Nach dem Vorstoß von Erzgebirger Landrat: Heiße Diskussion um Ausgangssperren in Sachsen

Dresden - Die Überlegungen zu einer sachsenweiten Corona-Ausgangssperre stoßen auf ein geteiltes Echo. Angeregt hatte die Debatte der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel (63, CDU, TAG24 berichtete). Der Kreis ist derzeit am stärksten von der Pandemie betroffen, meldet aber auch erste Erfolge.

Landrat Frank Vogel (63, CDU).
Landrat Frank Vogel (63, CDU).  © Uwe Meinhold

Der Sächsische Städte- und Gemeindetag schließt sich der Forderung an. "Das sehen wir ähnlich", heißt es auf Anfrage. Zunächst jedoch sollten die Wirkungen der geltenden Beschränkungen und die wissenschaftlichen Bewertungen dazu abgewartet werden.

Der Landrat des ebenfalls stark betroffenen Landkreises Bautzen, Michael Harig (60, CDU), erklärt: "Bisher schlagen sich die Maßnahmen, die seitens des Freistaates dahingehend getroffen wurden, leider noch nicht in den Zahlen nieder. Demnach ist nichts gegen weitere Maßnahmen zu sagen."

Allerdings unter der Maßgabe, dass es keine Einschränkungen der Wirtschaft oder bei Schulen und Kitas gibt. Grundsätzlich gelte es, genau abzuwägen.

Landrat Michael Harig (60, CDU).
Landrat Michael Harig (60, CDU).  © imago images/Steffen Unger

Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (52, parteilos) sagt: "Bevor wir über die Verschärfung diskutieren, sollten wir erst einmal die Wirkung der gerade eingeleiteten Maßnahmen abwarten." Der Pirnaer Landrat Michael Geisler (60, CDU) sieht keinen Effekt in einer solchen Sperre. Und der Görlitzer Landrat Bernd Lange (64, CDU) hält das Instrument für "wirkungslos".

Der Fraktions-Chef der Linken im Landtag, Rico Gebhardt (57), zeigte sich "verwundert" über die "krasse" Idee. Der Politiker machte eine "Überforderung" Vogels als Grund aus. Statt solche Maßnahmen vorzuschlagen und den Hang der Erzgebirger zum gegenseitigen Hausbesuch für die vielen neuen Infektionen verantwortlich zu machen, solle sich der Landrat endlich um die Meldung tagesaktueller Zahlen bemühen, so Gebhardt.

Leere Tische gibt's schon. Kommen bald auch leere Straßen?
Leere Tische gibt's schon. Kommen bald auch leere Straßen?  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Übrigens: In Tschechien gelten seit 28. Oktober nächtliche Ausgangssperren zwischen 21 Uhr und 5 Uhr früh. Die harte Maßnahme zeigt offenbar Erfolg. Seit kurzem flacht die Kurve der Neuerkrankungen endlich ab.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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