Kaum einer hat es mitbekommen: So gut war die 4. Landesausstellung

Zwickau - Bitteres Finale für "Boom." Die 4. Sächsische Landesausstellung endet so, wie sie begonnen hat - tragisch. Bis zum 31.12.2020 wollte die Schau 500 Jahre Industriekultur in Sachsen würdigen und ins rechte Licht rücken. Nach einem Monat Schließzeit im November steht nun fest, dass die gesamte Mega-Exposition mit ihrer Zentral- und den sechs Schauplatz-Ausstellungen wegen der Corona-Pandemie nie wieder für Besucher zugänglich sein wird. Lest hier, was die Ausstellungsmacher dazu sagen und was von der großen Idee bleibt.

Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU).
Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU).  © DPA/Robert Michael

"Es ist sehr schmerzlich, dass wir aufgrund der kritischen Entwicklung der Corona-Pandemie die Sächsische Landesausstellung nun nicht mehr eröffnen können. Dennoch haben innerhalb der kurzen Zeit über 100.000 Besucher gezeigt, wie groß das Interesse der Menschen an der Industriekultur ist. Das Thema werden wir auch in den nächsten Jahren weiter stärken", sagt Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU).

"Es ist tragisch, wie es das Projekt erwischt hat. Das Thema ist so wichtig! Die Industrie ist die Seele dieses Landes. Es war gut, richtig und wichtig, dass dieses Feuerwerk angezündet und die Region Südwest-Sachsen in den Blick genommen wurde", erklärt Prof. Klaus Vogel (64), Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden.

In den Händen seines Hauses lag die wissenschaftliche Erarbeitung und Durchführung der Zentralausstellung im Audi-Bau in Zwickau.

Die lebendige Darstellung von Kultur- und Industriegeschichte zog selbst kleine Leute in ihren Bann.
Die lebendige Darstellung von Kultur- und Industriegeschichte zog selbst kleine Leute in ihren Bann.  © Thomas Türpe
Ein "Boom."-Logo wirbt vor dem Bahnhof in Zwickau für die Landesausstellung.
Ein "Boom."-Logo wirbt vor dem Bahnhof in Zwickau für die Landesausstellung.  © Holm Röhner

"Schauplätze haben Großartiges geleistet"

Prof. Klaus Vogel (64), Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden
Prof. Klaus Vogel (64), Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden  © Norbert Neumann

Die Ministerin lobt: "Alle Schauplätze haben für die Landesausstellung Großartiges geleistet. Ich danke allen Mitarbeitern, Förderern und Partnern, die intensiv und hoch engagiert für die Landesausstellung gearbeitet haben."

Vogel resümiert erfreut, dass viele Besucher in der Zentralausstellung richtige Aha-Erlebnisse hatten. Das Panorama, das dort anhand starker Objekte den Industriestandort Sachsen mit seiner Geschichte, Gegenwart und Zukunft porträtiert hat, fand enormen Zuspruch und stiftete Identität.Dass der Freistaat das Feld der industriekulturellen Bildung weiter beackern will, hört der Museums-Direktor nur allzu gern.

Vogel verschmitzt: "Es wäre mir nur recht, wenn aus dem Feuerwerk der Landesausstellung ein solider Dauerbrandofen wird."

Horch-Museum-Chef Thomas Stebich.
Horch-Museum-Chef Thomas Stebich.  © Klaus Jedlicka

Was am Ende von der Landesausstellung übrig bleibt

Der Audi-Bau in Zwickau bot als Ausstellungshalle eine geniale Kulisse für die Schau über Industriekultur und -geschichte.
Der Audi-Bau in Zwickau bot als Ausstellungshalle eine geniale Kulisse für die Schau über Industriekultur und -geschichte.  © Uwe Meinhold

"Gott sei Dank verschwindet nicht alles", sagt Klaus Vogel mit Blick auf die Landesausstellung. Tatsächlich gibt es an den sechs Schauplätzen und im Internet über 2020 hinaus noch viel "Boom." zu sehen.

Das August Horch Museum wird "AutoBoom" Februar 2021 zeigen. Die Schauplatzausstellung "MaschinenBoom" im Industriemuseum Chemnitz läuft bis zum 25. Juli 2021.

Eine Sprecherin von Museums-Chef Thomas Stebich (47): "Wir hoffen zudem, dass wir im kommenden Jahr das Steampunk-Fest mit dem Verein Zahnrad und Zylinder nachholen können." Mit Mitteln der Landesausstellung wurde nachhaltig in die Infrastruktur im Sächsischen Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf investiert. Auch das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge konnte seine Präsentationen zur 800-jährigen Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus modernisieren.

Das Forschungs- und Lehrbergwerk Silberbergwerk Freiberg entwickelte neue Besucherprogramme und lockte damit 6700 Gäste an. Prof. Dr.-Ing. Helmut Mischo: "Diese Angebote sollen auch nach dem aktuellen Lockdown erhalten bleiben."

Zwickau ist die Wiege des Automobilbaus. Zu DDR-Zeiten lief hier der Trabant vom Band.
Zwickau ist die Wiege des Automobilbaus. Zu DDR-Zeiten lief hier der Trabant vom Band.  © Uwe Meinhold

Als Trostpflaster für alle, die die Zentralausstellung nicht besuchen konnten, produzieren Mitarbeiter des Hygiene-Museums gegenwärtig einen virtuellen Multimedia-Rundgang durch die Schau. Dazu werden auch 360°-Grad-Fotos von den ausgestellten Objekten angefertigt. Stimmen die Leihgeber der Stücke zu, wird diese Produktion bereits zu Beginn des kommenden Jahres im Netz veröffentlicht.

Titelfoto: Uwe Meinhold

Mehr zum Thema Zwickau:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0