Tarifstreit um Bautzner Senf: Appetit auf Westlohn lässt nicht nur Mägen knurren

Bautzen - Sind Ossis noch immer Bürger zweiter Klasse? Knapp 30 Jahre nach der Wiedervereinigung klaffen die Löhne zwischen Ost und West in vielen Branchen noch heftig auseinander - etwa in der Ernährungswirtschaft. Jetzt stehen die Zeichen auf Streik. Und die Mitarbeiter von Bautzner Senf sind gerade nicht mittelscharf, sondern richtig sauer!

In der sächsischen Ernährungswirtschaft stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Ein Streik scheint unabwendbar.
In der sächsischen Ernährungswirtschaft stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Ein Streik scheint unabwendbar.  © NGG Ost/Tino Plunert

"Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde", stand dieser Tage auf dem Plakat eines Warnstreikenden vor dem Betriebstor. 

Die Bautzner gehören wie "Löwensenf" aus Düsseldorf zum selben Konzern. Während der sächsische Facharbeiter einen Stundenlohn von 12,14 Euro bekommt, gibt es im westlichen Schwesternbetrieb 18,44 - etwa 35 Prozent mehr.

In vielen sächsischen Betrieben rief die zuständige Gewerkschaft NGG in diesen Tagen zum Warnstreik auf, etwa bei Frosta (Lommatzsch), Jägermeister (Kamenz) oder Unilever (Auerbach). 

Bezirkssekretär Olaf Klenke: "Fast überall machten mehr als 90 Prozent der Belegschaft mit. Wir fordern einen Stufenplan bis zum Westlohn."

Dass es in den nächsten Wochen ausgedehntere Streiks geben wird, scheint sicher. Denn die Arbeitgeber stellen sich quer.

Als Marktführer verdient der Develey-Konzern Millionen, auch wegen der Niedriglöhne im Osten. (Symbolbild)
Als Marktführer verdient der Develey-Konzern Millionen, auch wegen der Niedriglöhne im Osten. (Symbolbild)  © Arno Burgi/dpa

"Die Forderung der NGG ist ebenso unrealistisch wie maßlos", heißt es in einer Stellungnahme.

Titelfoto: NGG Ost/Tino Plunert

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