Watt oder Weizen? Ökostrom und Landwirtschaft konkurrieren zunehmend um Flächen

Dresden - Deutschland denkt seine Energieversorgung neu. In Zukunft soll noch mehr die Sonne "angezapft" werden. Bei der Gewinnung von Flächen für den Bau von Fotovoltaikanlagen will man nun die Landwirtschaft stärker mit einbeziehen. Das sächsische Umweltministerium fördert entsprechende Projekte.

Schafe verstecken sich unter einer Solaranlage. Bei einem Praxistag Ende Mai in Zwochau bei Wiedemar wollen der Regionalbauernverband Delitzsch und der Verband der erneuerbaren Energien hiesige Landwirte über Fotovoltaik informieren.
Schafe verstecken sich unter einer Solaranlage. Bei einem Praxistag Ende Mai in Zwochau bei Wiedemar wollen der Regionalbauernverband Delitzsch und der Verband der erneuerbaren Energien hiesige Landwirte über Fotovoltaik informieren.  © imago images/photothek

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges ist das nicht unumstritten, schließlich brauchen die Bauern auch für den Anbau von Nahrungsmitteln Flächen. Es bahnen sich daher neue Konflikte an. Motto: "Watt oder Weizen?"

Planungsbüros in ganz Deutschland entwickeln derzeit Projekte zur Solarstrom-Gewinnung mit verschiedenen Anlagen-Modellen für landwirtschaftliche Flächen.

Drei Grundideen zeichnen sich ab: Die simpelsten Lösungen sehen vor, herkömmliche Standard-Solar-Anlagen auf den bäuerlichen Flächen zu installieren. Die Landwirtschaft wäre an dieser Stelle tot.

Weit unter Bundesniveau: Sachsen noch immer deutsches Billiglohn-Land
Sachsen Weit unter Bundesniveau: Sachsen noch immer deutsches Billiglohn-Land

Sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV) soll dagegen den Flächennutzungskonflikt entschärfen. Diese Anlagen erlauben es, dass neben der Stromerzeugung die landwirtschaftliche Nutzung bestehen bleibt. Dazu werden entweder die Solar-Module wie senkrecht stehende Spalierwände aufgestellt (zwischen den Solar-Wänden können Traktoren fahren oder Vieh weiden) oder die Anbauflächen bekommen eine "Überdachung" mit Solar-Modulen.

Betriebswirtschaftlich betrachtet liefert im Allgemeinen eine reine Freiflächenanlage günstigeren Strom als eine Agri-Photovoltaik-Anlage. Das liegt vor allem daran, dass bei letzterer je Kilowatt die erhöhte Aufstellung teurer ist und größere Entfernungen verkabelt werden müssen. Um diese Nachteile auszugleichen, enthält unter anderem das "Osterpaket" von Bundesminister Robert Habeck (52, Grüne) einen Extra-Bonus für Agri-Photovoltaik-Anlagen.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) führte bereits Studien zur Agri-Photovoltaik durch. Die Wissenschaftler begleiteten Obst- und Gemüsebauern bei deren Arbeit unter hoch aufgebauten Solarmodulen.

Ihr Fazit: Wer so arbeitet, kann doppelt ernten. Neue Fragestellungen ergaben sich dabei aber auch: Wie kann die Technik effizient gewartet und gereinigt werden - ohne die Lebensmittelproduktion zu gefährden? Wie reagiert die Tierwelt auf solche Anlagen?

Bauernverband fordert lediglich Zulassung von Kombi-Nutzung

Andreas Jahnel (51) ist Referatsleiter Acker- und Pflanzenbau im Landesbauernverband. Er befürwortet Solarstromerzeugung auf Feldern und Weiden nur, wenn dort noch gleichzeitig Landwirtschaft betrieben werden kann.
Andreas Jahnel (51) ist Referatsleiter Acker- und Pflanzenbau im Landesbauernverband. Er befürwortet Solarstromerzeugung auf Feldern und Weiden nur, wenn dort noch gleichzeitig Landwirtschaft betrieben werden kann.  © Amac Garbe

"Grundsätzlich werden wir dem Thema aufgeschlossen gegenüberstehen. Für einige Betreiber kann das eine Chance sein", sagt Andreas Jahnel (51) vom Sächsischen Bauernverband.

Der Verband stellt jedoch auch klar: Die Nutzung von Landwirtschaftsflächen jeglicher Art für die Errichtung von PV-Freiflächenanlagen muss die Ausnahme bleiben. Der Bauernverband fordert, dass nur solche Fotovoltaik-Anlagen installiert werden dürfen, die eine Kombi-Nutzung von Landwirtschaft und Stromerzeugung zulassen.

Der Referent ergänzt: "Die entsprechenden Flächen müssen auch weiterhin als landwirtschaftliche Flächen in den Bauleitplänen und Katasterunterlagen verzeichnet bleiben."

Sachsen: Viele Städte haben neue Bürgermeister
Sachsen Sachsen: Viele Städte haben neue Bürgermeister

Im Sächsischen Landtag begleitet die AfD-Fraktion den Ausbau der Solar-Energienutzung kritisch. Die Partei hat einen Antrag eingereicht, "um dem Flächenfraß durch diese Anlagen Einhalt zu gebieten", wie Jörg Dornau (52) sagt.

"Es zeichnet sich eine globale Nahrungskrise ab. Vor diesem Hintergrund ist es ein unhaltbarer Zustand, Felder in Sachsen großflächig mit Solaranlagen zu verbauen und die zur Verfügung stehende Nutzfläche noch weiter zu verkleinern."

Titelfoto: imago images/photothek, Amac Garbe (Bildmontage)

Mehr zum Thema Sachsen: