So (knall-)hart trifft ein Böllerverbot Sachsens größte Feuerwerk-Fabrik

Freiberg - Deutschland diskutiert über ein Böllerverbot. Das wäre der Knaller - und würde auch Sachsen hart treffen. Das Werk von Marktführer Weco in Freiberg stünde vermutlich vor dem Aus.
Noch vor Kurzem hatte Chemnitz die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2025 mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Es könnte das vorerst letzte gewesen sein. Aktuell wird über ein "Böllerverbot" zu Silvester diskutiert - und zwar bundesweit.
Noch vor Kurzem hatte Chemnitz die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2025 mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Es könnte das vorerst letzte gewesen sein. Aktuell wird über ein "Böllerverbot" zu Silvester diskutiert - und zwar bundesweit.  © dpa/Jan Woitas

Silvester ohne Raketen und Böller ist für viele schlichtweg undenkbar. Dennoch hat die Deutsche Umwelthilfe eine Diskussion angestoßen, die genau das fordert. Für Branchenkenner wäre es das Ende der Feuerwerksproduktion in Deutschland.

"Es ist davon auszugehen, dass ein Verbot einen dauerhaften Wegfall der gesamten pyrotechnischen Industrie in Deutschland zur Folge hätte", sagt Thomas Schreiber (56), Geschäftsführer von Weco.

Das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Eitorf ist Marktführer in Deutschland und in ganz Europa. Seit 1991 gehört auch das traditionsreiche Werk in Freiberg dazu.

Auf dem über einen halben Quadratkilometer großen Firmengelände produzieren aktuell 106 Mitarbeiter Raketen, Tischfeuerwerk, Kanonenschläge oder Gold- und Silberregen.

Seit der Feinstaubdiskussion im vergangenen Jahr sei das Sortiment rückläufig, sagt Werksleiter Sebastian Funke (40), der zu Silvester nicht nur Korken knallen lässt.

Bisher läuft alles wie in den Vorjahren

Weco-Chef Thomas Schreiber (56) befürchtet bei einem Verbot ein Ansteigen von illegalem Feuerwerk.
Weco-Chef Thomas Schreiber (56) befürchtet bei einem Verbot ein Ansteigen von illegalem Feuerwerk.  © Weco
Im Weco-Werk Freiberg werden Kanonenschläge und Reibkopfknaller hergestellt - aber auch Tischfeuerwerk.
Im Weco-Werk Freiberg werden Kanonenschläge und Reibkopfknaller hergestellt - aber auch Tischfeuerwerk.  © Weco

Aber bei der aktuellen Diskussion um ein Böllerverbot geht es nicht nur um Tierwohl und Feinstaubbelastung.

Feuerwerk fördere Alkoholkonsum und Partystimmung, befürchten Polizeigewerkschafter und Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Michael Kuffer (48, CSU). Das könne die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie weiter nach oben treiben.

Feuerwerk sei nicht ansteckend, hält man bei Weco dagegen. Privates Silvesterfeuerwerk trage einen Teil zum gesellschaftlichen Miteinander in diesen Tagen bei, so Schreiber.

Auch deshalb läuft in Freiberg bisher alles wie in den Vorjahren. "Wir stehen kurz vor der Auslieferung an unsere Kunden", sagt Weco-Sprecher Oliver Gerstmeier (40).

Ansagen von Händlern, keine Feuerwerkskörper verkaufen zu wollen, gäbe es bisher nicht.

Titelfoto: dpa/Jan Woitas/Weco

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