Zittern am Sachsenring: Absage der Motorrad-WM wäre "herber Schlag"

Hohenstein-Ernstthal – Geräusche von dröhnenden Motoren, dazu ein Geruch von Benzin und verbranntem Gummi in der Luft: Danach sehnen sich viele Motorsport-Fans aus ganz Europa, die jährlich zu den Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft an den Sachsenring pilgern. 

Lars Kluge, Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, macht sich Sorgen um die Motorrad-WM. Eine Absage könnte die regionale Wirtschaft schädigen (Archivbild).
Lars Kluge, Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, macht sich Sorgen um die Motorrad-WM. Eine Absage könnte die regionale Wirtschaft schädigen (Archivbild).  © Andreas Kretschel

Doch ob es die Bilder von voll besetzten Tribünen, waghalsigen Überholmanövern und jubelnden Piloten in diesem Jahr zu sehen gibt, darf stark bezweifelt werden.

"Zusätzlich zu den Einbußen durch die Coronavirus-Pandemie wäre eine Absage des Deutschland Grand Prix für die gesamte Region ein herber Schlag", sagte Lars Kluge im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, der Kleinstadt nahe dem Sachsenring, macht sich Sorgen. 

Er weiß, dass eine Streichung des Rennwochenendes vom 19. bis 21. Juni aus dem Motorsport-Kalender gravierende Folgen mit sich bringen würde: "Ich denke da vor allem an die Hotels, Pensionen, Gewerbetreibenden, Taxi-Unternehmen oder Einzelhändler, die jetzt schon die finanziellen Verlierer der Krise sind. Findet der Grand Prix nicht statt, brechen weitere Umsätze weg. Viele Unternehmen hatten fest mit den Einnahmen aus der Rennwoche gerechnet."

Allein 2019 kamen 201.162 Besucher an den Ring. Die Motorrad-WM ist längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für den gesamten westsächsischen Raum geworden. 

Nun droht einem der größten Sportveranstaltungen in Ostdeutschland die Absage – auch wenn sich der ADAC als nationaler Veranstalter im Moment noch auffallend optimistisch zeigt.

ADAC-Sprecher: "Die Vorbereitungen für den Grand Prix laufen"

Die Vorbereitungen laufen: Doch ob die Motorrad-WM auf dem Sachsenring im Juni stattfindet, kann bisher niemand sagen (Archivbild).
Die Vorbereitungen laufen: Doch ob die Motorrad-WM auf dem Sachsenring im Juni stattfindet, kann bisher niemand sagen (Archivbild).  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

"Stand jetzt gibt es noch keine Beeinträchtigung des Motorrad Grand Prix Deutschland auf dem Sachsenring", teilte ein ADAC-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage schriftlich mit. Und weiter: "Die Vorbereitungen für den Grand Prix laufen nach Plan und der Zusammenhalt für die Veranstaltung ist in der Region sehr groß. Wir beobachten die Situation genau und stehen in engem Austausch mit den örtlichen Behörden und dem MotoGP-Rechtehalter Dorna."

Dass sich Mitte Juni Zehntausende Menschen auf engstem Raum tummeln werden, scheint angesichts der aktuellen Situation und behördlichen Beschränkungen allerdings illusorisch. In der MotoGP-Klasse ist in diesem Jahr noch gar kein Rennen ausgetragen worden. 

Lediglich die Auftaktläufe der Moto2- und Moto3-Klasse konnten Anfang März in Katar noch durchgeführt werden. Danach ging nichts mehr.

Hoffnungsschimmer für Sachsenring-Fans

Falls es zu einer Absage im Juni kommen sollte, bleibt den Motorrad-Fans ein kleiner Hoffnungsschimmer (Archivbild).
Falls es zu einer Absage im Juni kommen sollte, bleibt den Motorrad-Fans ein kleiner Hoffnungsschimmer (Archivbild).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Zuletzt musste der Europa-Auftakt im spanischen Jerez auf unbestimmte Zeit verschoben werden. "Wir sprechen mit den Veranstaltern aller Grands Prix. Das haben wir mit Jerez gemacht und werden es auch mit Frankreich und Italien tun. Anschließend sprechen wir mit Barcelona", sagte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta der spanischen Sportzeitung "AS" hinsichtlich der Absagen beziehungsweise Verschiebungen der weiteren Rennen im Mai und Anfang Juni. 

Dass die Mehrzahl der GP-Teams aus Italien und aus Spanien kommt, und damit aus Ländern, die von der Corona-Krise besonders stark betroffen sind, macht eine zeitnahe Austragung von WM-Läufen noch unwahrscheinlicher - selbst ohne Zuschauer.

Für den Fall einer Absage im Juni bleibt für den Sachsenring und seine Fans noch ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr. "Wenn wir wissen, wann wir starten können, werden wir die Saison so gut wie möglich anpassen. Wir müssen mindestens 13 Rennen fahren, damit es eine Weltmeisterschaft ist", erklärte Ezpeleta. 

Der Dorna-Chef stellte aber auch klar: "Wir tun, was wir können, wollen den letzten Teil des Jahres, der ohnehin schon stressig wird, aber nicht zu stressig gestalten. Wenn wir die Saison sehr spät starten, dann werden nicht alle Rennen stattfinden können."

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Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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