Wozu aus der Ferne kaufen? Sachsen setzt auf Regional!

Lohmen - Die Forderung klingt erstmal gut und logisch: Immer mehr Bürger kaufen bei immer mehr lokalen Herstellern, vor allem Nahrungsmittel; immer mehr Produzenten wirtschaften in regionalen Kreisläufen. Doch noch scheitert der Ansatz oft an der Wirklichkeit. Die Staatsregierung geht das Problem nun strategisch an.

Rolf Seim (50) vom Ziegenhof Lauterbach inmitten seiner Tiere.
Rolf Seim (50) vom Ziegenhof Lauterbach inmitten seiner Tiere.  © Eric Münch

"Mäh!" Kein Zweifel: die 120 Ziegen von Schäfermeister Rolf Seim (50) leben ein glückliches Leben. Sein Hof in Lauterbach bei Stolpen in der Sächsischen Schweiz bietet mit Innen-, Außen- und Kletterbereichen alles, was das Ziegenherz begehrt. 

Die Tiere danken's mit köstlicher Milch (Muttertiere) und zartem Fleisch (Zicklein). Die Böcke zeugen Nachwuchs.

Ortswechsel. 

Vor Stolpen, in Lohmen, liegt die "Hofkultur Lohmen". Ein Ökorefugium der Familie Oettel, die Apfelsaft und Quittenmost vertreibt sowie eigenes Bier braut. "Hofdame" Andrea Keßner-Oettel bietet zudem Musikunterricht und Tanzkurse.

Die Familien Oettel und Seim stehen für Hunderte Regionalvermarkter in Sachsen, die ökologisch bewusst leben und biologisch korrekt produzieren, aber mit banalen Problemen zu kämpfen haben. 

Ministerium will Landwirtschaft regional mit Interessenten verknüpfen

Stefan Oettel mit seiner Frau Andrea-Keßner Oettel auf ihrem Hof.
Stefan Oettel mit seiner Frau Andrea-Keßner Oettel auf ihrem Hof.  © Eric Münch

Stefan Oettel zum Beispiel muss sein Korn in Franken mälzen lassen, weil es sachsenweit keine Mälzerei für "Kleine" gibt. Seim würde gern mehr Ziegen schlachten lassen, findet aber nur einen mittleren Lohnschlachter weit und breit.

Solche und ähnliche Klagen hört sich dieser Tage Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (47, Grüne) überall an. Nicht, weil die Regierung das Problem nicht kennt, sondern weil man die Sache nun strategisch angeht, wie er sagt. 

Denn: "Wir sind eigentlich eine Gunstregion." Soll heißen, gesegnet mit guten Böden. Aber im Bundesvergleich werde für in Sachsen pro Hektar lokal zu wenig herausgeholt - volkswirtschaftlich ein Unding. 

Von hier kämen oft nur Urprodukte wie Getreide. Die arbeitsplatzbringende Wertschöpfung finde anderswo statt. 

Minister Wolfram Günther (47, Grüne, r.) lässt sich von Brauer Oettel ein schmackhaftes heimische Biobier einschenken.
Minister Wolfram Günther (47, Grüne, r.) lässt sich von Brauer Oettel ein schmackhaftes heimische Biobier einschenken.  © Eric Münch

Mehr rausholen meine auch kombinierte Effekte aus Landbau und Tourismus. 

"Anderswo geht Region nicht nur durchs Auge, sondern durch den Magen", so Günther. Nun sammelt ein neu geschaffenes Referat in seinem Haus Anregungen. 

Beispiel: Eine Webplattform, die Erzeuger und Abnehmer mit Bestellmöglichkeit zueinander bringt.

Titelfoto: Eric Münch

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