Enkel erkämpft sich Besuchsrecht für seine Oma (88) im Seniorenheim

Olbernhau - André Glöckner (39) aus Chemnitz will seit zwei Wochen seine Oma (88) in Olbernhau besuchen. Aber im Seniorenzentrum gelten Besuchsverbot und Ausgangssperre. 

Vor dem Kurzbesuch von Glöckner fährt ein Notarzt-Wagen am Seniorenzentrum vor. Mitarbeiter steigen aus und ziehen Vollschutz an.
Vor dem Kurzbesuch von Glöckner fährt ein Notarzt-Wagen am Seniorenzentrum vor. Mitarbeiter steigen aus und ziehen Vollschutz an.  © Sven Gleisberg

Der "Lock-Down" wurde am 13. Oktober intern von der Geschäftsführung verfügt. Glöckner pocht auf Freiheitsrechte. 

Der Betreiber, die Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge, muss die Bewohner schützen. Die Fronten sind verhärtet, aber am Mittwoch durfte Glöckner seine Oma am Zaun treffen.

"Es muss eine langfristige Lösung mit Augenmaß her. Für alle Betroffene", sagt Glöckner. Für den Besuch ging er in Vorleistung. 

Er machte einen Corona-Test, um im Altenheim niemanden zu gefährden und bettelte mehrfach am Telefon um Genehmigung. Sein negatives Ergebnis interessierte beim Ausnahme-Besuch niemanden. Vielleicht, weil das Virus ist schon da ist. 

"Durch die Gesundheitsbehörde wurde in Einzelfällen SarsCov2-positiv getestete Bewohner und Mitarbeiter festgestellt", teilte der Betreiber mit. 

Einige Erkrankte werden in Kliniken beobachtet. 

Gemeinsame Mahlzeiten und Treffen im Aufenthaltsraum gibt es nicht

André Glöckner (39) aus Chemnitz spricht am Seniorenzentrum Olbernhau über den Zaun mit seiner Oma (88).
André Glöckner (39) aus Chemnitz spricht am Seniorenzentrum Olbernhau über den Zaun mit seiner Oma (88).  © Sven Gleisberg

Die übrigen Heim-Bewohner bleiben die meiste Zeit in ihren Zimmern. 

Gemeinsame Mahlzeiten und Treffen im Aufenthaltsraum gibt es nicht. Gelegentlich sind Spaziergänge im Flur möglich. 

Glöckner stört, dass er vom strikten Besuchsverbot über seine Mutter (62) und den Flurfunk erfuhr. 

Auch den "Alleingang" der Geschäftsführung hält er für fragwürdig. Die verweist auf die gesetzlichen Bestimmungen in der Sächsischen Corona-Schutzverordnung und Infektionsgeschehen. 

Beim Besuch Am Mittwoch vor dem Gebäude wurde Glöckner aus dem Heim heraus gefilmt. Fast zeitgleich fuhr ein Krankenwagen vor, Notärzte stiegen aus und zogen Vollschutz an.

 "Eine merkwürdige Situation und eine bedrückende Stimmung. Man vermittelte mir den Eindruck, eine große Gefahr zu sein", sagt er. 

Aber die Heimleitung bewies Herz. Glöckner durfte mit seiner Oma eine kurze Runde in der Grünanlage drehen. Der Konflikt zwischen Freiheit und Schutz des Lebens in harten Zeiten bleibt.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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