Kamera-ähnliche Box gestohlen: Doch was hat es wirklich mit ihr auf sich?

St. Egidien – Einfacher Diebstahl oder gezielter Anschlag auf einen Windpark? In St. Egidien (Landkreis Zwickau), Ortsteil Kuhschnappel, montierten Diebe am Montag eine Überwachungsbox für Fledermäuse ab. Der Diebstahl könnte eine Erweiterung des Windparks um Monate zurückwerfen.

Diese Überwachungsbox für Fledermäuse zeichnet keine Bilder, sondern die Rufe von Fledermäusen im Ultraschallbereich auf.
Diese Überwachungsbox für Fledermäuse zeichnet keine Bilder, sondern die Rufe von Fledermäusen im Ultraschallbereich auf.  © Polizei Zwickau

Die Box, die in drei Metern Höhe an einem Baum hing, sieht von außen aus wie eine Kamera – das könnte das Interesse eines normalen Diebes geweckt haben. Doch die Box macht keine Fotos, sondern zeichnet die Rufe von Fledermäusen im Ultraschallbereich auf.

Diese Untersuchungen sind notwendig, um die Zahl und das Flugverhalten der Tiere zu ermitteln. Das wiederum sind wichtige Grundlagen für Planverfahren zur Erweiterung von Windparks. Mit der Box in Kuhschnappel verschwanden auch die Fledermaus-Aufzeichnungen von drei Monaten.

Ein Windkraftexperte aus Sachsen hält einen Anschlag nicht für unwahrscheinlich: „Solche Messgeräte werden bundesweit von Windkraftgegnern gezielt zerstört oder gestohlen, um Planverfahren zu torpedieren.“

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Michael Oehler (58), SPD-Gemeinderat in St. Egidien, weiß, dass der Windpark in Kuhschnappel erweitert wird. "Der Ausbau ist aus Energiegründen notwendig. Ein Rückschlag um drei Monate wäre sehr ärgerlich."

Die betroffenen Firmen wollten sich auf TAG24-Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Die Polizei, die den Sachschaden auf 4500 Euro schätzt, ermittelt in alle Richtungen. Vor allem sucht sie mögliche Zeugen des Diebstahls. Hinweise unter Telefon 03763/640.

Titelfoto: Polizei Zwickau

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