Wenn der Doktor Burnout hat: Hier tut's Sachsens Ärzten weh

Dresden - "Wo tut es weh?" Die Standardfrage beim Arzt haben Arbeitsmediziner einmal herumgedreht und Sachsens Ärzte damit konfrontiert. Herausgekommen ist eine Studie, die zeigt, wo Herrn oder Frau Doktor der Schuh drückt.

Sachsens "Ober-Arzt" Erik Bodendieck.
Sachsens "Ober-Arzt" Erik Bodendieck.  © Holm Helis

"Nach wie vor ist die sächsische Ärzteschaft einer hohen Belastung ausgesetzt. Doch nicht mehr so schlimm wie noch vor zehn Jahren", so Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

Hier sind alle 18.000 Ärzte Mitglied. Es ist erst die zweite Umfrage ihrer Art; diesmal, im Herbst 2019, antworteten 1412 Mediziner.

"Seit der letzten Befragung gestiegen sind die Burnout-Werte. Darüber hinaus haben Ärzte noch immer eine sehr hohe Wochenarbeitszeit", sagt die Leiterin der Studie, Professor Steffi Riedel-Heller von der Uni Leipzig.

"Die durchschnittliche subjektive Arbeitszeit betrug 52 Stunden pro Woche." Das sind im Mittel zwar fünf Stunden weniger als bei der ersten Befragung - "aber immer noch deutlich über der 40- oder tariflichen 38-Stunden-Woche", so Riedel-Heller.

Viele erledigen Berufliches noch in der Freizeit (87 Prozent) oder im Urlaub (39 Prozent). Vor allem die Arbeit als angestellte Ärzte im Klinikbereich strengt an.

Da fühlen sich die Kollegen mit eigener Praxis deutlich wohler. Klinikärzte sind es auch vorwiegend, die eine geringere Work-Life-Balance bei sich beobachteten.

Die gute Nachricht: Sachsens Ärzte selbst leben gesund. Sie treiben Sport. Rauchen und Übergewicht halten sich in Grenzen, heißt es zumindest in den gesammelten Selbstauskünften. Folgen soll eine Befragung zur Situation des Berufsstandes in Zeiten von Corona.

Fest steht bereits: "Für Ärzte als Risikogruppe ist das Ganze eine immense psychische Belastung", so Riedel-Heller. Gerade auf Stationen mit Infizierten, wo nicht klar war, wie der Verlauf sein wird oder, wenn man als Arzt einfach hilflos war.

Besonders Ärztinnen haben durch den beruflichen Stress körperliche Beschwerden.
Besonders Ärztinnen haben durch den beruflichen Stress körperliche Beschwerden.  © imago images / Westend61
So fühlen sich Sachsens Ärzte: Prof. Steffi Riedel-Heller mit ihrer Studie.
So fühlen sich Sachsens Ärzte: Prof. Steffi Riedel-Heller mit ihrer Studie.  © Holm Helis

Heute übrigens trifft sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) mit Ärzten aus dem Freistaat. Die Mediziner wollen ihre Lage und ihre Wünsche dicht an der Corona-Krise schildern. Podium ist der 30. Sächsische Ärztetag. Die Debatte steht anschließend unter youtube.com/user/MrSlaek/ im Web.

Eines hält Sachsens Ober-Arzt Bodendieck schon vorher fest: "Wir haben in Deutschland das beste Gesundheitssystem der Welt."

Titelfoto: imago images / Westend61

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