Wirbel um die Kosten der Rekultivierung: Wer zahlt, wenn die Tagebaue gehen?

Dresden/Lausitz - Mit dem Kohleausstieg fließen Milliarden für den Umbau der Wirtschaft in die sächsischen Reviere. In der Lausitz könnten weitere Milliarden für die Rekultivierung der Braunkohletagebaue fällig werden. Sind sie gedeckt? Oder müssen wir alle dafür aufkommen?

Braunkohletagebau Nochten bei Weißwasser - im Hintergrund das Kraftwerk Boxberg.
Braunkohletagebau Nochten bei Weißwasser - im Hintergrund das Kraftwerk Boxberg.  © Andre Schulze

Der Abbau der Braunkohle kostet Heimat. Aber der Raubbau an der Natur bringt Milliarden. Der anschließende "Nachbau von Natur und Landschaft" - die Rekultivierung - kostet Milliarden.

Nach einem aktuellen Bericht von Spiegel Online könnten die Länder Sachsen und Brandenburg auf einem nicht unbeträchtlichen Teil der Rekultivierungskosten in der Lausitz sitzen bleiben.

Braunkohleabbau und die Kohleverstromung heißen in der Lausitz Leag. Das Unternehmen entstand 2016 durch den Verkauf der Tagebaue und Kraftwerke an die tschechische EPH-Gruppe und den mit ihr verbandelten Finanzriesen PPF Investments.

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Schon damals hieß es, Investor Daniel Křetínský (45) wolle nur die schnelle Mark machen. Auch die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag) gehört ihm.

Sächsisches Wirtschaftsministerium: Tagebaufolgekosten seien gedeckt

Spielt Daniel Křetínský (45) falsch?
Spielt Daniel Křetínský (45) falsch?  © Peter Mayer

Laut Spiegel soll Křetínský den Landesregierungen in Sachsen und Brandenburg beim Kauf seine Bedingungen aufgezwungen haben. Sein Angebot war das einzige. Für die Rekultivierung sei damals viel zu wenig Geld eingeplant worden. Ein mögliches "Milliardengrab".

Das sächsische Wirtschaftsministerium widerspricht. "Seit Ende 2018 bestehen Vorsorgevereinbarungen, die das Ziel verfolgen, den Finanzbedarf zur Absicherung der Tagebaufolgekosten nach Beendigung des Braunkohlebergbaus abzusichern", heißt es auf TAG24-Anfrage.

Auch die im Zuge des Kohleausstiegs verhandelten Entschädigungen von 1,75 Milliarden Euro flössen vollständig für die Tagebaufolgekosten.

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Außerdem findet Rekultivierung nicht erst nach dem Ende der Tagebaue statt, sagt Leag-Sprecher Thoralf Schirmer (55), sondern sei Tagesgeschäft.

"Wir sind sicher, dass wir unsere bergbaulichen Verpflichtungen erfüllen. Und wir haben auch die finanzielle Ausstattung dafür."

Titelfoto: Peter Mayer/André Schulze

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