Verwirrung um Sachsens Schulen: Wer überwacht das Infektionsgeschehen?

Dresden - Als eines der ersten Bundesländer öffnete Sachsen am 15. Februar wieder die Klassenzimmer für alle Grundschüler. Von ausgeklügelten Hygienekonzepten fehlt allerdings bis heute jede Spur.

Christian Piwarz (45, CDU), Kultusminister von Sachsen.
Christian Piwarz (45, CDU), Kultusminister von Sachsen.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU) begründete den Schritt im "Interesse der Kinder und auch der Familien".

Die Wiederöffnung erfolgt zwar im eingeschränkten Regelbetrieb, eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es aber nicht.

Sobald die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen) an fünf aufeinanderfolgenden Tagen von 100 überschritten ist, müssten die Einrichtungen laut Piwarz wieder schließen.

Doch wer behält das Pandemie-Geschehen an den Grundschulen im Auge?

Laut der rbb-Sendung Kontraste stellte ein Team von Wissenschaftlern um den Leiter des Institutes für medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie, Markus Löffler, der sächsischen Landesregierung ein "Konzept für eine wissenschaftlich begleitende Vorgehensweise zum Monitoring eines kontrolliert geöffneten Schulbetriebs" vor.

Damit sollten mögliche Infektionen früh erkannt, Kontakte nachverfolgt und den Infizierten nach der notwendigen Quarantäne eine schnelle Teilnahme am Unterricht zu ermöglicht werden.

Sächsisches Kultusministerium macht widersprüchliche Aussagen

"Herzlich willkommen zurück! Wie schön, dass ihr wieder da seid!" steht an einer Tür eines Klassenzimmers einer vierten Klasse der Regenbogenschule Dresden. Nach dem Lockdown öffneten die Grundschulen und Kitas in Sachsen am 15. Februar im eingeschränkten Regelbetrieb.
"Herzlich willkommen zurück! Wie schön, dass ihr wieder da seid!" steht an einer Tür eines Klassenzimmers einer vierten Klasse der Regenbogenschule Dresden. Nach dem Lockdown öffneten die Grundschulen und Kitas in Sachsen am 15. Februar im eingeschränkten Regelbetrieb.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Antwort der Landesregierung auf den Vorschlag blieb aber bis heute aus.

Nach Angaben des Kultusministeriums sei das Konzept nie eingegangen. Doch Kontraste legt nun genau die E-Mail, die unter anderem auch an Piwarz adressiert war, vor.

Stattdessen verweist das Ministerium darauf, dass zwei Forscher aus Leipzig und Dresden die Öffnung der Grundschulen wissenschaftlich begleiten würden.

Beide hatten schon im vergangenen Jahr Untersuchungen an den sächsischen Bildungseinrichtungen durchgeführt.

Auf Nachfrage des rbb-Formats ergibt sich ein anderes Bild: Sowohl der Wissenschaftler aus Leipzig als auch die TU Dresden dementieren eine neuerliche Beteiligung.

Zwar liefen weitere Aufarbeitungen zur Auswirkung der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche.

Das Infektionsgeschehen an Grundschulen werde jedoch aktuell von keinem von beiden beobachtet.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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