Widerstand gegen die Impfpflicht: Ist die angedrohte Flucht aus der Pflege nur ein Phantom?

Dresden - Die Landesregierung streitet um die Impfpflicht, warnt vor Pflege-Notstand. Doch von einer Kündigungs-Welle ist in den Krankenhäusern und Altenheimen bisher wenig zu spüren. Im Gegenteil: Sachsens Gesundheitswesen ist sogar besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) will die Impfpflicht im Gesundheitswesen nun doch aufschieben.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) will die Impfpflicht im Gesundheitswesen nun doch aufschieben.  © DPA/Robert Michael

Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) sorgte vergangenen Freitag für Aufsehen, als er dafür plädierte, die Impfpflicht im Gesundheitswesen "für einige Monate" zu verschieben.

Der Vorstoß sorgt für Kritik beim Koalitionspartner Grüne: "Das ist keine abgestimmte Koalitionsmeinung", beteuert Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert (39).

Der Koalitionspartner SPD verweist auf die morgige Ministerpräsidenten-Konferenz: "Probleme bei der Umsetzung verschiedener Maßnahmen sollten genau da besprochen werden", so die parlamentarische Geschäftsführerin Sabine Friedel (47).

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Für den Ministerpräsidenten ist es ein "Gebot der Vernunft", die Impfpflicht aufzuschieben, da rund 100.000 ungeimpfte Beschäftigte im Freistaat betroffen wären. Die Sorge vor dem Pflege-Notstand wurde in den vergangenen Wochen immer wieder von Demonstrationen angeheizt. Auf den Bannern prangten Slogans wie "Wir arbeiten mit Herz, nicht mit Impfpflicht".

Ein ganz anderes Bild zeichnen die Beschäftigten-Zahlen im Gesundheits- und Sozialwesen des Freistaats.

Gehen Sachsen bald die Pfleger aus? Noch zeichnet sich keine Kündigungs-Welle ab.
Gehen Sachsen bald die Pfleger aus? Noch zeichnet sich keine Kündigungs-Welle ab.  © dpa/Peter Steffen

Uniklinik Leipzig sieht's gelassen: "Wir werden kein gravierendes Personalproblem haben"

Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen (59) blickt positiv auf die Lage im Gesundheitswesen.
Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen (59) blickt positiv auf die Lage im Gesundheitswesen.  © Steffen Füssel

Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen (59) sagte gegenüber TAG24: "Es bleibt festzustellen: Wir hatten einen deutlichen Anstieg der Beschäftigten in dieser Branche in den letzten zwei Jahren - um immerhin 10.000." Damit sei die Zahl auf insgesamt rund 268.000 Beschäftigte gestiegen.

"Davon haben sich seit Verkündung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht circa 5000 bei uns gemeldet. Das sind etwa zwei Prozent." Das seien etwa 3000 mehr als üblich.

Wie viele der 5000 Arbeitssuchenden aber tatsächlich kündigen werden, ist offen. Auch sei nicht immer die Impfung der Grund - manche hätten Angst vor einer Infektion, seien überlastet oder wollten sich beruflich neu orientieren.

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Das Universitätsklinikum Leipzig blickt der Pflicht aufgrund der hohen Impfquote im Personal entspannt entgegen, wie Klinikumssprecher Markus Bien (46) sagt: "Wir werden vielleicht Lücken zu füllen haben, aber kein gravierendes Personalproblem."

Titelfoto: Montage: dpa/Robert Michael, dpa/Peter Steffen

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