Von Jubel bis Katzenjammer: Sachsens Parteien machen Wahlparty - außer die AfD

Dresden - Am Sonntagabend feierten die Parteien in Sachsen ihre Erfolge (oder auch Niederlagen) bei der gestrigen Bundestagswahl. TAG24 schaute vorbei.

SPD-Party im Dresdner "Elbegarten" mit Albrecht Pallas (41, v.l.n.r.), Henning Homann (41), Martin Dulig (47), Rasha Nasr (29) und Stephan Schumann (33).
SPD-Party im Dresdner "Elbegarten" mit Albrecht Pallas (41, v.l.n.r.), Henning Homann (41), Martin Dulig (47), Rasha Nasr (29) und Stephan Schumann (33).  © Thomas Türpe

Jubel, Freudenschrei und Applaus im Dresdner Biergarten "Elbegarten". Am Blauen Wunder feiert kurz nach 18 Uhr Sachsens SPD die erste 25-Prozent-Hochrechnung mit 200 Genossen, Bratwurst, Bier und Brezeln.

Landesvorsitzender und Wirtschaftsminister Martin Dulig (47) bringt es selbstbewusst auf den Punkt: "Wir haben zehn Prozent zugelegt. Wir sind die Gewinner des Abends."

Noch liegen die Sozialdemokraten Kopf an Kopf mit der CDU/CSU. "Aber wir sind zuversichtlich, das wir am Ende vorn liegen. Wir haben es auch verdient."

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Überglücklich ist auch Direktkandidatin Rasha Nasr (29): "Ich freue mich so auf die Chance, dass ich Politik mitgestalten kann."

Sichtlich vom wochenlangen Wahlkampf erschöpft: Direktkandidat Stephan Schumann (33): Aber das Ergebnis zählt. Jetzt bin ich einfach erleichtert." Noch war die Freude groß - da lagen die Zahlen für Sachsen noch nicht vor.

So oder so - bis 23 Uhr floss noch viel Bier durch die Kehlen...

Auch Sachsens MP Michael Kretschmer (46, CDU) gab am Sonntag seine Stimme ab.
Auch Sachsens MP Michael Kretschmer (46, CDU) gab am Sonntag seine Stimme ab.  © DPA/Robert Michael

CDU-Rohwer ging sofort abplakatieren

Betretene Blicke der CDU-Politiker im Dresdner "Alberthafen": Ingo Flemming (52, v.l.n.r.), Christian Hartmann (47), Markus Reichel (53) und Agata Reichel-Tomczak (37).
Betretene Blicke der CDU-Politiker im Dresdner "Alberthafen": Ingo Flemming (52, v.l.n.r.), Christian Hartmann (47), Markus Reichel (53) und Agata Reichel-Tomczak (37).  © Christian Juppe

Kurzes Schweigen auf der CDU-Wahlparty im Restaurant Alberthafen um Punkt 18 Uhr.

"Ein klarer Wahlsieg wird das nicht", sagte Direktkandidat Markus Reichel (53, Dresden I) anschließend.

Im Gegensatz zu Lars Rohwer (49, Dresden II/Bautzen II) war Reichel aber zumindest anwesend. Rohwer hingegen war ab Punkt 18 Uhr beim Abplaktieren.

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"Er braucht Sicherheit, bevor er sich äußern kann", hieß es.

Immerhin: "Alle Getränke bis auf Sonderspirituosen" gingen auf der Wahlparty auf Kosten des Kreisverbandes. Das half, ersten Kummer wegzuspülen.

Linken-Hartmann spricht von "herber Niederlage"

Enttäuschung bei den Linken (v.l.n.r.): Direktkandidat Silvio Lang (37), Landes-Chef Stefan Hartmann (53) und Katja Kipping (43).
Enttäuschung bei den Linken (v.l.n.r.): Direktkandidat Silvio Lang (37), Landes-Chef Stefan Hartmann (53) und Katja Kipping (43).  © Ove Landgraf

Getrübte Stimmung am Dresdner "Haus der Begegnung": Rund 150 Linke hatten es sich zur 18-Uhr-Hochrechnung bei tschechischem Gambrinus-Bier im Innenhof gemütlich gemacht.

Doch kaum hatte die Wahlparty begonnen, kam die große Enttäuschung: Mit einer Prognose von fünf Prozent war unklar, ob die Linken überhaupt in den Bundestag ziehen.

"Es ist eine herbe Niederlage für uns und unsere Anliegen", sagte Landeschef Stefan Hartmann (53).

Auch die Dresdner Direktkandidatin Katja Kipping (43) war getroffen: "Dass wir so bibbern müssen, ist schmerzhaft."

Das schwache Ergebnis liege unter anderem daran, dass der Wahlkampf sehr auf die Kanzlerfrage konzentriert gewesen sei. Direktkandidat Silvio Lang (37) zeigte sich selbstbewusst: "Ich habe alles gegeben."

Rund 150 Linke trafen sich am Abend im Innenhof des "Haus der Begegnung" in Dresden.
Rund 150 Linke trafen sich am Abend im Innenhof des "Haus der Begegnung" in Dresden.  © Ove Landgraf

FDP freut sich über Erfolg

Die FDP genoss den Wahlabend im Dresdner "Liberalen Haus" bei Freiberger-Bier und Gegrilltem.

Die rund 200 Liberalen feierten das "historische Ergebnis", wie der sächsische FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt (39) sagt. "Es ist toll, dass so viele Leute den Fortschritts-Turbo gewählt haben."

Der Zugewinn lag bei einem Prozentpunkt.

Sachsens FDP-Chef, der Chemnitzer Frank Müller-Rosentritt (39, vorne, Mitte) bejubelte im Dresdner "Liberalen Haus" die erste Hochrechnung.
Sachsens FDP-Chef, der Chemnitzer Frank Müller-Rosentritt (39, vorne, Mitte) bejubelte im Dresdner "Liberalen Haus" die erste Hochrechnung.  © Rene Meinig

Grüne freuen sich über stärkere Präsenz im Bundestag

Auch bei den Grünen, die ab 17 Uhr in der Dresdner "Groove Station" feierten, herrschte gute Stimmung.

"Wir haben es geschafft, dass der Bundestag nun deutlich grüner wird!", freute sich die Chemnitzer Direktkandidatin Karola Köpferl (31).

Die Grünen feierten in der "Groove Station" Dresden mit ihren Direktkandidaten Kassem Taher Saleh (28, l.) und Merle Spellerberg (24, r.).
Die Grünen feierten in der "Groove Station" Dresden mit ihren Direktkandidaten Kassem Taher Saleh (28, l.) und Merle Spellerberg (24, r.).  © Amac Garbe

AfD schottet sich ab

Die AfD, die bundesweit in Richtung 10-Prozent-Grenze absackte, scheute in Sachsen die Öffentlichkeit. Die Rechtspopulisten trafen sich "im privaten Kreis". Unabhängige Journalisten waren nicht erwünscht.

Titelfoto: Montage: Amac Garbe, Rene Meinig, dpa/Robert Michael

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