Warum ein sonniger Mai für unsere Landwirtschaft so verheerend wäre

Sachsen - Die Natur lechzt nach Wasser. Seit Wochen gab es in Sachsen keine nennenswerten Niederschläge mehr. Die milde Witterung und der viele Sonnenschein sorgten zusammen mit dem Wind dafür, dass die Böden staubtrocken, die Pflanzen nur kümmerlich gewachsen und Bäche und Flüsse zu armseligen Rinnsalen verkommen sind.

Landwirt Matthias Domanja (42) auf einem trockenen Feld. Sein familiengeführter Biohof in Hoske bei Wittichenau baut Gemüse und Getreide an. Zudem zieht er Tiere auf und verkauft hausschlachtenes Fleisch und Wurstwaren aus der eigenen Hoffleischerei.
Landwirt Matthias Domanja (42) auf einem trockenen Feld. Sein familiengeführter Biohof in Hoske bei Wittichenau baut Gemüse und Getreide an. Zudem zieht er Tiere auf und verkauft hausschlachtenes Fleisch und Wurstwaren aus der eigenen Hoffleischerei.  © Norbert Neumann

Die Land- und Forstwirte senden nun Stoßgebete gen Himmel: Bitte jetzt keinen Wonnemonat Mai! Wir brauchen Niederschläge! Die Lage ist prekär. Wird 2020 das dritte Dürrejahr in Folge, droht vielen der Ruin.

Matthias Domanja (42) kniet auf einem Feld seines Biohofes in Wittichenau-Hoske und lässt eine Handvoll staubtrockener Erde durch seine Finger rieseln. Der engagierte Landwirt stöhnt: "Diese Trockenheit ist katastrophal. Wenn es in den nächsten zehn Tagen keine Niederschläge gibt, geht der Großteil der Wintersaaten in die Notreife."

Auch um die Frühjahrssaaten sorgen sich die Bauern. Getreide, Mais, Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchte brauchen jetzt dringend Feuchtigkeit zum Keimen, Wachsen und Gedeihen. Auf den Wiesen sieht es nicht besser aus. Das Gras, das als Futter Mitte Mai das erste Mal geschnitten wird, steht mickrig.

"Wie sollen damit die leeren Vorräte aufgefüllt werden?", fragt sich der Präsident des Landesbauernverbandes, Torsten Krawczyk (45). Sorgenfalten tief wie Ackerfurchen legen sich auf seine Stirn: "Noch ein Dürrejahr können viele Betriebe nicht verkraften."

Bedeutet ein trockener April auch einen trockenen Mai?

Ein Traktor fährt mit einer Sämaschine über ein Feld bei Grimma.
Ein Traktor fährt mit einer Sämaschine über ein Feld bei Grimma.  © dpa/Jan Woitas

Matthias Domanja (42) hat seinen Betrieb breit aufgestellt. Existenzsorgen plagen ihn nicht. Er sagt: "Aber die Luft wird immer dünner, denn die Erzeugerpreise für Fleisch und Milch fallen, während die Produktionskosten steigen."

"Obstanbau in Sachsen ist ohne künstliche Bewässerung gar nicht mehr denkbar", stellt Michael Görnitz (34) fest. Sein Familienbetrieb kultiviert im Elbtal zwischen Coswig und Meißen einheimisches Obst. Erdbeeren und Aronia sind seine Domäne. Görnitz: "Wir investieren seit Jahren in Technik zum Bewässern, Wasser aufbereiten und in Brunnen."

Der Dürremonitor Deutschland, den die Helmholtz-Umweltforscher veröffentlichen, dokumentiert aktuell für weite Teile Sachsens eine außergewöhnliche Dürre. Besonders im Erzgebirge leiden die Pflanzen Trockenstress. Und mit ihnen die Forstleute, die gegen den Borkenkäfer kämpfen und aufforsten.

Ob der Mai nach dem sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, kann der Deutsche Wetterdienst (DWD) noch nicht abschätzen. Ein Blick ins Klimaarchiv zeigt: "Nach zu trockenen Aprilmonaten traten in der Vergangenheit trockene und nasse Maimonate etwa gleich häufig auf", so DWD-Vorstand Tobias Fuchs.

Der Feuerwehr geht das Wasser aus

Um den Brand in einem stadtnahen Waldpark zu löschen, entnimmt die Feuerwehr Wasser aus einem Hydranten. In ländlichen Gemeinden ist es teilweise nicht möglich, Hydranten so zu nutzen.
Um den Brand in einem stadtnahen Waldpark zu löschen, entnimmt die Feuerwehr Wasser aus einem Hydranten. In ländlichen Gemeinden ist es teilweise nicht möglich, Hydranten so zu nutzen.  © imago images/A. Friedrichs

Stell Dir vor, es brennt und der Feuerwehr geht das Wasser aus... Ein Alptraum!

Doch nicht weit hergeholt: Weil die Wasserversorgung mancherorts "brenzlig" ist, müssen Kommunen investieren. "Die Löschwasserversorgung wird zunehmend schwieriger, weil viele Bäche durch die Trockenheit in den vergangenen Jahren kaum mehr ausreichend gefüllt sind", sagt René Ackermann, Vize-Kreisbrandmeister und Sachbearbeiter Brandschutz im Landratsamt Erzgebirge.

Selbst der Fluss Zschopau ist als "Wasserspender" keine sichere Bank mehr. Viele Feuerwehren haben für den Erstangriff bei einem Brand inzwischen Wasser an Bord. Das reicht aber nur Minuten, dann muss Nachschub her. Hydranten anzapfen und löschen - das funktioniert nur noch mit Einschränkungen.

"Denn vielerorts können die Hydranten nicht genügend Wasser bereitstellen", so Ackermann. Die Kommunen im Erzgebirge gehen kreativ an die Lösung des Problems: Elterlein möchte alte Bergwässer neu erschließen. Jöhstadt nutzt das Freibad im Ortsteil Steinbach als Löschwasserreserve.

Hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung und der Wind der vergangenen Tage haben die Böden austrocknen lassen. Der junge Mais verkümmert.
Hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung und der Wind der vergangenen Tage haben die Böden austrocknen lassen. Der junge Mais verkümmert.  © dpa/Patrick Pleul
Der aktuelle Dürremonitor für Deutschland. Rot steht für extreme Dürre, dunkelrot für außergewöhnliche Dürre.
Der aktuelle Dürremonitor für Deutschland. Rot steht für extreme Dürre, dunkelrot für außergewöhnliche Dürre.  © UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Staumeister Kevin Neumann (29) zeigt die provisorische Schlauchleitung, mit der Bergbauwasser aus Hammerunterwiesenthal zugeführt werden kann. Die Talsperre Cranzahl besitzt insgesamt ein Volumen von rund 3,1 Millionen Kubikmetern. Im Moment ist ihr Füllstand sehr niedrig.
Staumeister Kevin Neumann (29) zeigt die provisorische Schlauchleitung, mit der Bergbauwasser aus Hammerunterwiesenthal zugeführt werden kann. Die Talsperre Cranzahl besitzt insgesamt ein Volumen von rund 3,1 Millionen Kubikmetern. Im Moment ist ihr Füllstand sehr niedrig.  © Uwe Meinhold
In ganz Sachsen besteht derzeit erhöhte Waldbrandgefahr. Erst am Freitag musste in Radebeul die Feuerwehr ausrücken, um in einem Waldstück zu löschen.
In ganz Sachsen besteht derzeit erhöhte Waldbrandgefahr. Erst am Freitag musste in Radebeul die Feuerwehr ausrücken, um in einem Waldstück zu löschen.  © imago images/Mario Hösel

In Geyer soll eine ausgediente Kläranlage "umfunktioniert" werden. Zisternen oder ähnliche Anlagen zum Wasserbevorraten wollen Elterlein, Mildenau, Oberwiesenthal, Grünhainichen, Börnichen, Großrückerswalde, Jöhstadt, Hohendorf, Neukirchen und Lugau bauen.

Titelfoto: dpa/Patrick Pleul

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