Rechtsmediziner im Prozess zum Tod eines Babys in Plauen: Kind war voll entwickelt und hat gelebt

Zwickau - Im Prozess um den Tod eines Neugeborenen in Plauen hat die angeklagte Mutter ihr Schweigen gebrochen und von der Geburt im Januar 2020 berichtet.

In einer verwahrlosten Wohnung in der Strasse der Deutschen Einheit wurde ein Totes Baby gefunden.
In einer verwahrlosten Wohnung in der Strasse der Deutschen Einheit wurde ein Totes Baby gefunden.  © Uwe Meinhold

"Die Kleine war blau, hat keine Reaktion gezeigt und auch nicht geschrien", sagte die 31-jährige Deutsche am Dienstag schluchzend vor Gericht.

Von der Geburt sei sie an jenem Sonntag beim Duschen überrascht worden, nachdem sie wegen einer starken Erkältung und Rückenschmerzen beim Arzt gewesen sei. Sie habe plötzlich den Kopf des Kindes gespürt und es dann "vorsichtig herausgezogen", schilderte sie. "Ich habe es so empfunden, dass ich die Kleine tot entbunden habe." Was danach passiert sei, wisse sie nicht mehr - erst Tage später sei sie auf der Intensivstation im Krankenhaus zu sich gekommen. "Ich bin keine eiskalte Mutter", beteuerte die Angeklagte.

Sie habe die Schwangerschaft vor ihrer Familie verheimlicht, weil sie mit ihrer Situation überfordert gewesen sei und Fragen befürchtet habe, erklärte die zweifache Mutter. Sie habe mit dem Gedanken gespielt, das Baby in eine Pflegefamilie zu geben.

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Rettungskräfte hatten das Neugeborene tot in einem Schrank unter Wäschestücken gefunden (TAG24 berichtete). Laut Anklage soll die damals drogenabhängige Frau das Baby am 12. Januar 2020 zu Hause lebend zur Welt gebracht haben.

Sie ist am Landgericht Zwickau wegen Totschlags angeklagt.

Update, 14.42 Uhr: Rechtsmediziner: Baby war voll entwickelt und hat gelebt

Das vor gut einem Jahr tot in einer verwahrlosten Wohnung in Plauen gefundene Baby hat nach der Geburt gelebt. Das Mädchen sei voll entwickelt gewesen und habe "aktiv geatmet", erklärte der Rechtsmediziner Hans-Peter Kinzl mit Verweis auf Untersuchungen des Lungengewebes am Landgericht Zwickau.

"Die Todesursache ist Sauerstoffmangel", erklärte Rechtsmediziner Kinzl. Wie es genau dazu kam, konnte seinen Angaben zufolge nicht genau geklärt werden. Die Nabelschnur sei glatt - möglicherweise mit einem Messer oder einer Schere - durchtrennt worden. Auch wurde das Neugeborene nach der Geburt gereinigt und zwischenzeitig umgelagert. Anhand von Totenflecken sei zu erkennen, dass es eine Weile auf dem Bauch gelegen haben muss, gefunden wurde es in Rückenlage.

Dass die Mutter von der Geburt unvermittelt überrascht, gar eine Sturzgeburt erlebt hat, schloss Kinzl aus. Es habe sich den Schilderungen nach um eine normale Geburt mit Wehen über mehrere Stunden gehandelt.

Doch der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann äußerte Zweifel an ihrer Version. Er verwies auf den Inhalt mehrerer Textnachrichten, die sie an dem Nachmittag nach der von ihr geschilderten Geburt verschickt hatte. "Das ist kein Ausdruck einer Ausnahmesituation, die davor stattgefunden hat", betonte Hartmann. Es leuchte ihm auch nicht ein, warum sie das Baby im Schrank versteckt habe, wenn es eine Totgeburt gewesen sei.

"Es ist sehr zweifelhaft, dass wir das glauben können", sagte er. Die 31-Jährige blieb jedoch nach einer Bedenkzeit und Rücksprache mit ihrem Verteidiger bei ihrer Darstellung.

Für den Prozess sind derzeit drei weitere Verhandlungstage geplant - der nächste am 22. Februar.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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