Zu viele Corona-Fälle: Kontaktverfolgung in sächsischen Kommunen teils ausgesetzt

Dresden - Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen haben viele Gesundheitsämter in Sachsen inzwischen die aktive Kontaktverfolgung von Infizierten eingestellt.

In einigen Gesundheitsämtern unterstützt die Bundeswehr die Kontakt-Nachverfolgung.
In einigen Gesundheitsämtern unterstützt die Bundeswehr die Kontakt-Nachverfolgung.  © Philipp Schulze/dpa

Menschen mit einem positiven Corona-Testergebnis müssen vielerorts ihr Umfeld selbst informieren, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in einigen Städten und Landkreisen ergab.

Dresden etwa habe sich bisher bemüht, immer den individuellen Kontakt mit Betroffenen herzustellen, sagte Frank Bauer, Leiter des Gesundheitsamts.

"Angesichts der immensen Fallzahlen ist dies jedoch nicht mehr leistbar." Daher sei das Verfahren seit dem 1. Dezember umgestellt. Seitdem werden Infizierte nicht mehr angerufen, sondern erhielten zusammen mit den im Haushalt lebenden Personen eine schriftliche Information.

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Ähnlich lautet auch die Antwort aus dem Erzgebirgskreis. Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, soll sich dort "eigenverantwortlich" in die Quarantäne begeben. In Chemnitz müssen Infizierte seit zwei Wochen selbstständig ihre Kontaktpersonen informieren.

Im Landkreis Görlitz rufen Mitarbeiter des Gesundheitsamts zwar noch Kontaktpersonen an - allerdings nur unter Berücksichtigung der sogenannten De-Priorisierung. Das heißt: Die Nachverfolgung ist auf "vulnerable Gruppen" beschränkt, wie eine Sprecherin erklärt. Gemeint sind etwa Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen. Darüber hinausgehende Infektionen und Kontakte würden nachranging verfolgt.

Quarantäne wird durch Kontrollen überprüft

Wer einen positiven Corona-Test hat, sollte sich selbstständig isolieren. (Symbolbild)
Wer einen positiven Corona-Test hat, sollte sich selbstständig isolieren. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Auch das Gesundheitsamt in Leipzig kümmert sich laut Angaben der Stadt primär um "Kranke, Abwehrgeschwächte, Schulen, Kitas". Infizierte werden den Angaben nach dort per E-Mail informiert, dass sie positiv getestet sind, sich häuslich absondern und ihre Kontakte informieren müssen. Darüber hatte zunächst die Leipziger Volkszeitung berichtet.

Zugleich setzen die Landkreise weiterhin auf Kontrollen der Quarantäne. Laut Angaben der Stadt sind in Chemnitz drei Teams der Verwaltung dauerhaft damit beschäftigt, telefonisch und vor Ort zu kontrollieren, ob die Betroffenen ihre Quarantäne einhalten. "Bereits im Sommer wurden diese Kapazitäten aufgestockt", so ein Sprecher.

Wie hoch der Anteil derjenigen Menschen ist, die gegen die Quarantäne verstoßen, ist in den Landkreisen unterschiedlich.

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In der Stadt Leipzig liegt der Anteil laut einer Sprecherin bei rund drei Prozent. Aus Dresden heißt es, dass im November 1340 Quarantänekontrollen durchgeführt worden seien - nur in zwei Fällen seien Verstöße festgestellt und angezeigt worden.

Deutlich höher ist der Anteil der Abwesenden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: Dort trifft das Kontrollpersonal etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Quarantäne nicht an, wie das Landratsamt mitteilte. "Die Abwesenheit kann aber natürlich auch bedingt durch einen Arztbesuch festgestellt werden."

Titelfoto: Philipp Schulze/dpa

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