Wird Sachsen die deutsche Atommüll-Kippe?

Dresden/Berlin - Jetzt wird es ernst: Am heutigen Montag wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mögliche Standorte für das ultimative nationale Atommüll-Endlager bekannt geben. Damit geht die Suche in die entscheidende Phase.
So könnte ein Endlager in Sachsen aussehen: Im Salzstock Gorleben prüft ein Ingenieur für Geotechnik durch Elektromagnetische Reflexion die Beschaffenheit des verborgenen Gesteins.
So könnte ein Endlager in Sachsen aussehen: Im Salzstock Gorleben prüft ein Ingenieur für Geotechnik durch Elektromagnetische Reflexion die Beschaffenheit des verborgenen Gesteins.  © imago images/photothek

In dem Verfahren gilt offiziell das Prinzip der "weißen Landkarte". Das bedeutet: Fürs Erste kommt jeder Ort infrage, sofern er bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Im weiteren Verlauf werden dann anhand festgelegter Kriterien schrittweise Orte ausgeschlossen. Bis 2031 soll der Standort gefunden sein.

Die Castorbehälter mit dem Atommüll werden verbuddelt. Gesucht waren deshalb Gebiete mit Schichten von geringer Durchlässigkeit. Infrage kommen Salz, Ton oder kristalline Gesteinsschichten, die mindestens 100 Meter dick sind. Das Endlager darf jedoch nicht mehr als 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen. 

Laut Umweltministerium kommen in Sachsen entsprechende Formationen in vier Regionen vor: Granit in der südlichen Lausitz auf einer Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern, das Kristallingestein Gneis im Osterzgebirge auf mehr als 800 Quadratkilometern, das Gestein Granulit nördlich von Chemnitz und Granit im Westerzgebirge auf rund 90 Quadratkilometern.

2022 ist es in Deutschland mit der Atomkraft vorbei

Ein Castor hängt am Verladekran. Nur ein unscheinbarer Aufkleber weist auf die hoch radioaktive Fracht hin.
Ein Castor hängt am Verladekran. Nur ein unscheinbarer Aufkleber weist auf die hoch radioaktive Fracht hin.  © imago images/Frank Brexel
Rollt vielleicht auch bald durch Sachsen: Ein Zugkonvoi von Castor-Containern, die radioaktive Atommüll enthalten, auf dem Weg durch Frankreich.
Rollt vielleicht auch bald durch Sachsen: Ein Zugkonvoi von Castor-Containern, die radioaktive Atommüll enthalten, auf dem Weg durch Frankreich.  © REUTERS/Vincent Kessler

Das politische Tauziehen nicht um, sondern gegen das Atommüll-Endlager hat bereits begonnen. Dabei steht besonders Bayern in der Kritik. 

Die dortige Landesregierung hat sich in den eigenen Koalitionsvertrag geschrieben, dass Bayern dafür nicht infrage kommt.

Das akzeptieren die anderen Länder nicht. Niedersachsen und Baden-Württemberg haben bereits gegen die Blockadehaltung protestiert.

Schon jetzt warten hochgefährliche, strahlende Abfälle in Zwischenlagern auf ein dauerhaftes und sicheres Endlager. Spätestens Ende 2022 wird das Problem noch drängender. 

Dann geht in Deutschland der letzte Atomreaktor vom Netz.

Titelfoto: REUTERS/Vincent Kessler

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0