Wieso hat Sachsen noch immer keine Luftfilter in Klassenzimmern?

Dresden/Annaberg-Buchholz - Dicke Luft an Sachsens Schulen: Die Hoffnung auf den Corona-Schutz durch Luftfilter war groß, doch bisher gab es kein Fördergeld vom Freistaat.

Viele sächsische Schulen hofften, mit Luftfiltern sicher durch die Corona-Zeit zu kommen - diese Hoffnung dürfte nun enttäuscht sein.
Viele sächsische Schulen hofften, mit Luftfiltern sicher durch die Corona-Zeit zu kommen - diese Hoffnung dürfte nun enttäuscht sein.  © dpa/Sven Hoppe

Nun sollen die Millionen ab November zwar fließen - doch weniger als zehn Prozent der Klassenzimmer können tatsächlich einen Luftfilter bekommen. Bei den Betroffenen sorgt das für Unmut.

Laut Kultusministerium erhält der Freistaat vom Bund bis zu zehn Millionen Euro für die Förderung mobiler Luftfilter, im November könnten die ersten Anträge genehmigt werden.

Doch das große Aufatmen bleibt aus, denn: "Es gibt kaum Räume, die das betrifft", wie Ministeriums-Sprecherin Susann Meerheim (41) klarstellt.

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Denn die mobilen Luftfilter soll es ausschließlich für "Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit" geben - etwa Klassenzimmer, deren Fenster nur kippbar sind. Das betreffe nach aktueller Schätzung weniger als zehn Prozent der Schulräume.

Dass die Förderungen so spät kommen, liege an der späten Entscheidung des Bundes.

Luftfilter bleiben in Sachsens Schulen wohl ein seltener Anblick.
Luftfilter bleiben in Sachsens Schulen wohl ein seltener Anblick.  © dpa/Julian Stratenschulte
Linken-Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg (41) wirft der Staatsregierung schwere Versäumnisse vor.
Linken-Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg (41) wirft der Staatsregierung schwere Versäumnisse vor.  © dpa/Sebastian Kahnert

Winter im Erzgebirge zu kalt für ständiges Lüften

Kultusminister Christian Piwarz (46, CDU) hält Luftfilter im Klassenzimmer nicht unbedingt für notwendig.
Kultusminister Christian Piwarz (46, CDU) hält Luftfilter im Klassenzimmer nicht unbedingt für notwendig.  © Thomas Türpe

Kritik kommt von der bildungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg (41): "Die Staatsregierung hat anderthalb Jahre lang so gut wie nichts getan, um die Schulen sicherer zu machen."

Das erzgebirgische Annaberg-Buchholz löste das Problem auf eigene Faust: Die Stadt versorgte schon im Frühjahr für 34.000 Euro alle 16 Klassenzimmer der Erst- und Zweitklässler mit Luftfiltern.

"Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht", sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Christina Linke (65). Sie wünscht sich eine Fördermöglichkeit auch für Klassenzimmer mit normalen Fenstern.

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Denn die Winter im Erzgebirge seien zu kalt für das ständige Lüften.

Das Umweltbundesamt hingegen hält fest, dass mobile Luftfilter das Lüften nicht ersetzen: "Die mobilen Geräte beseitigen nicht die sich in einem Schulraum durch Atmung anreichernde Luftfeuchte, das Kohlendioxid und weitere chemische Gase aus Mobiliar und Bauprodukten."

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Sven Hoppe/Thomas Türpe

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