Wegen der neuen Sparpläne der Sparkasse: Eine Stadt kämpft um ihren einzigen Geldautomaten

Hohnstein - Die Sparkasse dünnt aus Kostengründen ihr Netz aus und will 22 Standorte im Freistaat schließen (TAG24 berichtete).

Kämpfen um den Sparkassen-Standort in Hohnstein: Bürgermeister Daniel Brade (40, SPD, v.l.), Gastronom Hendrik Lehmann (50) und Ingo Karsch von der örtlichen Bürgerinitiative.
Kämpfen um den Sparkassen-Standort in Hohnstein: Bürgermeister Daniel Brade (40, SPD, v.l.), Gastronom Hendrik Lehmann (50) und Ingo Karsch von der örtlichen Bürgerinitiative.  © Thomas Türpe

Vor allem für Gemeinden, die nicht mal mehr einen Geldautomaten behalten sollen, ist das ein Schock. Hohnstein wehrt sich jetzt gegen die Pläne.

Seit 1991 gibt es die Sparkasse im Ort. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie war bereits nur noch der Geldautomat zugänglich. Doch auch den will die Sparkasse abschaffen, Kosten sparen. 

Stattdessen soll ab November einmal pro Woche ein Mobil haltmachen, eine Stunde zum Geldabheben bereitstehen. "Niemand hat mit uns vorab darüber gesprochen, nach Alternativen gesucht", ärgert sich Bürgermeister Daniel Brade (40, SPD). 

"Denkbar wäre, dass wir für den Automaten kommunale Räumlichkeiten zur Verfügung stellen." Der Automat sei wichtig für Hohnstein. "Für Einheimische und Touristen", so Brade.

Seit 2015 ist Hohnstein (3300 Einwohner) "staatlich anerkannter Erholungsort" in der Sächsischen Schweiz, zählt rund 80.000 Übernachtungen im Jahr. 

40.000 Euro monatliche Betreibungskosten des Automaten rechnen sich nicht

"Bargeld wird als Zahlungsmittel noch oft verwendet. Bei Einkäufen, im Restaurant. Gerade für Touristen ist es selbstverständlich, vor Ort Geld abzuheben", sagt Gastronom Hendrik Lehmann (50). 

Der Hohnsteiner Ingo Karsch (52) meldete für Dienstag eine Demonstration an. "Ältere können nicht einfach kilometerweit in den nächsten Ort fahren", sagt er.

Der Bürgermeister schrieb an Verwaltungsrat und Vorstände der Sparkasse. "Der ländliche Raum wird ausgedünnt, an den Kleinsten gespart. Ich dachte, über diese Phase wären wir hinaus", bedauert Brade. "Wir kämpfen um den Automaten."

Die Sparkasse: "Das Kundenverhalten hat sich geändert. Früher gab es mehrere Tausend Abhebungen im Monat, jetzt nur noch 800", sagt Sprecher Andreas Rieger (58). 

Damit ließen sich die 40.000 Euro monatlichen Betreibungskosten des Automaten nicht decken. Auch habe man über die Pläne bei der Dienstberatungsrunde des Landkreises vorab informiert, so Rieger. 

Dennoch werde man noch mal mit dem Bürgermeister über das Thema sprechen. 

Titelfoto: Thomas Türpe

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