Wiedereröffnung! Synagoge Görlitz überstand 1938 als einzige in Sachsen die Pogromnacht

Von Jörg Schurig und Simone Bischof

Görlitz – Mit einem Bekenntnis zu Offenheit und Toleranz ist am Montag nach rund 30 Jahren Sanierung die Görlitzer Synagoge als Kulturforum wiedereröffnet worden.

Nach rund 30 Jahren schrittweiser Sanierung wurde die Görlitzer Synagoge als Kulturforum Synagoge Görlitz wiedereröffnet.
Nach rund 30 Jahren schrittweiser Sanierung wurde die Görlitzer Synagoge als Kulturforum Synagoge Görlitz wiedereröffnet.  © Simone Bischof

"Das Wiederaufblühen jüdischer Kultur ist das größte Geschenk der deutschen Nachkriegsgeschichte", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (59, CDU) in einer kurzen Ansprache.

Zugleich warnte sie vor Antisemitismus. Es sei beschämend, welch erschreckendes Ausmaß er in Deutschland wieder angenommen habe.

Antisemitismus sei ein Angriff auf Menschlichkeit, Demokratie und auf uns alle. Deshalb habe die Bundesregierung ihre Anstrengungen zur Bekämpfung von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus erhöht. Sie hoffe, dass die Görlitzer Synagoge das Verantwortungsbewusstsein der Besucher schärfe.

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Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (53, CDU) nannte die Sanierung eine "unglaubliche Geschichte und ein starkes Zeichen".

Die Synagoge überstand während der Novemberpogrome vom 9. November 1938 einen einen Brandschlag glimpflich und wurde als einzige Synagoge auf dem heutigen Gebiet von Sachsen in jener Nacht nicht verwüstet.

Feuerwehrleute hätten das Feuer in dem Jugendstilgebäude damals gelöscht. Am Tag darauf sei der Davidstern abmontiert worden.

Synagoge soll zu einem Haus der Begegnung werden

Der Kuppelsaal der Synagoge Görlitz.
Der Kuppelsaal der Synagoge Görlitz.  © Robert Michael/dpa

Nach dem Krieg sei das Gotteshaus dem Verfall preisgegeben worden, die Synagoge etwas in Vergessenheit geraten. In den 1970er Jahren habe man sogar über ihren Abriss diskutiert.

Doch nach Beginn der Sanierung habe die Stadt Görlitz eine ihrer längsten Baustellen mit Engagement und Herzblut am Laufen gehalten.

"Die Europastadt Görlitz steht für Religionsfreiheit, Offenheit und Toleranz", sagte Ursu.

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Die Synagoge solle nun zu einem Haus der Begegnung und einem Ort werden, der nachhaltig europäische Verständigung lebt.

Er hoffe, dass von diesem Tag Zuversicht, Mut und Engagement ausgehe, betonte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU).

"Große Dinge können gelingen, wenn wir sie gemeinsam anpacken - mit Mut, mit Weitsicht, miteinander."

Die Synagoge sei in der Pogromnacht geschändet worden. Damals habe man sehen können, wie aus Worten Taten werden. Deswegen sei es wichtig, dass jede und jeder in öffentlichen Diskussionen Verantwortung übernehme und Respekt und Toleranz einfordere, sagte er mit Blick auf Antisemitismus.

Feierliche Einstimmung: Alex Jacobowitz (r), Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz, und Fritz Tarjan, Musiker aus Budapest, vor Beginn der Wiedereröffnung.
Feierliche Einstimmung: Alex Jacobowitz (r), Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz, und Fritz Tarjan, Musiker aus Budapest, vor Beginn der Wiedereröffnung.  © Robert Michael/dpa
Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (46, CDU), sprach während der Wiedereröffnung am Montag in der Synagoge.
Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (46, CDU), sprach während der Wiedereröffnung am Montag in der Synagoge.  © Robert Michael/dpa
Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (59, CDU) hielt anlässlich der Wiedereröffnung der Synagoge Görlitz eine Rede.
Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (59, CDU) hielt anlässlich der Wiedereröffnung der Synagoge Görlitz eine Rede.  © Robert Michael/dpa

70.000 Euro für neuen Davidstern gespendet

Die Sanierung der Görlitzer Synagoge kostete rund 12,6 Millionen Euro. Der Bund steuerte 2,8 Millionen Euro bei. Nach den Worten von Ursu soll im kommenden Jahr auch wieder der Davidstern auf der Kuppel glänzen. Für dessen Rückkehr haben die Gemeindemitglieder 70.000 Euro gespendet.

In der kleinen Wochentagssynagoge gibt es auch künftig wieder Gottesdienste.

Ursprünglich sollte die Eröffnung der Synagoge bereits im Dezember 2020 erfolgen. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Titelfoto: Montage: Simone Bischof, Robert Michael/dpa

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