Irrer Prozess um 10,49 Euro: DHL-Fahrer soll Brief überfahren haben!

Zwickau - Vorm Landgericht Zwickau stehen nicht nur Totschläger, Vergewaltiger und Diebesbanden, sondern auch mal Postboten, denen vorgeworfen wird, einen Brief geöffnet zu haben. Auf der Anklagebank: DHL-Fahrer Christian L. (38). Mit seinem Lieferauto soll er einen bestückten Brief einer Empfängerin überfahren (!) und somit nicht ausgeliefert haben. Der Bote bestreitet die Tat.

Postbote Christian L. (38) beteuert, den Brief nie in der Hand gehabt zu haben.
Postbote Christian L. (38) beteuert, den Brief nie in der Hand gehabt zu haben.  © Maik Börner

Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses lautet der Vorwurf. Wer Pakete oder Briefe von Fremden öffnet, muss sich unter Umständen deswegen verantworten. So auch Christian L. aus Werdau.

Beim Verteilen der Pakete soll im April 2020 einen Brief mit Figuren für eine Modellbahn vor das Hinterrad gelegt und drübergerollt sein. Streitwert: 10,49 Euro. Die Figürchen haben den Vorfall unbeschadet überstanden.

"Ich habe den Brief nie gesehen. Es ist gar nicht möglich, weil Briefe theoretisch nicht in meinem Zustellfahrzeug landen", erklärte Christian L. Praktisch hätte sich der Brief im Verteilerzentrum an ein Paket heften müssen.

Spaziergänger finden mehrere Rehkadaver am Bahndamm
Zwickau Spaziergänger finden mehrere Rehkadaver am Bahndamm

Ein Anwohner hatte mit dem Handy gefilmt, wie der Brief vor der Empfängeradresse in Fraureuth überfahren wurde. Der entscheidende Teil, wie der Brief dort hinkam, fehlt allerdings. Auf Spuren untersucht wurde der Briefumschlag nicht. Er landete im Müll.

Der Fall war ursprünglich ein Strafbefehl, geht nun aber bis zum Landgericht Zwickau.
Der Fall war ursprünglich ein Strafbefehl, geht nun aber bis zum Landgericht Zwickau.  © Maik Börner
Bei einer Zustellung in Fraureuth soll der Werdauer eine Briefsendung mit seinem Lieferfahrzeug absichtlich überrollt haben (Symbolbild).
Bei einer Zustellung in Fraureuth soll der Werdauer eine Briefsendung mit seinem Lieferfahrzeug absichtlich überrollt haben (Symbolbild).  © DPA

Angefangen hatte die Brief-Posse mit einem Strafbefehl. Am Amtsgericht wurden 800 Euro Geldstrafe verhängt, obwohl Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädierten. Richter Rupert Geußer (59) setzte dem Brief-Krimi nun ein Ende: Einstellung des Verfahrens gegen 200 Euro Geldauflage. Christian L. hofft nun, dass er seinen Job bei der DHL zurückbekommt.

Titelfoto: dpa, Maik Börner

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