Besucher ins Ostragehege locken werden.

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Finger: "Im virtuellen Raum geht viel - aber nicht alles. Live vor Ort können wir viel mehr Aktion, Flair und Event bieten als das Internet."

Publikumsmagnet Baumesse "Haus": Trotz Corona-Warnung zählte sie im März 2020 über 20.000 Besucher.
Publikumsmagnet Baumesse "Haus": Trotz Corona-Warnung zählte sie im März 2020 über 20.000 Besucher.  © Norbert Neumann

Leipziger Messe

Die Leipziger Messe-Macher nutzen gegenwärtig die Zeit auch dazu, neue Webseiten zu kreieren. Die Seite für die Messe Haus-Garten-Freizeit ging schon online.
Die Leipziger Messe-Macher nutzen gegenwärtig die Zeit auch dazu, neue Webseiten zu kreieren. Die Seite für die Messe Haus-Garten-Freizeit ging schon online.  © dpa/Jan Woitas

"Im Jahr 2020 haben wir 150 Projekte im Januar und Februar sowie von August bis Oktober durchgeführt. Insgesamt 270 Projekte - Messen, Kongresse und andere Veranstaltungen – wurden abgesagt", berichtet Andreas Knaut, Unternehmenssprecher der Messe Leipzig.

Wie viel Umsatz oder Gewinn der Messe dadurch entgangen sind, kann noch nicht benannt werden. Knaut schätzt: "Wir werden 2020 grob ein Drittel des geplanten Umsatzes erreichen." Aktuell rüstet sich die Messe für rund 120 Projekte in 2021.

Im ersten Quartal 2021 finden wesentlich digitale Messen statt. Derzeit läuft online das Gaming Festival DreamHack Leipzig als "Home Edition". Statt gemeinsam in der Messe zu zocken, machen Gamer aus allen Teilen der Republik gegenwärtig ihre eigenen vier Wände zu Veranstaltungsorten.

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Knaut blickt voraus: "Wir veranstalten die Intec/Z connect - unser internationales Messedoppel für Werkzeugmaschinen, Fertigungs- und Automatisierung sowie für die Zulieferindustrie - auch in digitaler Form." Der Branchentreff "protekt plus" wird ebenfalls nur im Netz über die Bühne gehen.

Cosplayer wie Dominik Scheffner als Batman und Ronja Baarts als Harley Quinn treffen sich gern auf der Leipziger Buchmesse. Auch sie hoffen, dass die Pandemie ihnen diesen Spaß nicht nimmt.
Cosplayer wie Dominik Scheffner als Batman und Ronja Baarts als Harley Quinn treffen sich gern auf der Leipziger Buchmesse. Auch sie hoffen, dass die Pandemie ihnen diesen Spaß nicht nimmt.  © dpa/Sebastian Willnow
Die Leipziger Buchmesse wird in diesem Jahr gemeinsam mit dem Lesefest "Leipzig liest", der Manga-Comic-Con und der Antiquariatsmesse Ende Mai stattfinden. Tausende Bücherwürmer drücken die Daumen.
Die Leipziger Buchmesse wird in diesem Jahr gemeinsam mit dem Lesefest "Leipzig liest", der Manga-Comic-Con und der Antiquariatsmesse Ende Mai stattfinden. Tausende Bücherwürmer drücken die Daumen.  © dpa/Jan Woitas

Die Verlagerung von Messen und Veranstaltungen in den virtuellen Raum ist für die Leipziger nur eine Option. Laut Knaut zeigt die Pandemie deutlich die Unverzichtbarkeit von Präsenz-Messen und -Kongressen. "Aus diesem Grund gehen wir weiter von Präsenz-Formaten aus, die wir jeweils sinnhaft virtuell ergänzen oder flankieren", so der Sprecher.

Er ergänzt: "Wir sind aber weiterhin davon überzeugt, dass der Kern eines jeden Geschäftsabschlusses - Vertrauen schaffen - nur im Rahmen einer Präsenzveranstaltung funktioniert. Das Erlebnis des Live-Formats vor Ort lässt sich digital nicht ersetzen."

Titelfoto: dpa/Jan Woitas/dpa/Sebastian Willnow

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