TAG24 fragt nach! Wie halten es die Sachsen mit dem Lockdown?

Dresden/Chemnitz - Vieles verboten, manches erlaubt: Sachsen im neuen Lockdown! Anders als während des Runterfahrens des öffentlichen Lebens im Frühjahr dürfen Geschäfte, Schulen, Friseure offen bleiben. Dennoch sind die Einschränkungen belastend. 

Der Kunsthändler Mario Knauber versucht positiv zu bleiben, auch wenn es schwierig ist.
Der Kunsthändler Mario Knauber versucht positiv zu bleiben, auch wenn es schwierig ist.  © Steffen Füssel

Wie haben sich die Menschen im Freistaat darauf eingestellt? TAG24 hat sich auf der Straße umgehört ... 

Helga Renner (69), Rentnerin

"Ich habe keine Schwierigkeiten, bin Rentnerin. Aber ich mache mir große Sorgen um die Wirtschaft. Alles geht den Bach runter. Klopapier ist auch schon wieder alle. Positiv ist, dass Bibliotheken diesmal noch offen haben. Da leihe ich mir immer Filme aus, am liebsten aus der 50er Jahren."

Dagmar (58) und Wolfgang Kuhl (68), Touristen aus Würzburg

"Für uns ist es schade. Wir wollten noch eine Woche länger in Dresden Urlaub machen, sind mit dem Wohnwagen. Aber jetzt hat alles dicht gemacht. Also fahren wir nach Hause. Gastro- und Hotelbetriebe tun uns leid. Die hatten sich darauf eingestellt und müssen schließen. Die Corona-Hotspots sind woanders."

Mario Knauber, Kunsthändler

"Für mich ist es schwierig, aber ich bin guter Hoffnung. Ich bin mit meinem Stand täglich auf der Brühlschen Terrasse. Es sind nur wenig Touristen da, aber im Frühjahr war ich hier komplett alleine. Ich hoffe auf Tagestouristen und Leute, die ein Weihnachtsgeschenk suchen."

Lockdown bringt viel Freizeit, die Hoffnung auf einen Impfstoff ist groß

Anett Adams (52), Souvenir-Verkäuferin, hofft auf einen Impfstoff.
Anett Adams (52), Souvenir-Verkäuferin, hofft auf einen Impfstoff.  © Steffen Füssel

Ursula (63) und Lothar Müller (65)

"Für uns ist das alles übertrieben, der Lockdown eine Sauerei. Um die Ecke arbeiten fünf Bauarbeiter auf engem Raum. Und die dürfen sich nach Feierabend draußen nicht mehr begegnen? Das beißt sich doch mit anderen Regeln wie der Gastro-Schließung. Maske tragen und Abstände halten finden wir okay."

Annett Meiser (51), Gastro-Mitarbeiterin

"Ich bin in der Gastro tätig und in Kurzarbeit. Existenzbedrohend ist es nicht, aber macht nachdenklich. Immerhin habe ich so viel Freizeit, bin endlich dazu gekommen, meine Wohnung zu renovieren. Der Lockdown ist generell sinnvoll. Für die Gaststätten hätte ich mir aber einen anderen Weg gewünscht. Die haben viel gemacht, Abstände vergrößert, Luft-Abzugssysteme installiert."

Anett Adams (52), Souvenir-Verkäuferin

"Für mich ist der Lockdown negativ, denn wir werden wohl wieder in Kurzarbeit gehen. Am Dresdner Neumarkt ist leider gar nichts los, wenn Hotels und Restaurants zu sind. Wir sind abhängig von den Touristen. Notwendig ist der Lockdown aber. Ich hoffe jetzt auf einen Impfstoff."

Schließung der Gastronomie stimmt Bürger traurig

Omar Asmar (48) in seinem Geschäft Damas in der Inneren Klosterstraße in Chemnitz. Bis Nachmittag hatte er keinen einzigen Kunden.
Omar Asmar (48) in seinem Geschäft Damas in der Inneren Klosterstraße in Chemnitz. Bis Nachmittag hatte er keinen einzigen Kunden.  © Kristin Schmidt

Omar Asmar (48), Baklava-Laden-Besitzer

"Es ist schlimm. Ich hatte heute noch keinen einzigen Kunden. Mein Baklava-Geschäft habe ich jetzt seit drei Jahren - 2020 ist das schlechteste. Ich hoffe, dass das Weihnachtsgeschäft ein wenig Ausgleich bringt. Ich befürchte aber, dass selbst das nicht so gut wird."

Jette Hähle (12), Schülerin

"Der Lockdown ist für mich ziemlich blöd. Ich bin im Schwimmverein und kann nun kaum trainieren, um meine Zeiten zu erreichen. Hallen- und Freibad sind zu. Und im See ist es jetzt zu kalt, um darin zu schwimmen. Ich versuche, mich mit Joggen und Fahrradfahren fit zu halten."

Udo Dietrich (56), Maschinenbauingenieur

"Die Situation ist schon sehr schade. Aber eine bessere Idee als Kontaktbeschränkungen gibt's gegen das Coronavirus bisher ja noch nicht. Ich habe die vergangenen Tage noch einmal genutzt, und mich mit Bekannten zum Essen gehen getroffen. Immerhin bedenkt man in dieser Zeit einiges. Was braucht man wirklich? Auf was könnte man verzichten? Haben wir nicht zu viel Überfluss?"

Evelyn Ambrosius (71), Rentnerin

"Ich finde es traurig, dass die Gastronomie schließen muss. Vor allem, weil die sich wirklich auf die neuen Anforderungen eingerichtet hatten. Im Normalfall esse ich auswärts. Jetzt nehme ich meine Garnelen in Knoblauchsauce halt mit zu mir nach Hause."

Ausgefallene Konzerte und digitale Veranstaltungen sorgen für Schwierigkeiten

Susann Hähle (47) und ihre Mutter Elke Bretschneider (69) auf dem weitestgehend leeren Markt.
Susann Hähle (47) und ihre Mutter Elke Bretschneider (69) auf dem weitestgehend leeren Markt.  © Kristin Schmidt

Maja Neubert, 31, Hilfswissenschaftliche Mitarbeiterin

"Auf der Arbeit an der Technischen Universität läuft zurzeit vieles anders. Wir müssen uns im Team absprechen, wer zu welchem Zeitpunkt vor Ort tätig sein darf. Die Veranstaltungen sind fast alle ins Internet ausgelagert. Schwierig ist es auch bei meinen Versuchen: Ich führe Messungen bei Leistungssportlern durch."

Susanne Hähle (47), Hebamme, und Mutter Elke Brettschneider (69)

"In der Stadt wirkt alles ein bisschen trostlos. Jetzt bleiben eigentlich nur noch Wandern und andere Beschäftigungen im Freien. Auf kulturelle Veranstaltungen haben wir in diesem Jahr schon einige verzichtet."

"Wir hatten Karten für die Toten Hosen und Fanta 4. Beide Konzerte sind ausgefallen."

Titelfoto: Steffen Füssel

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