Verkehrs-Schlacht in Tanneberg: Trotz Tempo 30 geht das Chaos weiter

Nossen - Tempo 30 allein genügt nicht: In Tanneberg können die Anwohner nachts nicht mehr schlafen. In Wilsdruff bringt der Ausweichverkehr von der A4 nahezu das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen.

Die Verkehrssituation ist belastend, da können Anwohner wie hier an der Nossener Straße nur gucken.
Die Verkehrssituation ist belastend, da können Anwohner wie hier an der Nossener Straße nur gucken.  © Steffen Füssel

Kurzer Jubel: Nach der Einführung von Tempo 30 vergangene Woche in Tanneberg (Landkreis Meißen) hat sich letztlich nicht wirklich viel geändert. "Nachts ist an einen normalen Schlaf überhaupt nicht zu denken", sagt Stefan Halbfass (47), der direkt an der S36 wohnt.

Tagsüber rollt der Ausweichverkehr von der A4 durch den Ort, nachts nutzen Lkw-Fahrer den Ort als Abkürzung. Die Meisten ignorieren die Schilder. Halbfass hat beim Kreisverkehrsamt bereits Geschwindigkeitskontrollen angemahnt.

Obwohl die Behörde über Lärmmessungen die nächtliche Belastung bestätigt hat, tut sie sich schwer mit Kontrollen. "Damit ist immer zu rechnen", heißt es auf Anfrage nur. Auch die Polizei hat bisher nicht kontrolliert, so ein Sprecher.

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Blitzen will dagegen das Landratsamt Pirna, und zwar in Wilsdruff und Limbach, die ebenfalls an der S36 liegen, aber zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehören.

Wilsdruffs Bürgermeister Rother geht Tempo 30 nicht weit genug

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (49, CDU) an der Nossener Straße. Dort quälen sich fast täglich Laster-Kolonnen durch den Ort.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (49, CDU) an der Nossener Straße. Dort quälen sich fast täglich Laster-Kolonnen durch den Ort.  © Steffen Füssel

Auch dort gilt jetzt Tempo 30, aber die Situation ist anders: Wenn Stau auf der A4 ist, ist auch in Wilsdruff Stau. "Da können sie nebenher laufen - und überholen", sagt Uschi Pritzke (62). Sie betreibt einen Pflegedienst. Bei Stau laufen ihre Mitarbeiter zu Fuß zu den Patienten. Das geht schneller als mit dem Auto.

Trotzdem hält Bürgermeister Ralf Rother (49, CDU) Tempo 30 für richtig, schließlich werde Wilsdruff als Ausweichstrecke immer gern genutzt. Aber das reicht nicht.

"Der Ausweichverkehr von der A4 und von der A17 bringt fast das ganze wirtschaftliche Leben zum Erliegen", sagt Rother. Keiner kommt mehr sicher über die Straße, Termine können nicht eingehalten werden, alle stehen im Stau. Rother fordert deshalb geschwindigkeitsgesteuerte Ampelanlagen für Limbach und ein Verbot für Lkw, die Autobahn bei Stau zu verlassen. Brandenburg macht's vor.

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Brennpunkt Nossener/Wielandstraße: Bei der Begegnung zweier Laster möchte man nicht auf dem Bürgersteig sein. Wie Kinder das auf dem täglichen Schulweg aushalten?  © Steffen Füssel

Andernfalls droht die gesamte Region unter dem Verkehr zu kollabieren.

Titelfoto: Montage: Steffen Füssel (2)

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