"Wir müssen achtsam sein": Sachsen will harten Lockdown bis Monatsende verlängern

Dresden - Sachsen will angesichts anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen den harten Lockdown bis Ende Januar verlängern. Das kündigte Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) am Dienstagabend in Dresden nach Bund-Länder-Beratungen an.

Dresden: Leere Tische und Stühle stehen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.
Dresden: Leere Tische und Stühle stehen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Allerdings muss das Kabinett noch zustimmen, das anschließend zusammenkommen wollte. Es sei die gemeinsame Überzeugung von Bund und Ländern, bis zum Monatsende alles dafür zu tun, damit die Corona-Infektionszahlen zurückgehen, erklärte der Regierungschef.

Schulen und Kindergärten sollen weitestgehend geschlossen bleiben, sagte Kretschmer. Viele Familien würden an ihre Belastungsgrenze kommen, vor allem solche, die nicht so stabil seien - "aber es bleibt uns nichts anderes übrig."

Es gehe darum, die Mobilität insgesamt zu reduzieren. Kretschmer befürwortete den Vorschlag von Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU), eine der beiden Winterferienwochen ganz zu streichen und die zweite auf die Karwoche zu verlegen.

Wenn Eltern schon Urlaub im Februar gebucht haben, würden die Kinder von der Schule freigestellt: "Mein Eindruck ist, dass der Mehrzahl der Menschen derzeit nicht nach Winterferien und Winterurlaub der Sinn steht."

Den Sachsen stehen weitere Kontakt-Einschränkungen bevor

Leipzig: Das sehr beliebte Barfußgässchen mit seinen Kneipen und Restaurants ist menschenleer.
Leipzig: Das sehr beliebte Barfußgässchen mit seinen Kneipen und Restaurants ist menschenleer.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Kretschmer zufolge braucht man wieder Kontrolle bei Nachverfolgungen. Das lasse sich aber ab einer Inzidenz von mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage kaum bewerkstelligen. Derzeit ist Sachsen mit einem Sieben-Tage-Wert von knapp 300 bundesweit Negativ-Spitzenreiter.

Kretschmer kündigte eine weitere Einschränkung der Kontakte an. Es gebe die Bitte und Aufforderung an die Menschen im Land, die Kontakte auf Begegnungen eines Hausstandes mit nur einer weiteren Person zu begrenzen.

Sachsen habe gesehen, wie dramatisch sich die Situation zuspitzen könne, begründete der CDU-Politiker das Vorgehen. Deutschland habe vermutlich das beste Gesundheitssystem der Welt, dennoch sei man an eine Grenze gelangt.

Bund und Länder hätten in einer sehr intensiven Diskussion analysiert, wo man derzeit stehe. Man sei überzeugt, dass die Pandemie ohne tatkräftiges Handeln nicht von allein an Kraft und Gefahr verliere. "Wir müssen weiter handeln, wir müssen sehr achtsam sein."

"Lockdown-Light - auch das ist eine Erfahrung - hat wenig gebracht. Wenn Schulen und Kindergärten, wenn Geschäfte geöffnet sind, gibt es zu viel Mobilität", betonte der Ministerpräsident. Man wolle die Phase des harten Lockdowns aber so kurz wie möglich halten.

Kretschmer warnt: Mutation des Coronavirus ist auf dem Vormarsch

Michael Kretschmer (45, CDU) spricht in der Staatskanzlei nach einer Bund-Länder-Schalte der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten zu den Corona-Maßnahmen.
Michael Kretschmer (45, CDU) spricht in der Staatskanzlei nach einer Bund-Länder-Schalte der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten zu den Corona-Maßnahmen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Alles ist sehr auf Kante genäht. Wir sind an einer sehr scharfen und gefährlichen Abrisskante. Das, was für Sachsen gilt, gilt für Deutschland insgesamt", sagte Kretschmer.

Er verwies darauf, dass eine Mutation des Virus inzwischen bis Dänemark vorgedrungen ist. Es gebe keinen Grund zur Entwarnung. "Wir sind in den schwierigsten, härtesten Monaten dieser Pandemie." Es gehe darum, diese Herausforderung gemeinsam zu bestehen.

"So traurig es auch ist: Die Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus war zu erwarten und ist insbesondere im Corona-Hotspot Sachsen derzeit wohl auch unumgänglich", betonte der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst.

Deutschland und vor allem auch Sachsen seien vollkommen unvorbereitet in die zweite Corona-Welle gestolpert:

"Sinnlose Alibi-Maßnahmen statt wirksamer Teststrategien haben zum Beginn der Welle wertvolle Zeit vertrödelt. Das Desaster um fehlende Impfstoffe und besonders in Sachsen kaum voranschreitende Impfungen sind jetzt nur der i-Punkt des Versagens."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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