"Solche Bilder und Taten darf es nicht geben!": Fassungslosigkeit nach Fackel-Protest vor Petra Köppings Haus

Grimma - Gegner der Corona-Politik haben am Freitagabend vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) protestiert.

Das Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) wurde am Freitagabend von Gegnern der Corona-Politik belagert.
Das Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) wurde am Freitagabend von Gegnern der Corona-Politik belagert.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Wie eine Polizeisprecherin berichtete, versammelten sich etwa 30 Menschen laut rufend mit Fackeln und Plakaten vor dem Haus in Grimma.

Als die Polizei eintraf, seien die Menschen in mehreren Fahrzeugen geflüchtet. 15 Autos wurden demnach von der Polizei angehalten, die Identitäten von 25 Menschen wurden festgestellt.

Die Polizei erstattete Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und prüft Verstöße gegen die Corona-Verordnung.

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Wegen der dramatischen Pandemie-Lage sind gemäß der sächsischen Corona-Notfallverordnung in dem Bundesland derzeit nur Versammlungen mit höchstens zehn Menschen erlaubt - und nur an einem festen Ort. Am Freitagabend hatte es in mehreren sächsischen Orten Proteste gegen den aktuellen Corona-Kurs gegeben.

Die SPD Sachsen sowie die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken (60) verurteilten den Protest vor Köppings Haus und sprachen der Ministerin ihre Solidarität aus. Esken schrieb auf Twitter: "Auch wenn die paar Hansel da versuchen, Angst und Schrecken zu verbreiten: die Vernunftbegabten und Verantwortungsbereiten sind die große Mehrheit, und die steht an Deiner Seite!"

Auch SPD-Bundesvorsitzender Norbert Walter-Borjans (69) äußerte sich zu dem Vorfall und twitterte am Samstagmorgen: "Was sich gestern vor dem Haus von Petra Köpping zugetragen hat, hat mit mit Sorge und Freiheitsdrang nichts zu tun. Das ist in Art und Auftritt faschistoid."

Protest erntet Kritik von zahlreichen Politikern

Unter anderem Horst Seehofer (72, CDU), Winfried Kretschmann (73, Grüne) und Michael Kretschmer (46, CDU) äußerten sich zu dem Vorfall am Freitagabend.
Unter anderem Horst Seehofer (72, CDU), Winfried Kretschmann (73, Grüne) und Michael Kretschmer (46, CDU) äußerten sich zu dem Vorfall am Freitagabend.  © Montage: Albert Zawada/PAP/dpa + Marijan Murat/dpa + Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (73, Grüne) sagte in Erinnerung an die Kampforganisation der NSDAP: "Das sind Methoden, die hat die SA erfunden." Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU) sagte der "Bild am Sonntag": "Dieser Fackelumzug ist organisierte Einschüchterung einer staatlichen Repräsentantin. Das erinnert mich an die dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) schrieb auf Twitter: "Wir treten allen Kräften entgegen, die einschüchtern wollen." Was Köpping passiert sei, gehe alle Sachsen an. Sein Regierungssprecher Ralph Schreiber sagte: "Als Konsequenz werden die Schutzmaßnahmen für Amtsträger und ihre Familien weiter erhöht."

Der sächsische Vize-Ministerpräsident Wolfram Günther (48, Grüne) sagte, der Vorfall sei ein weiterer Tabubruch - "ermuntert auch dadurch, dass Schwurbler zu oft ungehindert durch sächsische Städte ziehen konnten. Corona-Leugner und die Rechtsextremisten an ihrer Seite werden immer dreister und radikalisieren sich". Er erwarte eine klare Priorisierung durch das Innenministerium".

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In einem Tweet der sächsischen SPD hieß es außerdem: "Wir zeigen volle Solidarität mit @Koepping! Solche Bilder und Taten darf es nicht geben!"

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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