Tag der Befreiung: So wurde in Sachsen dem Kriegsende gedacht

Leipzig/Dresden/Görlitz - Blumen, Kränze und blanke Stolpersteine: In mehreren Städten haben Menschen in Sachsen am Samstag an das Ende und die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert. Da coronabedingt öffentliche Gedenkveranstaltungen nicht möglich sind, wurden an Gedenkorten in aller Stille Blumen und Kränze niedergelegt, für die Gefallenen, Nazi-Opfer oder Zwangsarbeiter. In Leipzig putzten Bürger Stolpersteine, die an deren einstigen Wohnorten an ermordete jüdische Mitbürger erinnern.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (63, SPD, l.) und der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig, Andrey Y. Dronov, legten am Ehrenmal für die militärischen und zivilen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus der ehemaligen Sowjetunion Kränze nieder.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (63, SPD, l.) und der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig, Andrey Y. Dronov, legten am Ehrenmal für die militärischen und zivilen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus der ehemaligen Sowjetunion Kränze nieder.  © Stadt Leipzig

Die auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt zuständige Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) rief am 76. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Widerstand gegen antidemokratische Bestrebungen auf.

"Es ist unsere Pflicht, uns Hass und Hetze, Fremdenfeindlichkeit und antidemokratischen Bestrebungen entgegenzustellen." Diese zeigten sich gerade auch während der Pandemie "in neuem Gewand und nicht immer klar erkennbar".

Der 8. Mai 1945 markiert laut Köpping das Ende eines Krieges, "der unvorstellbares Leid über die Menschen brachte und zugleich das Ende des Massenmordes an den europäischen Juden und der systematischen Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma".

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Am Ehrenmal für die militärischen und zivilen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus der ehemaligen Sowjetunion in Leipzig gedachten Oberbürgermeister Burkhard Jung (63, SPD) und der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig, Andrey Y. Dronov, gemeinsam.

Gemeinsames Erinnern auf der Altstadtbrücke

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) rief am 76. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Widerstand gegen antidemokratische Bestrebungen auf.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) rief am 76. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Widerstand gegen antidemokratische Bestrebungen auf.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

In Dresden trafen sich Linke-Politiker an dem 1945 entstandenen Sowjetischen Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee vor dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr im Norden der Stadt.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (53, CDU) und sein Amtskollege des polnischen Zgorzelec, Rafał Gronicz (47), ließen auf der die Europastadt verbindenden Altstadtbrücke über den Grenzfluss Neiße Friedenstauben fliegen. Beide Städte hätten viel dafür getan, "Brücken zu bauen", sagte Ursu laut Mitteilung.

Das traditionell gemeinsame Erinnern zeuge vom Wandel in den vergangenen Jahrzehnten. "Wir sind längst Partner, ja Freunde, auch weil wir unsere Verantwortung für die Geschichte ernst genommen haben."

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Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende gegangen, der im September 1939 mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen begonnen hatte. Rund sechs Millionen Juden wurden von den Nazis ermordet, insgesamt starben 55 bis 60 Millionen Menschen.

Zahlreiche Leipziger putzen Stolpersteine

In Leipzig wurden am 8. Mai wieder Stolpersteine geputzt.
In Leipzig wurden am 8. Mai wieder Stolpersteine geputzt.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

In Leipzig folgten zahlreiche Bürger einem Aufruf mehrerer Vereine und putzten Stolpersteine - coronakonform mit Maske und Abstand.

Damit wurde an die jeweiligen Schicksale erinnert und verdeutlicht, wohin Intoleranz und Menschenfeindlichkeit führen können, sagte Irena Rudolph-Kokot vom Verein Leipzig Courage zeigen.

Die Initiatoren mahnten überdies, "an unseren demokratischen Werten festzuhalten und uns für Weltoffenheit, Toleranz und Zivilcourage zu engagieren – gegenwärtig und zukünftig".

Mittlerweile sind im Stadtgebiet 209 dieser Stolpersteine verlegt, auf denen Namen ehemaliger und von den Nazis ermordeter Nachbarn stehen.

Das Datum 8. Mai stehe "auch für das Einstehen gegen Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung aller Art", sagte Henry Lewkowitz, Geschäftsführer des Erich-Zeigner-Haus e.V..

Titelfoto: Stadt Leipzig

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