Vorfreude und Sorge vor Kita- und Schulöffnung in Sachsen

Dresden - Nach mehreren Wochen im Lockdown gibt es einen kleinen Schritt zurück zur Normalität: Am Montag (15. Februar) öffnen die Grundschulen und Kitas in Sachsen im eingeschränkten Regelbetrieb. Darauf hat sich das Kabinett in Dresden nach Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise verständigt. Wie geht es nun für Eltern, Lehrer und Kinder weiter?

Die leeren Grundschul-Klassenzimmer füllen sich wieder.
Die leeren Grundschul-Klassenzimmer füllen sich wieder.  © Sebastian Gollnow/dpa

Welche Einrichtungen öffnen am Montag?

Während die Abschlussklassen bereits am 18. Januar in die Schulen zurückgekehrt sind, werden nun auch Kitas und Grundschulen wieder geöffnet. Rund 151.000 Grundschüler kehren an die Schulen zurück. Geplant ist ein eingeschränkter Regelbetrieb.

Betreut werden die Mädchen und Jungen dabei in strikt getrennten Gruppen und mit festen Pädagogen. In den Schulen werden die Kinder vor allem vom Klassenleiter unterrichtet. Um die Kinder in festen Gruppen zu betreuen, kann es wie bereits im Frühjahr in vielen Kitas zu eingeschränkten Öffnungszeiten kommen. Eltern werden gebeten, ihre Kinder, wenn möglich, weiter zu Hause zu betreuen.

Muss mein Kind in die Schule gehen?

Nein. Es gilt zwar die Schulpflicht, aber die sogenannte Präsenzpflicht ist aufgehoben. Das heißt, Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder lieber zu Hause behalten. Auch daheim muss das Kind lernen. Die Bildungsgewerkschaft GEW geht davon aus, dass ein Großteil der Kinder wieder in die Kitas und Schulen gehen wird.

Wie steht es um den Schülerverkehr?

Wenn die Schulen wieder öffnen, nutzen wieder mehr Menschen Bus und Bahn. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) rief die Verkehrsunternehmen auf, den Schülerverkehr durch die Rückkehr zu einer normalen Taktung zu entzerren und auf dem Land "Verstärkerbusse" einzusetzen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bieten eigenen Angaben zufolge seit dem 1. Februar trotz weniger Fahrgäste ein verstärktes Angebot. Zudem gebe es spezielle Zusatzfahrten für die Schüler, der Einsatz könne kurzfristig mit den betreffenden Schulen abgestimmt werden, hieß es. In Leipzig fahren Bus und Bahn schon seit Ende Januar wieder im Zehn-Minuten-Takt, in Chemnitz fahren sie seit dem 18. Januar - mit der Rückkehr der Abschlussklassen - nach regulärem Linienbetrieb.

Können sich Lehrer und Erzieher testen lassen?

Lehrer können sich weiterhin wie bisher einmal pro Woche kostenlos und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Zur Wiedereröffnung der Kitas gilt das Angebot auch für das pädagogische Personal dort. Nach Angabe des Kultusministeriums können sich Betroffene an ihren Hausarzt wenden. "Diskutiert wird, inwieweit hier die Testmöglichkeiten hochgefahren werden können", hieß es.

Warum lockert Sachsen trotz Ausbreitung von Virus-Mutationen?

Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU).
Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU).  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Wie können sich Lehrer und Schüler schützen?

Eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es nicht, allerdings müssen Schüler und Lehrer im Eingangsbereich sowie im Schulgebäude eine medizinische Maske tragen. Auch regelmäßiges Lüften gehört zum Hygienekonzept. Die Linke bezweifelte jüngst, ob Kitas und Grundschulen mit Blick auf Tests und Lüftungsmöglichkeiten ausreichend vorbereitet sind. Einen Überblick, in welchen Schulen es Luftfilteranlagen gibt, hat das Kultusministerium nicht. Dafür sind die Schulträger zuständig. Empfohlen werde das Stoßlüften auch bei den derzeit niedrigen Temperaturen, hieß es. Je größer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, desto effektiver das Lüften. Empfohlen wird bei kalten Außentemperaturen ein Lüften von drei bis fünf Minuten.

Warum lockert Sachsen angesichts der Ausbreitung von Mutationen?

Die Gewerkschaft GEW hält die Eröffnung mit Blick auf die Ausbreitung der Mutationen für verfrüht, auch die Lehrer sehen der Wiedereröffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU) begründete den Schritt im "Interesse der Kinder und auch der Familien", will das Infektionsgeschehen aber im Blick behalten: Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis (Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen) an fünf aufeinanderfolgenden Tagen von 100 überschritten ist, müssen sie wieder schließen. Dieser Mechanismus greift frühestens ab dem 8. März.

Prescht Sachsen im Alleingang vor?

Sachsen verweist auch auf andere Bundesländer wie Niedersachsen, wo Unterricht bereits im Wechselbetrieb stattfindet. Nach den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise plant eine Mehrzahl der Bundesländer mit der Rückkehr von Kindern und Grundschülern ab dem 22. Februar.

Dazu zählen etwa Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin und Hessen. Geknüpft wird die Rückkehr teilweise auch an bestimmte Inzidenzzahlen.

Titelfoto: Montage: Sebastian Gollnow/dpa / Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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