"Exkursionen" ins Impfzentrum? Mehrheit der sächsischen Eltern lehnt das Impfen an Schulen ab

Leipzig - Gegenwind für Sachsens Staatsregierung von der Elternschaft. In einer Online-Umfrage des Landeselternrates (LER) sprachen sich 84 Prozent der teilnehmenden Mütter und Väter gegen das Impfen an Schulen aus. Die gesetzliche Elternvertretung kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Lehrer in die Rolle von "Gesundheitsmanagern" gedrängt werden.

In einer Gemeinschaftsschule wird ein Schüler geimpft - in Sachsen spricht sich der Landeselternrat gegen das Schul-Impfen aus.
In einer Gemeinschaftsschule wird ein Schüler geimpft - in Sachsen spricht sich der Landeselternrat gegen das Schul-Impfen aus.  © Axel Heimken/dpa

Vom 30. August bis 12. September führte der LER auf seiner Internetseite eine große Eltern-Umfrage zum schulischen Umgang mit der Pandemie durch. "Insgesamt haben 62.686 Personen teilgenommen", sagte LER-Vorstandsmitglied André Jaroslawski gegenüber TAG24.

Die klarsten Abstimmungsergebnisse gab es bei den Themen Impfen und Maskenpflicht. 52.632 Umfrageteilnehmer (84%) lehnten Impfungen an Schulen ab, 10.054 befürworteten sie (16%). Für die Abschaffung der "Maskenpflicht am Platz, unabhängig von der Inzidenz" sprachen sich 86 Prozent aus, 14 Prozent waren dagegen.

Auf die Frage "Befürworten Sie die Testpflicht gleichermaßen für geimpfte und ungeimpfte Kinder an Schulen?" antworteten 64 Prozent der Eltern mit Ja, 36 Prozent mit Nein.

Aktuelle Corona-Lage in Sachsen: Inzidenzen und Klinikbetten-Auslastungen im Überblick
Sachsen Aktuelle Corona-Lage in Sachsen: Inzidenzen und Klinikbetten-Auslastungen im Überblick

Die erneute Aussetzung der Schulbesuchspflicht befürworteten 30 Prozent, 70 Prozent waren dagegen.

LER stellt klar: Lehrer sind keine "Gesundheitsmanager"!

86 Prozent der Eltern sprachen sich außerdem für die Abschaffung der Maskenpflicht am Platz aus.
86 Prozent der Eltern sprachen sich außerdem für die Abschaffung der Maskenpflicht am Platz aus.  © Matthias Balk/dpa

Befragt zur Information der Schulen zum Umgang mit der Corona-Situation fühlten sich 58 Prozent der Eltern "rechtzeitig informiert", 42 Prozent sahen Defizite.

Ein anderes Bild ergab sich bei der Frage nach der Informationsqualität zu Unterricht und Nachholbedarf. Hier fühlten sich 74 Prozent von den Schulen nicht ausreichend informiert. Die Umfrage sei zwar nicht repräsentativ, erklärte LER-Vorstand Jaroslawski. Doch könnten die recht deutlichen prozentualen Verteilungen ein zentrales Meinungsbild der Eltern erkennen lassen.

Die Landeselternvertretung spricht sich klar gegen die Schulimpfpläne von Kultus- und Sozialministerium aus. "Das Impfen an Schulen hebelt den Schutz der Privatsphäre aus und birgt die Gefahr, dass es hier keine freie und unabhängige Entscheidung für oder gegen das Impfen von Schülern gibt", erklärt das Gremium in einer Stellungnahme. Der LER warnt vor "Gruppendruck, der dem Wunsch nach Zugehörigkeit" folge.

Sächsisches Krematorium überlastet: Feuerwehr muss anrücken!
Sachsen Sächsisches Krematorium überlastet: Feuerwehr muss anrücken!

Auch die Idee, durch Lehrer begleitete "Exkursionen" zu Impfzentren anzubieten, lehnt der LER ab. Das bringe die Lehrer in die unangemessene Rolle eines "Gesundheitsmanagers", heißt es in der Erklärung.

Zudem unterhöhle dies die unabhängige Entscheidung der Jugendlichen, da Lehrer Autoritätspersonen seien, an denen sie sich orientierten. "Insofern ist auch Impfen, wie jeder Arzt-Besuch, Privatsache, die weder meinen Nachbarn noch meine Banknachbarin in der Schule etwas angeht", stellt der LER klar.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

Mehr zum Thema Sachsen: