Turbo-Boostern, persönliche Impfeinladung: Wieso macht's Sachsen nicht wie Österreich?

Dresden - Das Impfen in Sachsen könnte besser laufen. Wie? Die österreichischen Nachbarn machen's vor.

Vorweihnachtliche Alpenromantik ohne Menschen - Österreich ist seit dem 22. November im Lockdown. Kommt der in Sachsen auch?
Vorweihnachtliche Alpenromantik ohne Menschen - Österreich ist seit dem 22. November im Lockdown. Kommt der in Sachsen auch?  © dpa/Michael Probst

Im Bundesland Niederösterreich beispielsweise sind schon fast 400.000 Menschen geboostert. Noch Anfang Dezember erhält dort jeder Bürger eine Einladung zu einem Impftermin. Ein Vorbild für den Freistaat?

Offenbar ja. Andernfalls hätte Sachsens MP Michael Kretschmer (46, CDU) die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (57, ÖVP) wohl kaum in die Online-Expertenrunde am Montagabend eingeladen.

Seit 22. November gilt in Österreich ein landesweiter Lockdown. Und auch beim Impfen haben die Nachbarn die Nase vorn. "Bei uns in Niederösterreich haben 73 Prozent den ersten Stich (landesweit: 71 Prozent)", sagte Mikl-Leitner.

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Zum Vergleich: In Sachsen haben die Erstimpfung gerade einmal 60,6 Prozent der Bevölkerung, deutschlandweit sind es sogar 71,3 Prozent (Stand: 29.11.).


Gab Tipps für Sachsen: Johanna Mikl-Leitner (57, ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich.
Gab Tipps für Sachsen: Johanna Mikl-Leitner (57, ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich.  © imago images/Michael Indra
Seit Ankündigung der allgemeinen Impfpflicht wachsen in Österreich die Schlangen an den Piks-Zentren.
Seit Ankündigung der allgemeinen Impfpflicht wachsen in Österreich die Schlangen an den Piks-Zentren.  © picture alliance/dpa/AP
Ausgangssperre statt Ausgangsbeschränkung?
Ausgangssperre statt Ausgangsbeschränkung?  © DPA/Robert Michael
Masketragen und AHA-Regeln reichen nicht mehr: In Deutschland wird über die Impfpflicht diskutiert. Österreich hat sie schon beschlossen.
Masketragen und AHA-Regeln reichen nicht mehr: In Deutschland wird über die Impfpflicht diskutiert. Österreich hat sie schon beschlossen.  © dpa/Friso Gentsch

Am Ende entscheidet Berlin

Willkommen in Österreich. Das Alpenland hat sich für einen ganz konsequenten Anti-Corona-Kurs entschlossen.
Willkommen in Österreich. Das Alpenland hat sich für einen ganz konsequenten Anti-Corona-Kurs entschlossen.  © picture alliance/dpa

Dabei machen die Nachbarn so viel gar nicht anders: Geimpft wird mit Impfstraßen in Einkaufszentren, Pop-up-Impfstellen und mit sechs Impfbussen, die zwölf Orte pro Tag anfahren und bis zu 600 Leute täglich impfen, sagte der niederösterreichische Impfkoordinator Christof Constantin Chwojka.

Der wichtigste Unterschied: Die Niederösterreicher setzen auf neun feste Impfzentren. So konnten bereits fast 400.000 Menschen geboostert werden (Sachsen: 275.255, Stand: 25.11.).

Noch Anfang Dezember soll jeder Bürger eine Einladung zu einem Impftermin erhalten. Etwas Ähnliches konnte Sachsen bisher nicht bieten. Laut Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) war eine Postwurfsendung geplant, allerdings "nur" mit einem Impfaufruf und ohne einen konkreten Termin. Umgesetzt wurde das Vorhaben bisher nicht.

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Darüber hinaus hat Österreich eine allgemeine Impfpflicht beschlossen, die zum 1. Februar 2022 greifen soll.

"Es ist klar, dass die Impfung der eigentliche Weg aus der Pandemie ist", so Sachsens MP Kretschmer in der Online-Schalte. Der entscheidet nach eigenen Worten lieber unabhängig. Aber bei der Impfpflicht entscheidet nicht er, nicht Dresden, sondern Berlin.

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Michael Probst/imago images/Michael Indra

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